Winterthur

Kinder-Notfallpraxen sind wegen Grippewelle am Anschlag

Die Grippe zwang über die Festtage viele ins Bett. Notfallpraxen für Kinder in Winterthur und in Zürich erlebten in den vergangenen Wochen einen noch nie dagewesenen Ansturm.

Die Kinderarzt-Praxen in Winterthur und Zürich waren zwar auf einen grossen Andrang gefasst, vom Ausmass der Grippewelle waren sie dann aber doch überrascht.

Die Kinderarzt-Praxen in Winterthur und Zürich waren zwar auf einen grossen Andrang gefasst, vom Ausmass der Grippewelle waren sie dann aber doch überrascht. Bild: Keystone

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Die Grippe ist im Kanton Zürich derzeit weit verbreitet – deutlich früher als üblich. Laut dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) sind vor allem Kinder und Jugendliche von der Epidemie betroffen. Bereits Mitte Dezember gab es in Winterthur eine Schulklasse, in der über zwei Drittel der Schüler wegen der Grippe das Bett hüten mussten (Landbote vom 17. Dezember 2016). Entsprechend gross war in den letzten Wochen der Ansturm auf die Notfallpraxen. Aussergewöhnlich stark war der Andrang vor allem über die vergangenen Feiertage.

«Wir sind schlicht überrollt worden», sagt Petros Ioannou, der ärztliche Leiter der Kinderpermanence-Standorte in Winterthur und Zürich. Man habe sich zwar auf eine erhöhte Zahl an Patienten über die Festtage eingestellt, aber mit einem solchen Ausmass habe dennoch niemand gerechnet.

Bis zu 70 Kinder pro Tag

Katja Berlinger, CEO der Swiss Medi Kids Zürich AG, lässt auf Anfrage durchblicken, dass die Kinder-Permanencen in Winterthur und Zürich in den letzten Wochen an ihre Belastungsgrenzen gestossen sind. «Manche unserer Mitarbeitenden sind ziemlich müde, denn wir hatten über die Feiertage so viele kleine Patienten wie noch nie.» Pro Tag seien bis zu 70 Kinder betreut worden. Die meisten Kinder wiesen die klassischen Grippesymptome auf, wie beispielsweise hohes Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen, erzählt Kinderarzt Petros Ioannou.

Doch auch Erwachsene sind zunehmend von der aktuellen Grippewelle betroffen. «Über die vergangenen Festtage und auch in den letzten Tagen kamen deutlich mehr Patienten mit Grippesymptomen in die Notfallstation des Universitätsspitals Zürich», sagt deren Sprecherin Martina Pletscher. In einzelnen Fällen würden die Patienten nun stationär betreut. «In der Mehrzahl sind dies Patienten mit einem erhöhten Komplikationsrisiko, weil sie zum Beispiel bereits an einer Lungenkrankheit leiden.»

Neues Virus zu spät erkannt

Wer sich allerdings hat impfen lassen, dessen Abwehrsystem ist normalerweise relativ gut auf die aktuellen Grippe-Viren vorbereitet. Das Influenza-Virus, das derzeit auch in der Schweiz am verbreitesten ist, ist ein bekannter Subtyp des A-Virus: H3N2. Davon sind wiederum zwei Varianten europaweit im Umlauf: Die Hong-Kong- und die Bolzano-Variante.

Letztere wurde jedoch im vergangenen Jahr zu spät entdeckt, um noch Eingang in die Impfstoff-Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation WHO zu finden. Es ist deshalb denkbar, dass der aktuelle Impfstoff weniger effektiv wirkt als erwartet. Das Risiko, trotz Impfung an einer Grippe zu erkranken, wäre somit grösser. Doch wie gross ist diese Gefahr tatsächlich?

Offene Fragen

«Die Frage, ob die Grippeimpfung einen genügenden Schutz vor dem Bolzano-Virus bietet, müssen wir im Moment noch offen lassen», sagt Patrick Mathys, stellvertretender Leiter der Abteilung Übertragbare Krankheiten beim Bundesamt für Gesundheit. «Vielleicht lässt sich diese Frage gar erst nach der Grippewelle beantworten.» Man dürfe aber dennoch davon ausgehen, dass die Wirksamkeit der aktuellen Grippeimpfung gut sei. Zumal sich das neue Virus von anderen Viren genetisch nur gering unterscheide.

Wie verbreitet ist der Erreger?

Offen bleibt auch die Frage, wie stark das neue Bolzano-Grippevirus in der Schweiz tatsächlich verbreitet ist. «Denn dazu fehlt uns im Moment schlicht das notwendige Datenmaterial», sagt Mathys. Dieses fehle vor allem deshalb, weil über die Festtage «die Anzahl und der Zeitpunkt der Meldungen stark variieren». Gut zu wissen ist immerhin, dass die neue Virusvariante laut dem Referenzzentrum für Influenza in Genf nicht gefährlicher ist als ähnliche Grippeviren. (Der Landbote)

Erstellt: 02.01.2017, 16:16 Uhr

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