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Kanton hat aggressive Gans im Blick

Jahr für Jahr gibt es mehr Nilgänse in der Schweiz. Bei den Thurauen wurden gleich sieben der nicht willkommenen Tiere gesichtet.

Nilgänse mit Jungen: Zwei ausgewachsene Nilgänse mit fünf Jungtieren – auf dem Bild sind deren vier zu sehen – bei Ellikon am Rhein.
Nilgänse mit Jungen: Zwei ausgewachsene Nilgänse mit fünf Jungtieren – auf dem Bild sind deren vier zu sehen – bei Ellikon am Rhein.
Markus Brupbacher

Kürzlich in Ellikon am Rhein: Zwei auffallend schöne Gänse mit fünf Jungen suchen das Flachufer südlich des Dorfes nach Fressbarem ab. Die langen rosa Beine und die dunkelbraunen Augenflecken der erwachsenen Tiere lassen nur einen Schluss zu – Nilgänse. Rund 960 Kilometer rheinabwärts im Rotterdamer Hafengelände sind die Gänse häufig zu sehen Der kantonalen Fischerei- und Jagdverwaltung ist bekannt, dass sich am Rhein oder am Zürichsee Nilgänse aufhalten. «Im Moment sind es wenige Exemplare, genaue Zahlen haben wir noch nicht», sagt Urs J. Philipp, Leiter dieser Verwaltung. So seien es «einige am Rhein» und zwei am Zürichsee. Die Nilgans gilt als gebietsfremde, nicht einheimische Tierart (sog. Neozoon). Die Vogelwarte Sempach schätzt die Anzahl Brutpaare in der Schweiz auf drei bis zehn Stück.

Zur Zierde eingeführt

Weite Teile Afrikas sind die ursprüngliche Heimat der Gans. Im 17. und 18. Jahrhundert wurde sie als Ziervogel von Menschen nach Europa gebracht. Doch einige der Nilgänse büxten aus und bildeten als sogenannte Gefangenschaftsflüchtlinge erste Populationen in der Wildnis. Eine entstand bereits Ende des 18. Jahrhunderts in Grossbritannien. Sie blieb bis in die 1970er-Jahre recht stabil. Seither breitet sich die Nilgans aber rasch aus, vor allem von den Niederlanden aus. Die Ausbreitung erfolgte über den Rhein und seinen Nebenflüssen Richtung Süden. Und seit 2003 brütet die Nilgans jedes Jahr an Schweizer Gewässern. Die meisten Tiere werden am Rhein zwischen Basel und Koblenz gezählt. Aber auch am Neuenburger-, Zuger-, Zürich- oder am Bodensee werden Nilgänse gesichtet.

Ausbreitung «problematisch»

Als gebietsfremde Tierart steht die Nilgans unter der Beobachtung des Kantons. «Wir erfassen sämtliche Meldungen», so Philipp weiter. Als Neozoon sei die Ausbreitung der Gans aufzuhalten respektive zu verlangsamen. Laut Bundesgesetz hätten die Kantone dafür zu sorgen, dass sich die Bestände dieser Tiere nicht ausbreiten. Doch genau das tut die Nilgans in der Schweiz. So zeigt die Kurve der gezählten Tiere seit etwa Anfang der 2000er-Jahre steil nach oben.

«Die Nilgans ist bekannt für ihr recht aggressives Verhalten gegenüber anderen Vogelarten.»

Urs J. Philipp, kantonale Fischerei- und Jagdverwaltung

Laut Philipp ist die Ausbreitung der Nilgans «als problematisch zu beurteilen». Denn sie ist bekannt für ihr «recht aggressives Verhalten» gegenüber anderen Wasservögeln. So verteidigt sie einerseits ihren Brutstandort heftig. Andere Entenvögel werden im Revier nicht geduldet. Andererseits nimmt sie fremde Nester in Beschlag, so etwa von Falken, Krähen oder Störchen. Die Nilgans brütet aber auch am Boden oder in Baumhöhlen. Ihre Anpassungsfähigkeit, die rasche Vermehrung und ihr aggressives Verhalten machen die Nilgans als Neozoon so erfolgreich.

Noch keine Gans geschossen

Als gebietsfremde Tierart ist die Nilgans in der Schweiz das ganze Jahr über jagdbar. «Der Kanton Zürich beobachtet die Entwicklung sehr genau», sagt Philipp. Allfällige Abschüsse würden durch die zuständige Fachstelle, den Jagdaufseher oder -pächter ausgeführt. Gemäss der eidgenössischen Jagdstatistik ist im Kanton Zürich zwischen 2009 und 2016 noch keine Nilgans abgeschossen worden. Schweizweit hat die Zahl der Abschüsse seit 2013 kontinuierlich zugenommen, von 17 Tieren im Jahr 2013 auf 37 letztes Jahr – davon 27 im Kanton Aargau und 10 im Kanton St. Gallen.

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