Marthalen

Karpfen sterben in seichten Tümpeln

Nach dem Hochwasser verendeten einige Dutzend Fische bei Ellikon am Rhein in seichten Tümpeln. Diese seien bewusst so angelegt, aber man versuche, noch lebende Tiere zu retten, heisst es beim Kanton.

Einige Fische sind bereits tot, andere sind noch in Tümpeln gefangen.

Einige Fische sind bereits tot, andere sind noch in Tümpeln gefangen. Bild: Roland Müller

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Fischer Walz Nägeli aus Ellikon am Rhein spricht von einem Drama: Das Naturschutzgebiet «Schöni» oberhalb des Thurspitzes und innerhalb der Thurauen war nach den starken Regenfällen diese Woche überflutet. Viele Karpfen, die bis zu 80 Zentimeter lang werden, hätten sich deshalb in vermeintlich sicherere, seichtere Gebiete zurückgezogen. Als das Hochwasser abnahm, blieb den Fischen der Weg zurück in den Fluss verwehrt und Dutzende seien daraufhin in Tümpeln verendet.

Weiteren stehe dasselbe Schicksal noch bevor, sie befänden sich im oft nur noch knöcheltiefen Wasser von langsam eintrocknenden Tümpeln: «Ihre Rücken ragen aus dem Wasser und sie sind Angriffen von Vögeln schutzlos ausgesetzt.»

«Fischer würden bestraft»

Das Gebiet «Schöni» war Teil des Thur-Renaturierungsprojekts, dem sich der Kanton fast 20 Jahre lang gewidmet hat. Die regelmässige Überschwemmung von Wiesen und Wäldern ist gewollt, weil sich so seltene Tiere und Pflanzen ansiedeln können. Dass man dadurch in Kauf nimmt, dass Fische auf diese Art verenden, stösst bei Nägeli auf Unverständnis: «Tötet ein Fischer einen gefangenen Fisch nicht sofort mit einem Kiemschnitt, so wird er massiv bestraft. Hier aber, wo in einem vom Menschen gestalteten Gebiet nun Dutzende von Fischen eingehen, geschieht nichts», sagt Nägeli. Er schlägt vor, zumindest kleine Gräben zu schaffen, die den Fischen einen Rückzug in den Rhein möglich machten.

«Situation ist bekannt»

Matthias Stutz, Gemeindepräsident von Marthalen, weiss ebenfalls, dass es zu solchen Situationen kommen kann: «Bei der Erstellung des Flachufers war man sich bewusst, dass man solche Risiken eingeht.» Auch im Thurdelta gebe es Orte, an denen es zu Vorfällen dieser Art kommen könne. «Als Fischer bedaure ich es sehr, wenn das passiert.» Als Gemeindepräsident habe er aber keinen Einfluss darauf. Zuständig ist der Kanton.

«Was den Fischen schadet, kommt anderen Tierarten zugute.»Urs Philipp, Leiter der kantonalen Jagd- und Fischereiverwaltung

«Die Situation ist uns bekannt», sagt Urs Philipp, Leiter der kantonalen Jagd- und Fischereiverwaltung. Seit man mit der Renaturierung des Thurabschnitts begonnen habe, habe man gewusst, dass es zu solchen Vorfällen kommen könne. «Die Tümpel sind aber wichtige Komponenten für die Biodiversität.» Dass sie sich zwischenzeitlich mit Wasser füllen und danach wieder austrocknen, sei so vorgesehen. Geraten Fische hinein, könne ihnen das zum Verhängnis werden.

«Wir haben am Donnerstag von der Situation im Gebiet ‹Schöni› erfahren und gestern sind zwei Personen ausgerückt», sagt Philipp. Sie versuchten, noch lebende Fische zu retten. Das sei jedoch nicht ganz einfach, denn man könne nur von Booten aus an die Tümpel gelangen und müsse die Fische manuell mit Käschern herausschöpfen. Wie viele Fische insgesamt verendet seien, könne man momentan noch nicht sagen.

Ein Gesamtkunstwerk

Solche Effekte gebe es auch an anderen Orten im Kanton und habe es auch früher bereits gegeben, bestätigt Philipp. «Man muss das Gebiet als Gesamtkunstwerk anschauen, auf das viele verschiedene Einflüsse wirken und das ist so auch erwünscht.» Wo die Renaturierung Fischen in diesem Fall schade, komme sie dafür vielen anderen Tierarten zugute. (Der Landbote)

Erstellt: 24.05.2019, 17:39 Uhr

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