Elgg/Zürich

Jagd auf Wildschweine wird verschärft

Wildschweine breiten sich aus und richten immer mehr Schäden an. Der Kanton hat deshalb die Jagdregeln geändert. In Elgg liess man sich die Bewilligungen präventiv erteilen.

Früher verboten, jetzt erlaubt: Frischlinge sind nicht mehr geschützt und dürfen ausserhalb des Waldes das ganze Jahr über erlegt werden.

Früher verboten, jetzt erlaubt: Frischlinge sind nicht mehr geschützt und dürfen ausserhalb des Waldes das ganze Jahr über erlegt werden. Bild: Keystone

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Wildschweine sind nachtaktiv. Warte man auf einem Hochsitz auf die Tiere, müsse man gut und gerne 60 bis 80 Stunden einrechnen, bis eines geschossen werden kann, sagt Theo Anderes, Obmann im Elgger Revier Rappenstein. «Bei Nacht mit künstlichem Licht ist die Jagd viel einfacher.» Auf Zürcher Kantonsgebiet ist eben das nun seit dem 1. April gestattet. Die Jagd wird vereinfacht, weil sich die Tiere immer mehr ausbreiten.

2016 wurden im Kanton 1500 Wildschweine gezählt – ein Rekord. Knapp 400 000 Franken mussten für Schäden aufgeworfen werden, auch das ein Rekord. Nicht eingeschlossen sind Schäden, die weniger als 300 Franken betrugen. «Das zählt als Bagatellschaden, den der Betroffene selbst bezahlen muss», sagt Anderes. Wildschäden über 300 Franken bezahlen zu Teilen die zuständige Jagdgesellschaft und der Kanton.

Frischlinge zum Abschuss frei

Die Zürcher Jagdverwaltung hat noch weitere Regeln gelockert. So darf neu auch an Sonntagen Schwarzwild, sprich Wildschweine, gejagt werden – bis zwei Stunden nach Sonnenaufgang und ab einer Stunde vor Sonnenuntergang. Allerdings braucht es das Einverständnis des zuständigen Gemeinderats. In Elgg ersuchten die beiden Jagdgesellschaften Rappenstein und Guegenhard um eine Bewilligung und erhielten sie vor einigen Wochen. Auch andere Gemeinden vermelden, dass sie die Sonntagsjagd zulassen.

Aufgehoben ist ausserdem der Schutz der Frischlinge. Ausserhalb des Waldes gilt für Wildschweine, die jünger als zwei Jahre sind, auch keine Schonzeit mehr. «Früher waren sie absolut geschützt», sagt Anderes. Mit dieser neuen Regelung soll ebenfalls der Vermehrung der Tiere entgegengewirkt werden. Richtet ein ausgewachsenes Wildschwein «erheblichen Schaden» an, darf es neu laut kantonaler Bestimmung auch während der Schonzeit, die vom 1. März bis 30. Juni gilt, erlegt werden.

Elektrozäune nützen nichts

Dabei halten sich die Wildschweine in Elgg bisher zurück: «Es kommt vereinzelt zu Wildschäden, aber bis jetzt waren alle in einem tragbaren Mass», sagt Anderes. Andere Jagdreviere hätten grössere Probleme. Die Tiere liessen sich nicht einmal mehr mit Elektrozäunen von Feldern fernhalten. «Sie warten, bis das Gras hoch genug ist und an den Zaun reicht. Das schwächt den Stromschlag ab.» Tobt sich eine Rotte auf einem Feld aus, können die Schäden tausende Franken betragen. In Elgg will man deshalb vorbereitet sein.

Ebenfalls präventiv liessen sich die Jagdgesellschaften die Bewilligung zur Nachtjagd auf Füchse und Dachse vom Elgger Gemeinderat erteilen. Die Jagdverwaltung gestattet auch in diesem Fall die Verwendung von künstlichen Lichtquellen wie Nachtsichtgeräten.

Jagd auf Füchse und Dachse

In der Verfügung vom 1. April heisst es: «Der Fuchsbestand ist seit dem Erlöschen der Tollwut stark angestiegen.» Füchse können erheblichen Schaden an Geflügel und Kleintierbeständen anrichten. Auch kämen zunehmend Beanstandungen aus Siedlungsgebieten, da Füchse Überträger von Krankheiten seien. Aus diesem Grund sei die Fuchsbejagung zu fördern, heisst es weiter. Auch Dachse richteten vereinzelt erhebliche Schäden an Getreide, Beeren oder Reben an.

In Elgg würden pro Jahr fünf bis sechs Dachse erlegt, sagt Anderes. Wohl fühlten sie sich aber vor allem in Weinbergen oder Maisfeldern. Ein Dachsbau in einem Maisfeld könne überdies grossen Schaden anrichten, wenn eine Erntemaschine darin einbreche. «Es gingen schon ganze Traktoren kaputt, das kann sehr gefährlich sein», weiss der Jäger. Die kantonalen Verfügungen gelten seit dem 1. April 2017 und bis «auf Zusehen hin», längstens aber bis die laufende Pachtperiode am 31. März 2025 endet.

Erstellt: 02.06.2017, 17:38 Uhr

Infobox

Neues kantonales Jagdgesetz

Das Gesetz über Jagd und Vogelschutz im Kanton Zürich stammt aus dem Jahr 1929 und muss überarbeitet werden. Die jagdlichen Rahmenbedingungen hätten sich verändert, schreibt der Regierungsrat. Insbesondere das Schwarzwild, aber auch das Rotwild habe stark zugenommen, geschützte Arten wie der Biber verbreiteten sich stark und mit dem vermehrten Auftreten von Grossraubtieren wie Luchs und Wolf sei zu rechnen.

Zur Zeit befindet sich ein Entwurf in der Vernehmlassung. Er hält unter anderem fest, dass die Jagdreviere neu durch den Kanton eingeteilt und nicht mehr versteigert werden sollen. Die Einteilung soll nach jagdlichen und wildbiologischen Kriterien erfolgen und sich nicht mehr hauptsächlich an den Gemeindegrenzen orientieren.

Auch die Wildschadenvergütung wird neu geregelt. Denn Wildschaden wird heute nicht mehr hauptsächlich von Reh, Fuchs und Krähen verursacht, sondern vom Schwarzwild. Neu soll man auch keine Jagdgäste ohne jagdliche Ausbildung mehr einladen dürfen.

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