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Kameras messen Schleichverkehr

Während zwei Tagen werden in Wiesendangen die Autonummern erfasst. Die Gemeinde will so mehr über den Schleichverkehr erfahren.

Beim Sportplatz Rietsamen in Wiesendangen ist gestern eine der Spezialkameras installiert worden.
Beim Sportplatz Rietsamen in Wiesendangen ist gestern eine der Spezialkameras installiert worden.
Johanna Bossart

Zwei orange gekleidete Mitarbeiter der Firma Swisstraffic AG installieren gestern Mittag beim Wiesendanger Sportplatz Rietsamen eine Spezialkamera. Es ist eine von sieben (siehe Karte), die am Mittwoch und Donnerstag den Verkehr in und um Wiesendangen erstmals differenziert messen.

Die Debatte um den Durchgangsverkehr bewegt die Gemeinde seit längerem, allerdings fehlen bis heute konkrete Zahlen. «Eine solche Messung mit Nummernschilderfassung, wie wir sie diese Woche vornehmen lassen, haben wir noch nie durchgeführt», sagt Gemeindeschreiber Martin Schindler. Bisher hat die Gemeinde lediglich die Fahrzeuge an diversen Strassen gezählt. «Wir wissen also noch nicht, woher die Fahrzeuge kommen und wie die Verkehrsströme durch Wiesendangen aussehen», sagt Schindler.

«Ausweichen ist verlockend»

Für Wiesendangen ist die Messung ein Novum, schweizweit ist sie aber nichts Aussergewöhnliches, wie Swisstraffic-CEO Alain Bützberger sagt: «Viele Gemeinden und Städte wollen wissen, wie hoch der Anteil am Durchgangsverkehr ist. Oft geht man von einem sehr hohen Anteil aus, es zeigt sich dann allerdings meistens, dass der Verkehr zum grössten Teil hausgemacht ist.» Bei Wiesendangen sei es aufgrund der Lage mit den beiden Autobahnzufahrten Oberwinterthur und Attikon jedoch schwierig einzuschätzen: «Wenn es Stau auf der Autobahn gibt, ist ein Ausweichen über Wiesendangen verlockend.»

Gemessen wird nebst dem Durchgangsverkehr auch der sogenannte Binnen-, Quell-, und Zielverkehr. Ersterer bedeutet: Jemand fährt innerhalb einer Ortschaft umher, der Quellverkehr startet etwa in Wiesendangen und verlässt den Ort, beim Zielverkehr stammt das Fahrzeug von auswärts und stoppt in Wiesendangen. Diese drei Arten werden als hausgemachter Verkehr bezeichnet, da er von Einwohnern und Pendlern stammt. «Normalerweise sind ungefähr zwei Drittel des Verkehrs in einer Ortschaft hausgemacht.» Wenn jedes Dritte oder Vierte Auto durch die Ortschaft hindurch fährt, entspricht das also ungefähr dem Durchschnitt.

Im Clinch mit dem Kanton

Autofahrer, die in den nächsten Tagen durch Wiesendangen kurven, müssen sich laut Bützberger keine Sorgen um den Datenschutz machen. «Wir erhalten null Informationen über die Autonutzer», sagt er. Die Daten würden anonymisiert ausgewertet. Bezüglich Datenschutz sei man «sehr pedantisch», betont Bützberger. Die Geschwindigkeit wird mit den Kameras übrigens nicht gemessen.

Nach den Messungen werden die Daten analysiert, um auf dieser Grundlage Massnahmen gegen den Durchgangsverkehr zu prüfen. Aktuell prüft der Gemeinderat eine Tempo-30-Zone im Ortsteil Wiesendangen, eine 40er-Zone auf der Dorfstrasse und in Bertschikon. Strassenschliessungen, wie sie von der Verkehrskonferenz im März vorgeschlagen worden sind, stossen hingegen auf Widerstand: 303 Personen haben sich mit einer Petition vor einigen Wochen gegen Fahrverbote auf Gemeindegebiet gewehrt.

Schon länger will der Gemeinderat zudem das Tempolimit auf der Attikerstrasse von 80 auf 60 reduzieren, um die Sicherheit insbesondere für Velofahrer und Fussgänger zu erhöhen. Die Strasse ist unübersichtlich und wird von Kindern als Schulweg benutzt. Geschwindigkeitsmessungen der Gemeinde zeigen zudem, dass das Tempolimit teils massiv überschritten wird. «Zwar ist es eine Gemeindestrasse, wir müssen für eine Herabsetzung der Geschwindigkeit aber eine Bewilligung bei der Kantonspolizei einholen», sagt Schindler. Da es sich um eine Überlandstrasse handle, sei die Kantonspolizei aber grundsätzlich gegen eine Reduktion. Man verhandle bereits seit über einem Jahr.

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