Konzert

Konzentration in Musik und Sprache

Hans-Ulrich Munzinger ist 66 und spielt am Sonntag sein eigenes Geburtstagskonzert. Der ehemalige Leiter des Konservatoriums Winterthur ist immer offen für Neues.

Musiker und Autor Hans-Ulrich Munzinger, aufgenommen im Hauptbahnhof Winterthur.

Musiker und Autor Hans-Ulrich Munzinger, aufgenommen im Hauptbahnhof Winterthur. Bild: Marc Dahinden

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Das Gasthaus Schlosshalde ist ein wahrer Hotspot der Kultur. Die Palette des Gebotenen ist breit, aber der Rahmen intim. Man kommt hier auf Tuchfühlung mit bekannten Kabarettisten, Musikern, Autoren und Künstlern, die nicht durchwegs, aber vielfach mit Winterthur oder der Region auf die eine oder andere Art verbunden sind.

In der originellen Programmierung an der Peripherie der Stadt fällt besonders auch die Reihe «Winterklassik» auf, deren Initiant und Leiter der in Winterthur lebende Pianist Jun Onaka ist. Die Einladung zur nächsten Veranstaltung fällt aber dennoch aus dem Rahmen.

Es ist ein musikalisch-literarischer Abend mit und um den Cellisten Hans-Ulrich Munzinger. Dieser, sonst für die Moderation der «Winterklassik» zuständig, «spielt sein eigenes Geburtstagskonzert», heisst es in der Ankündigung. Im Duo mit der Winterthurer Pianistin Franziska Gallati interpretiert er Werke, die einen Bezug zu seiner Biografie haben und zu dem, was ihn aktuell beschäftigt. Dazu gehören auch eigene literarische Texte, die der aus Henggart stammende Schauspieler Adrian Furrer dazwischen liest.

Vom Moderator zum Thema

Statt die thematische Vorgabe zu kommentieren, wie er dies sonst mit Geist und Humor tut, ist Munzinger diesmal somit selber das Thema. Die überraschende Volte erklärt er damit, dass er als Co-Leiter und Moderator der «Winterklassik» dazu eingeladen wurde, als Cellist aufzutreten, aber nicht einfach die Seite wechseln und sich in die Reihe der hier auftretenden Interpreten stellen wollte.

«Lieber wollte ich etwas machen, was mit meiner jetzigen Situation zu tun hat», sagt Munzinger. «Den Kern des Programms bildet die Sonate von Gabriel Fauré, ein Stück, das wir, Franziska Gallati und ich, eben ganz neu erarbeitet haben. Dann kam die Idee, dazu Sachen zu spielen, die ich in verschiedenen Phasen meines Lebens gespielt habe, eben das allererste Cellostück, die Martinu-Stücke, die ich als junger Schüler gespielt habe, die Schumann-Stücke, die ich im Studium gespielt habe. Und die Texte reflektieren auch verschiedene Stationen, aber nicht einfach im biografischen Sinn, es sind ältere und ganz neue, für den Anlass geschriebene Texte. Dazu kommen drei Abschnitte aus der Erzählung

Leitung der Volkshochschule

Mit «Zeit – von gestern auf heute» ist der Abend überschrieben, und dass er mit der Altersmarke 66 zusammenfällt, ist dann doch eher zufällig. «Mit 66 Jahren , da fängt das Leben an», das ist nicht Munzingers Devise. Als Direktor des Konservatoriums, das er 25 Jahre leitete, ging er ja schon mit 61 in Pension, und die intensive Aufgabe auf verantwortungsvollem Posten hinterliess nur kurz eine Lücke. Neues kam schnell, aber Angestammtes konnte auch wieder mehr Platz einnehmen.

«Ein poetischer Ansatz war mir auch in meinen Reden immer wichtig.»Hans-Ulrich Munzinger?
Musiker und Autor

Munzinger kommt auf die Volkshochschule Winterthur zu sprechen, deren Leitung er 2017 übernahm und in die er viel Zeit investiert. Sie nimmt ihn umso mehr in Anspruch, als er diese Institution weiter bringen möchte. «Wir wollen innovativ bleiben und Neues ausprobieren.»

Musik und Literatur

Für Neues ist Munzinger somit zu haben, aber die Frage ist, so in der Konzerteinladung: «Worum geht es eigentlich?» Vielleicht ist das Konzert auch die Antwort: Munzinger war nach dem Musikstudium Cello-Lehrer an den Musikschulen beider Basel, Leiter von zwei verschiedenen Ensembles in Basel und über zehn Jahre Cellist im Ensemble für zeitgenössische Musik des Theaters am Gleis in Winterthur. Es geht darum, Musik zu machen. Und zu schreiben.

Die schriftstellerische Arbeit ist die andere ureigene Angelegenheit, die unvermindert auf Munzingers Agenda steht. «Geschrieben habe ich immer», sagt er. In der Zeit als Direktor des Konservatoriums war für den Musiker und Poeten das Schreiben allerdings zumeist situationsbezogen, es ging um Anlässe, Reden, Zeitungsartikel, Konzerteinführungen. «Aber auch da war mir ein poetischer Ansatz immer wichtig, gegen allzu sachlich trockene Wissenschaftlichkeit habe ich mich immer gesträubt», erklärt er. Lesungen mit erzählerischen Texten hat Munzinger schon veranstaltet, eine Buchpublikation steht bevor.

Die Frage, ob Musik und Literatur für ihn zusammengehörten, beantwortet er mit Ja und Nein. «Es sind zwei Geschichten, die sich gegenseitig ausschliessen und beeinflussen.» Sie sind für ihn auf je eigenen Zeitinseln zu Hause, aber die Texte hätten formal und in der Haltung schon etwas mit Musik zu tun: «Ich suche in der Sprache eine ähnliche Konzentration zu erreichen wie in einer musikalischen Phrase, es geht um einen intuitiven Prozess, ähnlich wie bei der Erarbeitung eines Musikstücks.»

Zeit – von gestern auf heute. Sonntag, 24.2., 17 Uhr, Gasthaus Schlosshalde, Mörsburgstrasse 36. Mit Franziska Gallati, Adrian Furrer und Hans-Ulrich Munzinger.

Erstellt: 17.02.2019, 15:26 Uhr

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