Zähne und Schoggi

«Kinder mit verfaulten Zähnen gibt es heute noch»

Der Winterthurer Zahnarzt Frederic Schweizer verrät, was er seinen Kindern dereinst ins Osternest legt. Und ob er Schokolade isst.

«Löcher in den Zähnen hatte ich auch.» Frederic Schweizer, Zahnarzt in Winterthur

«Löcher in den Zähnen hatte ich auch.» Frederic Schweizer, Zahnarzt in Winterthur

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Beim Gedanken an Ostern und die vielen Schoggi-Osterhasen müssen Ihnen die Haare zuBerge stehen.
Frederic Schweizer: Nun, ich nasche selbst gerne, vor allem Schokolade und Gummibärchen. Deshalb würde ich niemandem die Süssigkeiten verbieten. Wichtig ist, dass man die Zähne mindestens zweimal pro Tag putzt, und zwar nach dem Frühstück und vor dem Zubettgehen.

Müssten sie Kinder bei all den Naschereien und Süssgetränken nicht häufiger putzen?
Nach kleinen Zwischenmahlzeiten würde ich es auch empfehlen. Zwischendurch helfen aber auch zuckerlose Kaugummis. Diese dürfen das Zähneputzen aber auf keinen Fall ersetzen.

Was legen Sie Ihren Kindern dereinst ins Osternest?
Osterhasen aus Schokolade gehören dazu, auch wenn ich selbst nur wenig Süssigkeiten erhielt. Im Nest lagen vor allem gefärbte Eier. Die Suche nach dem Nest fand ich denn auch spannender als den Inhalt.

Rennen Ihnen die Patienten nach Ostern wegen Löchern in den Zähnen die Tür ein?
So schnell geht das nicht. Karies entsteht dann, wenn man die Zähne über einen längeren Zeitraum vernachlässigt. Eine Woche lang zu viele Süssigkeiten essen reicht dafür zum Glück nicht.

Man könnte sich auch an einem Nougat-Ei den Zahn ausbeissen.
Das passiert aber auch meist nur dann, wenn der Zahn schon geschädigt ist. Manchmal ist im Untergrund schon eine kleine Karies vorhanden, sodass die Oberfläche schwächer ist. Wenn man dann auf etwas Hartes beisst, bricht ein Stück Zahn weg.

Was ist schlimmer für die Zähne, Schokolade oder saure Gummischlangen?
Saure Gummischlangen sind noch ein bisschen schlimmer. Weil zum Zucker noch die saure Komponente dazukommt. Denn Bakterien produzieren aus Zucker Säure. Und wenn schon Säure vorhanden ist, dann geht es noch etwas schneller, bis der Zahn demineralisiert ist und Karies, also ein Loch, entsteht.

Hatten Sie in Ihrer Praxis schon Kinder, bei denen alle Zähne verfault waren?
Ja, das gibt es heute leider immer noch. Die Eltern sagen dann jeweils, ihre Kinder liessen sie nicht an die Zähne ran. Hier sollte man streng sein, finde ich. Denn wenn ein Kind sich nicht mal die Zähne putzen lässt, dann wird es auch der Zahnarzt nicht behandeln können. Eltern sollten ihre Sprösslinge Schritt für Schritt an die Mundhygiene und an den Besuch beim Zahnarzt heranführen. Es soll ja nicht sein, dass der Zahnarzt beim ersten Besuch gleich bohren muss.

Die Milchzähne fallen ja sowieso aus, wieso also reparieren?
Wenn es so einfach wäre. Die Bakterien, welche im Milchzahn ein Loch verursachen, sind ohne Behandlung in der Mundhöhle in höherer Zahl vorhanden. Also sind auch die neuen Zähne stärker gefährdet. Das kann bei Kindern Schmerzen und dicke Backen verursachen wie bei den Erwachsenen.

Haben Sie beim Zahnarzt auch schon Schlimmes erlebt?
Löcher in den Zähnen hatte ich auch, da war ich leider keine Ausnahme. Als kleines Kind fand ich es nicht so toll, wenn der Zahnarzt bohren musste. Mit der Zeit wurden die Besuche immer spannender. Mein Zahnarzt war ein Bekannter meiner Eltern. Der war sehr nett, denn er hat mich sogar an einem Gipsmodell mit dem Bohrer hantieren lassen.

Was tun Sie, um den Kinderndie Angst zu nehmen?
Ich erkläre die Behandlungsschritte spielerisch, zeige ihnen die Instrumente und lenke sie mit schönen Geschichten ab. Nach all der Tapferkeit gibts dann auch eine kleine Belohnung.

(Der Landbote)

Erstellt: 15.04.2017, 09:15 Uhr

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