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Lehrer verzaubert Schüler in staunende Wesen

Für einmal lernten die Kinder in der Primarschule Stammertal keine Antworten, sondern die Kunst des Staunens von Zauberer Maximilian, einem Primarlehrer.

«Hä?», ertönt es an diesem Mittwochmorgen in der Primarschule Stammertal gleich Dutzende Male aus den rund 40 Kindermündern. Ein Laut, der in der Schule nicht ungewöhnlich ist. Einzig: Die Verwirrung wird diesmal nicht aufgelöst. Niemand errät, wie Zauberer Maximilian die drei zerschnittenen Seilstücke innert wenigen Augenblicken wieder zu einem kompletten Seil verbunden hat. Einige sind so erstaunt, dass sie beinahe das Klatschen vergessen.

«Niemand kann zaubern»

Dabei gibt es keine Zauberei, das wissen die jungen Menschen natürlich. Christoph Walt, der verschiedene Schulen mit seinen Zaubervorstellungen besucht und zum ersten Mal im Stammertal war, rief dies zu Beginn sogar noch einmal in Erinnerung: «Richtig zaubern kann niemand.» Aber es habe schon immer Menschen gegeben, die so getan hätten, als könnten sie es.

Wenn er flüstert, hört man die Stühle knarren, so leise ist es.

Als Zuschauer fühlt man sich dadurch natürlich noch stärker herausgefordert, dem Mann mit Frack, Fliege, Zylinder und falschem Schnurrbart auf die Schliche zu kommen, ihn zu entlarven. Umso verblüffender aber, wenn Dinge geschehen, die unerklärlich scheinen. «Den Trick kenne ich», sagt etwa ein Junge in der dritten Reihe, bevor der Bechertrick aufgeführt wird. Als dann am Ende des Hütchenspiels anstelle der roten Kugeln plötzlich Tomaten erscheinen, kriegt aber auch er die Kinnlade nicht mehr hoch.

Spiel mit den Illusionen

Walt ist ein Meister seines Fachs. Lenkt Kinder und Erwachsene mit Zauberstab, Tüchern und Handbewegungen vom eigentlichen Ort des Geschehens ab. Auch seine Figur Maximilian ist Teil dieser Ablenkung, fesselt die Kindergärtler und Schüler mit seiner Präsenz. Wenn er flüstert, hört man die Stühle knarren, so leise ist es. Er nimmt die Kinder ernst, nennt seinen Assistenten aus dem Publikum konsequent «Herr Rafael». Maximilian erzählt von seinen Auftritten in Las Vegas, Paris und Rom. Im Internet findet sich ein Bild von ihm mit der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel. Dass dieses Foto eine Montage ist, erkennt man erst auf den zweiten Blick, und auch die abenteuerlichen, aber nicht unbedingt wahren Geschichten gehören zu seiner Rolle dazu.

Aber nicht alles ist erfunden. Die archetypische Figur des grossspurigen Magiers ist vom Gaukler Rico Peter inspiriert, der in den 50er- und 60er-Jahren durch die Wirtshäuser in der Schweiz zog. Auch hier bleibt ein Stück Ungewissheit zurück: Was ist wohl wahr und was nicht?

«Poesie der Zauberei»

Was klar ist: Walt wohnt in Waltalingen und ist selber Primarlehrer und Theaterpädagoge. Seit der dritten Klasse, als er einen Zauberkasten geschenkt bekam, fasziniert ihn das Spiel mit dem Publikum, mit 16 Jahren folgte der erste Auftritt, seit 1991 arbeitet er professionell. Damals schloss er die Zürcher Mimenschule Ilg ab und war eine Saison mit dem Circus Knie unterwegs, später führte er beim Circus Monti Regie und übernahm die Verkaufsleitung des Theaters Kanton Zürich.

«Nicht immer sind alle Fragen beantwortbar.»

Christoph Walt alias Zauberer Maximilian

Walt will mit seinen Aufführungen nicht bloss unterhalten, sondern die «Poesie der Zauberei» näherbringen, wie er selber sagt. Das heisst, Gross und Klein zum Staunen bringen und der Ungewissheit aussetzen. «Nicht immer sind alle Fragen beantwortbar», sagt Walt philosophisch. Er versucht stets, «in diese Zwischenebene» vorzudringen, bei der Fragezeichen durch die Luft schweben.

In die Hasenfalle getappt

Manchmal, da glaubt das Publikum, den Zauberer durchschaut zu haben. Etwa bei der Zugabe der Aufführung: Zwei zweidimensionale Holzhasen, einer schwarz, einer weiss, befinden sich unter einem jeweils gleichfarbigen Hut. Sie sollen unter den andersfarbigen Hut gezaubert werden. Nach dem Zauberspruch dreht Maximilian die Hasen unter dem Hut um. Abrakadabra: Sie haben die Farbe gewechselt. Ein Kind scheint den Trick durchschaut zu haben, dass die Rückseite der Hasen anders angemalt ist, und stürmt zum Zaubertischchen. Er dreht die Hasen um. Auf der Rückseite sind sie gelb und rot. «Hä?» Dann ist grosse Pause.

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