Winterthur

Keine Mauerblümchen

Das Schweizer Klaviertrio legt Teil vier seiner kompletten Einspielung der Beethoven-Klaviertrios vor.

Werktreue und Liebe zum Detail: Das Schweizer Klaviertrio mit Staub, Golubeva und Neustroev (von links).

Werktreue und Liebe zum Detail: Das Schweizer Klaviertrio mit Staub, Golubeva und Neustroev (von links). Bild: zvg

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Nach Klaviertrios von Robert und Clara Schumann, Mendelssohn, Tschaikowsky und Franck widmet sich das Schweizer Klaviertrio der kompletten Einspielung für diese Besetzung von Ludwig van Beethoven. Der eben, wiederum beim Label Audite, erscheinende Teil vier enthält mit denTrios Nr. 4 in B-Dur, op. 11, und Es-Dur, op. 38, Werke aus der früheren bis mittleren Schaffensphase des Komponisten. Der Pianist Martin Lucas Staub und die Violinistin Angela Golubeva leben seit Jahrzehnten in Winterthur, Golubeva ist auch Mitglied des Musikkollegiums. Am Cello wechseln sich Sébastien Singer und Sasha Neustroev ab.Als Entdeckung erweist sich das fast vierzig Minuten dauernde Klaviertrio Es-Dur, das normalerweise nicht als Trio gezählt wird, weil es sich um eine Umarbeitung des Septetts für Streicher und Bläser, op. 20, handelt. Beethoven folgte mit der 1807 publizierten Umarbeitung, wie der Begleittext informiert, «dem bürgerlichen beziehungsweise adligen Bedarf an unkompliziert, das heisst im Rahmen des Salons oder Hauskonzerts aufführbarer Musik, ohne jedoch den virtuosen Anspruch aufzugeben». Die frische und unprätentiöse Interpretation des Schweizer Klaviertrios bringt die Qualitäten des Stücks behutsam zur Geltung und zeigt, dass es sich dabei um kein Mauerblümchen handelt. Das «Allegro con brio» im ersten Satz etwa wirkt beseelt, der zweite (von insgesamt sechs Sätzen) feinsinnig und dem Detail verpflichtet.

Subtil, leichtfüssig und transparent ist auch das halb so lange Opus 11, das sogenannte «Gassenhauer»-Trio. In beiden Fällen überzeugt die Interpretation mit sorgfältiger Werktreue. Ergänzt werden die beiden Stücke um das kurze, heitere «Allegretto» in Es-Dur für Klaviertrio, das vermutlich 1790 noch in Bonn entstanden ist. Das Booklet informiert ausführlich über die Entstehung der Werke.


Das Schweizer Klaviertrio tritt an dem von ihm gegründeten Festival Kammermusik Bodensee im Konzertsaal Lilienberg-Zentrum in Ermatingen auf: 1. bis 3. September.
www.kammermusikbodensee.com

Erstellt: 29.08.2017, 16:42 Uhr

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