Installation

Kunst-Snacks für Zwischendurch

Das Duo Chris Pierre Labüsch will der jungen Generation den Zugang zur Kunst ermöglichen.

Peter Büschlen musste den «Kunstomat» schon einige Male wieder mit den Mini-Skulpturen befüllen.

Peter Büschlen musste den «Kunstomat» schon einige Male wieder mit den Mini-Skulpturen befüllen. Bild: PD

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Läuft man durch die Strassen von Japans Hauptstadt Tokio, fühlt man sich umzingelt. Überall stehen sie aneinandergereiht: Snack-Automaten. Sie sind gefüllt mit Getränken und Esswaren, bei denen man sich rund um die Uhr bedienen kann. Während es bei uns Schokoriegel, Chips oder Kekse zu kaufen gibt, setzt Japan einen drauf. Sie bieten auch heisse Speisen wie Nudelsuppen an.

«Ich fühlte mich überwältigt, und zugleich fand ich es angenehm», sagt Christoph Landolt. Er ist der eine Teil des Künstlerduos Chris Pierre Labüsch. Vor ihrer Bar auf der anderen Seite des Lagerplatzes hat das Duo nun auch einen Automaten platziert – jedoch gefüllt mit Kunst statt mit Snacks. Inspirieren liessen sie sich in Tokio.

Gegen den Preiswahn des Kunsthandels

«Die Restaurant und Läden schliessen in Japan ziemlich früh», sagt Landolt. Nach 24 Uhr könne man nirgends mehr etwas kaufen, daher seien die Automaten sehr beliebt. «Wir hatten die Idee, dass auch Kunst 24 Stunden erhältlich sein sollte.» Vierzig Werke passen in den Kunstautomaten. Zu haben sind sie für einen Preis zwischen 5.40 und 9.80 Franken.

Stärken solche tiefen Preise nicht eine gewisse Geiz-Mentalität? «Nein, damit wollen wir die Kunst für jeden zugänglich machen», sagt der Künstler. Es sei vor allem die junge Generation, die heute nur noch vereinzelt etwas mit Kunst anfangen könne. «Mit diesen Müsterli liefern wir einen Vorgeschmack.»

Die Inspiration zum «Kunstomat» kam in Tokio.

Die Skulpturen aus Eisen sind Mini-Versionen der Skulpturen des Labüsch-Duos, die in voller Grösse zwischen sieben- und zehntausend Franken kosten. Für Landolt stehen die kleinen Werke im Gegensatz zum etablierten Kunsthandel, wo die Preise teilweise ins Unermessliche steigen würden. Wenn jemand 90 Millionen für ein Bild ausgebe, werde das wohl kaum in einem Wohnzimmer hängen: «Das kommt direkt in den Tresor.»

Für das Künstlerduo geht es aber darum, die Kunst zu geniessen. Ist die Kunst für die Hosentasche dann nicht eine kurzweilige Freude? «Nein, ich habe schon viele Nachrichten von begeisterten Käufern bekommen», sagt Landolt. Viele hätten auch gleich ein Beweisfoto der aufgestellten Skulpturen mitgeschickt. Er und sein Kompagnon Peter Büschlen seien ständig am Nachproduzieren der kleinen Kunstwerke, jedes davon ein Unikat. Über 80 der Mini-Versionen seien schon verkauft worden. «Jetzt produzieren wir auch noch etwas andere Figuren als jene, die bis jetzt im Automaten waren.»

Vom See nach Winterthur

Der graue Kasten findet nicht nur bei den Winterthurer Passanten Beachtung. Eine Luzerner und eine Basler Galerie hätten ihr Interesse am Automaten angekündigt. Vielleicht werde er für ein paar Monate dahin ausgeliehen.

Das Vorleben des Automaten spielte sich vor einem Restaurant am Hallwilersee ab. Die Labüschs haben ihm ein zweites Leben geschenkt: «Wir mussten ihn erst reparieren, bevor er startklar war.» Am See hatte der Kunstomat fürs leibliche Wohl seiner Kundschaft gesorgt, wie seine Vorbilder in Tokio.

Erstellt: 23.06.2019, 16:12 Uhr

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