Ossingen

Lieber heimelig als offen und weit

Die Weinländer Gemeinde will ihren Dorfplatz neu gestalten. Zu offen soll er aber nicht werden, so der Tenor an einem Infoanlass.

So sieht der Ossinger Dorfplatz heute aus: Links das Gemeindehaus, davor das Mäuerchen mit der Pflanzenrabatte. Hinter dem Kastanienbaum in der Bildmitte steht die sanierungsbedürftige Küblerscheune, rechts davon das Trafo-Häuschen mit dem Türmchen.

So sieht der Ossinger Dorfplatz heute aus: Links das Gemeindehaus, davor das Mäuerchen mit der Pflanzenrabatte. Hinter dem Kastanienbaum in der Bildmitte steht die sanierungsbedürftige Küblerscheune, rechts davon das Trafo-Häuschen mit dem Türmchen. Bild: Enzo Lopardo

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«Helfen Sie mit, das Herz von Ossingen zu gestalten!», hiess es auf dem Flugblatt zur Informationsveranstaltung vom Dienstagabend. Gekommen waren knapp 50 Ossingerinnen und Ossinger, um während zwei Stunden über den Entwurf für einen neuen Dorfplatz zu diskutieren. Auf dem Platz findet seit acht Jahren zwischen April und Oktober der Bauernmarkt statt.

«Wir wollen euch den Puls fühlen und eure Ideen sammeln», sagte Gemeindepräsident Martin Günthardt zu Beginn. Gerade wegen der Digitalisierung brauche Ossingen einen Ort, «wo man sich treffen, in die Augen schauen und diskutieren kann». Ein Architekturbüro habe ein erstes Projekt ausgearbeitet, an dem man aber noch feilen könne.

«Eigentlich ein Parkplatz»

Der Platz liegt neben dem Gemeindehaus an der Truttikerstrasse im denkmalgeschützten Ortskern von Ossingen. Weitere Elemente auf dem heutigen Platz sind etwa ein markanter Kastanienbaum, eine alte Trafostation, ein Brunnen, Pflanzenrabatten, drei Fahnenstangen, Anschlagkästen, ein Häuschen mit Bancomat – und Abstellplätze für Autos. «Heute ist es eigentlich ein Parkplatz, nicht sehr anmächelig», sagte Architekt Linus Maeder. Neu sollen die zehn Parkplätze an den angrenzenden Postweg verschoben werden. Dadurch werde der Platz «völlig freigespielt», wie es im Architektenjargon heisst. Hin zur Truttikerstrasse soll er geöffnet und dadurch vergrössert werden. Bancomat, Anschlagbretter, Tische und Fahrräder sollen unter einer überdachten «Pergolastruktur» Platz finden. Direkt anschliessend soll es eine echte Pergola geben mit echten Reben also – eine Anspielung ans Weinbaudorf Ossingen. Der Brunnen soll von der Strasse nach hinten versetzt werden. Eine Wiese mit Obstbäumen im hinteren Teil soll so belassen, das alte Haus darauf allerdings abgerissen werden. Das Landstück dient als Reserve für mögliche spätere öffentliche Bauten.

«Es fehlen Pflanzen, Blumen»

Um den Platz zur Strasse hin zu öffnen, soll die gemauerte Rabatteneinfassung verschwinden. Doch genau diese Öffnung gab an der Infoveranstaltung viel zu diskutieren. So wünschten sich mehrere Ossinger auch künftig eine räumliche Abgrenzung zur Truttikerstrasse, zum Beispiel durch mehrere Bäume oder eben doch wieder durch ein Mäuerchen. Heute sei der Platz «chli heimelig», fand eine Frau. Man solle ihn nicht so sehr zur stark befahrenen Strasse hin öffnen, auch wegen der spielenden Kinder. Damit der neue Platz heimelig und sicher werde, brauche es vorne eine Abgrenzung. Das Wort «heimelig» fiel sehr oft am Dienstagabend. «Es fehlen Pflanzen, Blumen», sagte jemand. Der geplante Platz sehe aus wie ein Parkplatz, auf dem keine Autos stehen. Oder: «Der neue Platz sieht aus wie ein Bahnhof, kalt.» Die geplante Pflästerung des Platzes wirke kalt, und eine Pergola aus Holz würde wärmer erscheinen – heimeliger eben. Ein Ossinger gratulierte zwar dem Architekt für den Mut, den Platz so öffnen zu wollen. Die Bedenken der Sicherheit und Heimeligkeit müsse man aber ernst nehmen.

«Offenheit tut dem Platz gut»

Der Architekt verteidigte sein Projekt. «Die Offenheit tut dem Platz gut.» Er zeigte sich aber bereit für «sekundäre Elemente, um den Platz zu möblieren», etwa mit mobilen Pflanzentöpfen. Fixe Pflanzenrabatten hingegen seien ein Hindernis und eine Einladung für Hunde. Der Auslöser für die Neugestaltung des Dorfplatzes ist die Küblerscheune, die an den Platz angrenzt. Sie ist etwa 500 Jahre alt, schutzwürdig, aber in einem desolaten Zustand. In der Scheune wird heute das Material für den Bauernmarkt gelagert. Sonst scheint in Ossingen aktuell niemand einen akuten Platzbedarf zu haben, so etwa ein Verein. So wäre es gut denkbar, dass die Scheune zwar saniert, aber nicht ausgebaut wird samt Heizung und dergleichen.

Nach dem Infoanlass wird nun am Projekt Dorfplatz weitergearbeitet. Ziel ist es, in einem Jahr der Gemeindeversammlung einen Baukredit vorzulegen.

(Der Landbote)

Erstellt: 28.11.2018, 17:32 Uhr

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