Zürich

Kehrtwende beim Kasernenareal

Der Kantonsrat spricht sich für eine Neuauflage des Deals mit der Stadt Zürich aus, den er im Januar abgeblockt hatte.

Die Polizeikaserne ist als Start-up-Zentrum im Gespräch.

Die Polizeikaserne ist als Start-up-Zentrum im Gespräch. Bild: Matthias Scharrer

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Die Fassaden der alten Zeughäuser im Zentrum Zürichs bröckeln schon lange. Noch länger werden künftige Nutzungen für das Kasernenareal diskutiert, zu dem die Zeughäuser gehören. Nun zeichnet sich ein Durchbruch ab: Der Kantonsrat hat sich gestern dafür ausgesprochen, den vom Regierungsrat zusammen mit dem Zürcher Stadtrat ausgehandelten Masterplan doch noch umzusetzen.

Entscheidend war die Kehrtwende der FDP. Noch Anfang dieses Jahres hatten die Freisinnigen zusammen mit der SVP und der EDU den Plan zur Weiterentwicklung der heutigen sozialen, kulturellen und gewerblichen Nutzungen gestoppt. «Wir wollen keine zweite Rote Fabrik», brachte Sonja Rueff (FDP, Zürich) damals die Haltung der Ratsrechten auf den Punkt.

Masterplan doch noch umsetzen

Dann verloren die Bürgerlichen die kantonalen Wahlen. Im Parlament wurden neue Mehrheiten möglich. Und in der Regierung löste Martin Neukom (Grüne) den vormaligen Baudirektor Markus Kägi (SVP) ab.

SP, Grüne und GLP reichten in der Folge einen Vorstoss ein, der den Regierungsrat auffordert, den Masterplan doch noch umzusetzen: Der Kanton soll demnach das Zeughausareal der Stadt Zürich im Baurecht überlassen und sich finanziell an den dringend nötigen Sanierungsarbeiten beteiligen. Der im Januar gescheiterte Deal sah vor, dass der Kanton 30 Millionen Franken übernähme, rund die Hälfte der Sanierungskosten.

Kaserne für Start-ups?

Nun kommt eine weitere Idee ins Spiel: Gleichzeitig wäre zu klären, ob die mit dem Umzug der Polizei ins neue Polizei- und Justizzentrum frei werdende Polizeikaserne künftige für innovative Jungunternehmen genutzt werden könne, heisst es in der Begründung des dringlichen Postulats von SP, Grünen und GLP. Damit nahm die Ratslinke ein Anliegen auf, dem FDP und SVP kürzlich mit einem Vorstoss für einen «digitalen Leuchtturm» auf dem Kasernenareal Nachdruck verliehen.

So kam es, dass die FDP einlenkte und dem Vorstoss für die Umsetzung des Masterplans zum Durchbruch verhalf: «Wir sagen Ja, weil wir eine gute Lösung wollen und möchten, dass auch unser Postulat durchkommt», sagte FDP-Kantonsrätin Rueff. Einem Verkauf des Zeughausareals an die Stadt Zürich würde die FDP aber nicht zustimmen, fügte sie hinzu.

«Es wird teilweise gefährlich»

«Die Stadt wäre einem Kauf nicht abgeneigt», sagte Céline Widmer (SP, Zürich). Vorderhand gehe es aber um die Umsetzung des Masterplans: «Wir wollen eine vielfältige, nicht gewinnorientierte Nutzung mit kulturellen und sozialen Einrichtungen.» Die in Rueffs Vorstoss genannten Ideen für einen «digitalen Leuchtturm», ein Zentrum für innovative Start-up-Firmen in der Polizeikaserne, seien interessant, so Widmer. Es sei aber nicht nötig, sie mit der künftigen Zeughaus-Nutzung zu verknüpfen.

«Die Geduld der Stadtzürcher ist am Ende. Sie möchten, dass es vorwärtsgeht», fügte Cyril von Planta (GLP, Zürich) an. Dies sei mit dem Masterplan möglich, da der Zürcher Stadt- und Gemeinderat ihm bereits zugestimmt haben. «Wir werden alle Vorstösse unterstützen, die eine Beschleunigung bringen», versprach Josef Widler (CVP, Zürich). Silvia Rigoni (Grüne, Zürich) erinnerte daran, dass der Streit ums Zeughaus- und Kasernenareal schon 40 Jahre dauert. Auch Baudirektor Neukom mahnte zur Eile: «Die Zeughäuser sind in einem sehr schlechten Zustand. Teilweise wird es gefährlich: Fassadentele bröckeln und fallen herab.» Ein Teil der Gebäude sei daher abgesperrt.

Verkauf noch möglich

Der Regierungsrat schliesse einen Verkauf des Zeughausareals an die Stadt nicht aus: «Es finden schon Gespräche mit der Stadt statt», sagte Neukom. Mit einer Neuauflage der von Stadt- und Gemeinderat bereits abgesegneten Lösung gehe es allerdings schneller.

Mit 124 zu 48 Stimmen sprach sich der Kantonsrat nun für diese Neuauflage aus. Lediglich SVP und EDU stimmten dagegen. Im Oktober wird sich der Rat erneut mit dem Areal befassen: Dann geht es um die Revision des Richtplans, der die Eckwerte für die langfristige Entwicklung vorgibt. Zu Rueffs Idee für die Polizeikaserne meinte Neukom: «Es ist möglich, dass wir da ein Start-up-Mekka schaffen können.» Er werde dem Regierungsrat beantragen, Rueffs Postulat ebenfalls entgegenzunehmen.

Erstellt: 23.09.2019, 18:16 Uhr

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