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Lichterlöschen für Rychenberg

Der HC Rychenberg liefert in der Eulachhalle seine offensiv beste Leistung der Halbfinalserie gegen Wiler-Ersigen ab, scheidet jedoch durch ein Gegentor siebzig Sekunden vor Schluss im Halbfinal aus.

Kari Koskelainen brachte Rychenberg 4:3 in Führung, doch Wiler-Ersigen schlug nochmals zurück.
Kari Koskelainen brachte Rychenberg 4:3 in Führung, doch Wiler-Ersigen schlug nochmals zurück.
Urs Kindhauser/Archiv

Rychenbergs Assistenztrainer Daniel Costa hatte Zuversicht verströmt und trotz des 0:3-Rückstandes noch daran geglaubt, dass seine Mannschaft die Serie noch würde wenden können. Und um ein Haar wäre ihr zumindest mal gelungen, ein fünftes Spiel zu erzwingen. Durch drei Tore zwischen der 48. und 54. Minute schaffte es der HCR, aus einem Zweitorerückstand ein 4:3 zu machen und damit dem ersten Sieg sehr nahe zu kommen. Letztlich blieb dieser Effort aber ohne Belohnung. Der 37-jährige Nationalspieler Matthias Hofbauer sorgte in der Schlussphase mit einem Tor in der 57. und einem Assist in der 59. Minute für den vierten Sieg der Berner, der diese in den Superfinal bringt.

Viele Chancen, wenige Tore

Dass das Frühlingswetter und die schwierige Ausgangslage des HCR mit 890 weniger Zuschauer anlocken würde, hatte erwartet werden müssen. Die Ferngebliebenen dürften es nachträglich bereuen, denn einerseits gingen die beiden Mannschaften mit offenerem Visier zu Werke als in den vorangegangenen Partien und andererseits befand sich das Heimteam von der ersten bis zur letzten Minute voll im Spiel – anders als noch in den beiden Auswärtsspielen.

Das erste Ausrufezeichen setzte Mikko Hautaniemi, der in der sechsten Minute einen Lobpass Rasmus Sundstedts volley an den Pfosten setzte. Es sollte bei Weitem nicht die einzige verpasste Chance des Startdrittels sein. Die Torhüter Ruven Gruber und Nicolas Wolf stan-den sehr viel öfter im Brennpunkt des Geschehens als in den drei Begegnungen zuvor. Zum einen lag dies an der offensiveren Marsch-richtung und der verstärkten Suche nach dem Abschluss, zum anderen freilich auch an den hüben wie drüben etwas häufiger auftretenden Schnitzern.

Das Remis zur ersten Pause ging in Ordnung, erstaunlich war nur, dass es trotz etlicher aufgelegter Chancen noch immer torlos stand. Im ähnlichen Stil ging es vorerst im Mitteldrittel weiter. Weiterhin erspielten sich beide Teams verschiedentlich Torchancen. Die beste für Rychenberg besass Michel Schwerzmann, als er in der 23. Minute in Unterzahl allein losstürmen konnte, seinen etwas schwach ausgefalle-nen Lupfer aber vom Keeper pariert sah. So war es vier Minuten spä-ter Daniel Johnsson vorbehalten, das Skore als Schlusspunkt eines Konters zu eröffnen. Fast postwendend bügelte freilich Schwerzmann seine Unterlassungssünde mit einem fulminanten Hocheckschuss zum 1:1 wieder aus.

Rychenberg kommt in den Flow

In der Folge schien die Partie dann aber trotzdem ihren in dieser Serie gewohnten Gang zu nehmen. Mit etwas Glück – der Ball prallte vom Pfosten an Grubers Rücken und von da ins Tor – war der Favorit in der 37. Minute in Führung gegangen und als er kurz nach Beginn des Schlussdrittels bei einem Konter den Abpraller zum 3:1 nutzte, schien der Weg in den Superfinal frei. Doch HCR-Trainer Rolf Kern hatte noch einen Pfeil im Köcher. Er stellte seine Linien erheblich um und beorderte Sundstedt nach vorne. Die Auswirkung dieser Massnahme war erstaunlich. Die Winterthurer stellten nun vollends auf Offensive um und kesselten die Berner phasenweise regelrecht ein. Dass dadurch der eine oder andere Konter konzediert werden musste, war nichts als logisch, doch hielt Gruber seinem Team den Rücken frei. Und seine Vorderleute machten aus der Überlegenheit auch Zählbares. Fredrik Holtz besorgte in der 48. Minuten in Überzahl den so wichtigen Anschlusstreffer, vier Minuten später glich Sundstedt mit einem direkt verwandelten Freistoss aus und nochmals zwei Minuten später sorgte Kari Koskelainen mit einem Abstauber für die auf den Rängen frenetisch gefeierte erstmalige Führung.

Ein unschönes Ende

Der HCR befand sich jetzt im Flow und der Favorit wankte gewaltig in seinen Grundfesten. Doch das 5:3, das das Tor zum Sieg weit geöffnet hätte, wollte trotz weiterer guter Möglichkeiten nicht fallen. Statt dessen war es Hofbauer, der auf der gegenüberliegenden Seite aus ziemlich heiterem Himmel den Ausgleich markierte. Wiler erholte sich daraufhin wieder und setzte siebzig Sekunden vor dem Schlusspfiff den Todesstoss. Dass der Berner Verteidiger Dave Wittwer zu diesem Zeitpunkt auf der Strafbank hätte sitzen müssen, weil er kurz zuvor Hautaniemi am Schuss gehindert hatte, obwohl er seinen Stock verloren hatte, war aus Winterthurer Sicht mehr als bloss ärgerlich. Freilich war es nur der Schlusspunkt einer Serie von fragwürdigen schiedsrichterlichen Entscheiden, bei denen sich das Heimteam zu-recht verschiedentlich benachteiligt sah.

So endete für den HCR eine Halbfinalserie mit dem ernüchternden Ergebnis von 0:4 Siegen. Die Deutlichkeit täuscht allerdings darüber hinweg, dass Kerns Team den Titelverteidiger in drei der vier Partien hart gefordert hatte und mit etwas mehr Fortune den einen oder ande-ren Erfolg hätte feiern können. Letztlich war Wiler aber der erwartet technisch starke, defensiv stabile und mit seinen Kontern brandgefährliche Gegner, über den der Weg zum Meistertitel führen wird. Unbezwingbar, das hat das heutige Spiel in der Eulachhalle gezeigt, ist der Qualifikationssieger aber nicht. Das wusste Costa schon vorher.

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