Winterthur

Künstlerisches Stelldichein in Begleitung

Am Freitag hat das Kunst Museum Winterthur zur Vernissage der Dezember-Ausstellung geladen. Direktor und Kurator Konrad Bitterli hat sich etwas Besonderes einfallen lassen.

Blick in einen Ausstellungsraum des Kunstmuseums anlässlich der Medienführung vom Donnerstag.

Blick in einen Ausstellungsraum des Kunstmuseums anlässlich der Medienführung vom Donnerstag. Bild: Nathalie Guinand

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Es ist die Saison der Ausstellungen mit lokalen Kunstschaffenden. Mancherorts sagt man Ernte, mancherorts Jahresausstellung. Die Idee bleibt, einen Blick auf regionale Arbeiten zu gewähren. Es ist auch die Saison der Einladungen, manchmal mit, manchmal ohne Begleitung. Konrad Bitterli, Direktor des Kunst Museums Winterthur und Kurator der diesjährigen Dezemberausstellung sagte am Donnerstag vor den Medien, dass er sich dafür entschieden habe, Künstlerinnen und Künstler aus der Region einzuladen, mit der Auflage, dass ein jeder sich ein “Gspänli” mitbringe, mit dem er entweder gemeinsame Arbeiten realisiere, oder sich einen Raum teile: “Das birgt Überraschungen”, so Bitterli, “für die Besucher wie für die Kunstschaffenden selbst. Und auch für mich.” Als halbkuratiert könnte man die Ausstellung somit bezeichnen. Winterthur alterniert jurierte Dezemberausstellungen der Künstlergruppe Winterthur in der Kunsthalle, auf die sich Interessierte mit drei Arbeiten bewerben, und solche, die auf Einladung erfolgen wie in diesem Jahr: Eine Focus-Ausstellung mit 16 Kunstschaffenden zwischen 31 und 84 Jahren, die das Winterthurer Schaffen zur Diskussion stellen.

Geschwister und andere Paare

Es ist eben auch die Saison der Überraschungen: Kaum hat Bitterli geschlossen, klatscht jemand, nein, klatschen mehrere Menschen in die Hände. Es ist dies nicht etwa die Reaktion auf die gehörte Einführung, sondern eine Soundinstallation von Sarah Hablützel. Auch bei Annina Frehner geht es ums Konzept. Sie präsentiert eine klassische Dokumentation ihrer gesamten bisherigen künstlerischen Unternehmungen, samt Lesesetting mit Infrastruktur des Museums. Eben erst hat sie ihr Schaffen in ihrer Aktion “Ausräumung” verschenkt, alles weg, dann kam der Abnehmer mit der Bilddokumentation überraschend zurück.

Zwei Malereipositionen treffen im ersten Raum aufeinander: Es sind dies Mario Sala mit seinem Versuch, die göttliche Gestalt auf Leinwand festzulegen (alter Herr mit langem Bart) und Klodin Erbs “weibliche Antwort darauf”, wie sie sagt: Verspielte, kraftvolle Malerei in Plakatform voller kunsthistorischer Verweise.

Ein Höhepunkt der Ausstellung ist die Begegnung der Geschwister Stefanie und Maureen Kaegi: Erstmals bespielen sie gemeinsam Museumsräume und stellen ihre jeweiligen Werke in den Dialog und gehen noch einen Schritt weiter - in den gemeinsamen Wandmalereien ihrer beider Arbeiten präsenter Symbolik verschmelzen sie ihre Autorschaft.

Mix der Medien

Als Kommentar auf die gegenwärtige Innenarchitektur in ihrer Gleichförmigkeit, so der Blick der Kamera, liest sich die interessante Videoinstallation von Miriam Rutherford und Joke Schmidt: Die Beiden haben Neubauten im Kanton besucht, bevor sie bezogen wurden und sie filmisch in einer grossen Langsamkeit eingefangen: Kleinste Veränderungen bekommen grosses Gewicht. Die Töne, die sie da angetroffen haben, verwischen in einem gleichförmigen Rauschen. Im Kabinett dann Comics, eine letzte schöne Überraschung der Ausstellung. Gerahmt und der Ordnung von Heften enthoben, lassen sich die Entwicklungen von Daniel Bosshart Figuren wunderbar nachverfolgen: Ihr Alter, ihre Interessen. Das vorbeiziehende Leben, Jahr ein, Jahraus, etwa auf dem Kirchplatz in Winterthur.

Man könnte hier lange weiterschreiben, über die weiteren Positionen und ihr Zusammenspiel, über den roten Faden, den Bezug zur Zeit und oder auch zu den örtlichen Gegebenheiten des Museums beim Stadthaus, der sich durch die schöne Dezemberausstellung zieht. Aber besser ist es, sich überraschen zu lassen.


Bis 6.1., Kunstmuseum beim Stadthaus. Di 10-10, Mi-So 10-17 Uhr.

(Der Landbote)

Erstellt: 30.11.2018, 18:29 Uhr

Offene Ateliers

21 Künstlerinnen und Künstler der über achtzig Mitglieder umfassenden Künstlergruppe Winterthur öffnen am Samstag und Sonntag ihre Ateliers, und zwar jeweils von 13 bis 17 Uhr. Der Anlass ist eine Ergänzung zur Dezemberausstellung, an der 15 Kunstschaffende vertreten sind. Die Liste der Teilnehmer samt Adressen und Telefonnummern gibt es hier : www.offene-ateliers-winterthur.ch. dwo

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