Winterthur

Künftig heissts hier Zwetschgenweg

Brunhild Widmer aus der Breite hat einen Wunsch: Ein kleiner namenloser Weg, der an ihrem Haus vorbei führt, soll Zwätschgewägli heissen. In der Verwaltungsmühle wurde zwar Zwetschgenweg daraus. Doch wenn Frau Widmers Zwetschgen reif sind, wird sie den neuen Namen feiern können.

Brunhild Widmer brachte via Stadtmelder den Wunsch an, diesem Weg einen Namen zu geben.

Brunhild Widmer brachte via Stadtmelder den Wunsch an, diesem Weg einen Namen zu geben. Bild: Marc Dahinden

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Stadtmelder heisst ein Online-Instrument, mit dem sich in Winterthur Bürgerinnen und Bürger an die Stadt, die Verwaltung oder an die Politik wenden können mit Kritik, Beobachtungen, Anregungen: Räumt endlich mal wieder den Abfall weg! Schaut eigentlich niemand nach dem Robidog am Waldrand? Die Strassenlampe auf meinem Heimweg ist nun schon seit mehr als drei Monaten defekt, reparieren bitte!Auch Brunhild Widmer hatte etwas zu melden, sie wohnt in der Breite an der Jonas-Furrer-Strasse – und dieser Strassenname schreibt sich doppelt gekoppelt mit zwei Bindestrichen. Das hat zwar an sich nichts mit Frau Widmers Anliegen zu tun, spielt aber hier dennoch eine Rolle, denn hier gehts um Strassennamen. Frau Widmers Wunsch, den sie im Dezember im Stadtmelder eintrug, war nämlich: Könnte man nicht dem namenlosen Weg, der zwischen den Häusern an der Irchelstrasse und jenen an der Jonas-Furrer-Strasse verläuft, ganz offiziell den Namen Zwätschgewägli geben? Der Fussweg werde im Quartier von vielen und seit jeher so genannt. «Mami, ich gang chli ufs Zwätschgewägli go velöle, gäll» sei ein häufig gehörter Satz im Quartier, erzählt Frau Widmer.

Was wird aus so einem Vorschlag im Stadtmelder? Seit Frau Widmer das geschrieben hat, seit dem 18. Dezember 2017, steht dort die Zeile: «Danke für den Hinweis. Wir klären ab, wer zuständig ist.» Frau Widmer begann zu warten.

«Mami, ich gang chli ufs Zwätschgewägli go velöle, gäll»

Kindermund

Zuständig für Strassenbenennungen in der ersten Phase des Prozesses ist das Vermessungsamt. Dessen Chef ist Daniel Kofmel, und er gibt dem «Landboten» bereitwillig Auskunft: Man sei ohnehin daran, «zahlreiche Gebäude ohne Wohnnutzung neu zu adressieren», schreibt er (adressieren bedeutet in diesem Zusammenhang: Häusern eine Adresse geben). Man werde dem Stadtrat um die Sommerferienzeit gleich mehrere Strassenbenennungen beantragen – «der Zwetschgenweg ist auch dabei.» Weiter gehen Kofmels Kompetenzen nicht. Zuständig für Strassennamen ist allein der Stadtrat.

Nachfrage bei Daniel Kofmel: Wie soll der Weg in der Breite nun heissen: Zwetschgenweg oder Zwätschgewägli? Und darf man dort oben, fernab vom so genannten Birchermüesliquartier, überhaupt eine Frucht als Strassennamen benutzen? «Ich wüsste keine Bestimmung, die das verbietet», gibt Kofmehl lachend zur Antwort. Doch warum Hochdeutsch statt Mundart? Hierzu hat Kofmel mehrere Reglemente, Richtlinien und Regeln zur Hand, die alle online aufgeschaltet sind.

Regeln wider den Wildwuchs

Mundart ist demnach nicht verboten, aber eher die Ausnahme, oft gebraucht bei alten Flurnamen. Generell sollten Strassennamen «einfach auszusprechen und zu schreiben» sein, «nicht zu lang und nicht zu kompliziert». Zwetschgenweg ist nun mal deutlich einfacher zu schreiben als Zwätschgewägli – oder würde das Zwätschggäwegli geschrieben?

Hier sei gleich auch noch auf einige der anderen Schreibregeln verwiesen. Jonas-Furrerstrasse ist, wie bereits oben erwähnt, falsch, denn die Regel 4 besagt: Strassennamen, die aus mehrteiligen Namen zusammengesetzt sind, schreibt man mit Bindestrichen. So sieht das dann korrekt aus: General-Guisan-Strasse und J.-C.-Heer-Strasse, St.-Georgen-Platz und Jonas-Furrer-Strasse.

Wenn der Strassenname aber die Ableitung einer geografischen Bezeichnung auf -er enthält (Regel 5), wird ein Wort daraus: Zinzikerweg, Zürcherstrasse, St. Gallerstrasse. Zudem: Das erste Wort eines Strassennamens schreibt man (Regel 3) gross, also nicht «alte Neuburgstrasse», sondern «Alte Neuburgstrasse» oder «Im oberen Gern», «Zur frohen Aussicht». Eine Wissenschaft ist das nicht, aber ein rechtes Regelwerk.

Der Spion im Vemessungsamt

All das braucht Brunhild Widmer nicht zu kümmern. Sie freut sich, wenn der Sommer warm ist, ihre Zwetschgen im September süss sind, und sie den offiziellen Bescheid erhält, dass ihr Zwätschgewägli nun Zwetschgenweg heisst.

Warum Zwetschgen? «Früher hatte es in vielen Gärten Zwetschgenbäume, heute sind es leider nicht mehr so viele. Von daher kommt wohl die Bezeichnung.» Stimmt das auch? Hat das Vermessungsamt diese Aussage überprüft? Kofmel nickt: «Wir haben einen Mitarbeiter, der im Quartier zu Hause ist. Er hat bestätigt: Die Leute sagen tatsächlich Zwätschgewäg.» Praktisch, solche Spione im Amt zu haben.

Wann die blauen Strassentafeln montiert werden und wo sie stehen werden, das ist noch unklar – und letztlich unwichtig. Frau Widmer freut sich auch so, dass ihr Vorschlag im Stadtmelder diesen Weg nahm. (Der Landbote)

Erstellt: 01.07.2018, 17:29 Uhr

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