Altikon

Kinder brauchen im Cyberspace Begleitung

Mobbing, Gewalt und Pornographie: Die Kantonspolizei, die Jugendsozialarbeit und der 13-jährige Silas Baumann informierten in Altikon Eltern über Faszination und Gefahren von Internet, Games und Handy.

Kinder sollen im Umgang mit sozialen Netzwerken besser betreut werden.

Kinder sollen im Umgang mit sozialen Netzwerken besser betreut werden. Bild: Keystone

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Mobbing per WhatsApp in Wiesendangen, ein Chat voll Gewalt, Rassismus und Pornographie in Elgg: Wo es Internet gibt, sind auch problematische Inhalte zu finden. «Derzeit müssen wir leider sehr viele Handys von Jugendlichen sicherstellen», sagte Anita Eschmann von der Jugendintervention der Kantonspolizei Zürich am Donnerstagabend.

Gut 40 Personen waren nach Altikon gekommen, um sich zum Thema «Faszination und Gefahren von Internet, Games und Handy» zu informieren. Was sollen Eltern tun, wenn ihr Kind gemobbt wird, wenn es selber mobbt oder wenn es verbotene Videos konsumiert und verbreitet? Auf diese Fragen gab es Antworten und konkrete Tipps (siehe Kasten rechts).

Für einmal sprachen aber nicht nur Erwachsene darüber, wie sich die Jugend von heute im Internet bewegt. Referiert hat auch der 13-jährige Silas Baumann, Sek-Schüler aus Rickenbach. Er gab den Erwachsenen einen Einblick in die angesagtesten Games namens Minecraft und Fortnite. Er erzählte, wie ihn ein Handyverbot unter sozialen Druck bringt, weil er dann nichts posten kann und dass er es eigentlich blöd findet, für Games Geld auszugeben, er es aber trotzdem schon getan hat.

Seine Ausführungen zeigten deutlich, dass das Smartphone heute zum Leben der Jugendlichen gehört. «Eltern müssen sich mit diesen Themen befassen», sagte Schulsozialarbeiter Gregor Aeschbach. «Sie dürfen die Kinder in der virtuellen Welt nicht alleine lassen.»

Vieles altersgerecht

Praktisch jedes Kind in der Primarschule Altikon und in der Sek Rickenbach hat täglich Zugang zu Tablets oder Smartphones. Das zeigte eine Umfrage, die Aeschbachan «seinen» Schulen gemacht hat. «Die meisten Kinder nutzen die Geräte altergerecht», stellt er fest. Nur vereinzelt hätten Primarschüler schon Zugang zu Panzerspielen oder ähnlichem.

Mit Games hat Eschmann bei der Kapo eher weniger zu tun. «Eltern müssen auch keine Angst haben, dass ihr Kind gleich zum Amokläufer wird, weil es Fortnite spielt», sagt sie. Aber man müsse sich bewusst sein, welche Gefahren es gebe: Ängste, Realitätsverlust oder Kontakte zu Fremden, die über das Spiel entstehen können.

Schon in der zweiten Klasse

Doch vielmehr beschäftigen die Jugendintervention Cyber-Mobbing, Diebstahl von Kreditkarten für Downloads, Gewalt und Pornographie. «Wir haben schon Fälle in der zweiten Klasse», sagt sie. Vielen Kindern sei gar nicht bewusst, was sie mit ihren Nachrichten auslösen würden. Es gehe um echte Verletzungen der Psyche. Das Problem mit dem Mobiltelefon sei zudem, dass die Kinder zu Hause keine Ruhe vor den Attacken hätten. «Sie können das Gerät oft auch nicht ausschalten, weil sie dann das Gefühl haben, etwas zu verpassen oder die Sachen, die über sie gesagt werden, nicht mitzubekommen.» Das sei manchmal wie ein Zwang.

Eltern sollten darum – auch ohne Mobbingfall – gezielte Handypausen fordern. Über Nacht zum Beispiel Handy weg und W-Lan aus. Sollte sich das Kind zurückziehen oder heimlich Sachen auf den Handy löschen, dann sollten Eltern genauer hinschauen. Doch Eschmann stellt klar: «Verbote helfen wenig.» Die Kinder müssten den Umgang mit der Technologie lernen. «Es ist wichtig, dass Sie mit Ihren Kindern im Gespräch bleiben.» Man müsse thematisieren, was für Dinge verbreitet würden, was illegal und was verletzend sei. «Und das schon mit Primarschülern. Wenn Sie einem Sek-Schüler erzählen, dass es Pornographie gibt, hat er wahrscheinlich in dieser Richtung schon alles gesehen.»

«Tolle junge Leute»

Und wenn man nicht weiter wisse, könne man sich auch bei der Jugendintervention melden. «Manchmal hilft es, wenn jemand von aussen den Jugendlichen mal aufzeigt, wo die Grenzen sind.»

Einige Eltern zeigten sich am Ende des Anlasses besorgt: «Da lauern riesige Gefahren für unsere Kinder und wir bauen den Kletterturm ab, weil er zu gefährlich ist», sagte ein Vater. Aeschbach und Eschmann relativierten: Die Technologie verändere sich und entwickle sich immer weiter – mit Vor- und Nachteilen. «Damit müssen wir leben und einen Umgang finden.» Und Aeschbach betonte: «An der Sek haben wir richtig tolle junge Leute, die keinerlei Probleme mit dem Internet haben.» (Landbote)

Erstellt: 06.04.2019, 12:05 Uhr

Bald normal

Was tun gegen Cyber-Mobbing und Co.?

Die Jugendintervention der Kantonspolizei sowie die Schulsozialarbeit raten Eltern zu folgendem Umgang bei Problemen mit Smartphone und Internet: Grundsätzlich gilt es die Bildschirmzeiten zu beschränken und das Verhalten im Internet zu thematisieren. Bei Mobbing sollte man immer handeln. «Untätigkeit lässt die Gewaltspirale immer weiterdrehen», sagt Anita Eschmann. Nach dem Prinzip Stop-Block-Tell sollten Täter überlegen, wie sich andere mit ihrem Verhalten fühlen und aufhören. Opfer sollten Beweise sammeln und Täter blockieren, um sich zu schützen. Und sie sollten sich jemandem anvertrauen. Wenn Gespräche nichts bringen, sollten sich Eltern nicht scheuen, auch eine Anzeige gegen die Täter zu prüfen. Oft würde ein Gespräch mit der Polizei schon helfen. (rut)

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