Regierungsrat

Mann fürs Digitale und Nachhaltige

Der Opfiker Stadtrat Jörg Mäder findet, die Zeit sei reif für einen Grünliberalen in der Kantonsregierung. Er sieht seine Partei als Alternative zu den «Altbürgerlichen».

Das Statistische Jahrbuch und ein Plüschlöwe mit Verband stehen symbolisch für Jörg Mäders Sicht auf den Kanton Zürich: Sie ist wissenschaftlich-rational geprägt, aber auch emotional.

Das Statistische Jahrbuch und ein Plüschlöwe mit Verband stehen symbolisch für Jörg Mäders Sicht auf den Kanton Zürich: Sie ist wissenschaftlich-rational geprägt, aber auch emotional. Bild: Claudio Thoma

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Zum Fototermin bringt GLP-Regierungsratskandidat Jörg Mäder zwei Dinge mit, die für ihn den Kanton Zürich repräsentieren: zum einen das Statistische Jahrbuch. Es soll das rationale Denken des studierten Umweltwissenschaftlers und freischaffenden Programmierers symbolisieren. Zum anderen einen Plüschlöwen, der die rechte Vorderpranke in einer Schlinge trägt. Schutz & Rettung Zürich gebe das Kuscheltier jeweils an verletzte Kinder ab, erklärt Mäder, der Unteroffizier in der freiwilligen Feuerwehr Opfikon ist. Der Plüschlöwe stehe fürs Emotionale, für die Verletzlichkeit, fürs Einanderhelfen. «Das darf auch der Staat nicht vergessen», sagt der GLP-Kandidat. «Auch ein starker Leu braucht mal Hilfe.»

Mit Mäder setzt die GLP bei den Wahlen am 24. März zum Sprung in die Regierung an. Vor vier Jahren verzichtete sie auf eine Kandidatur. «Jetzt ist die Zeit reif», sagt Mäder, der seit 2009 Kantonsrat und seit 2010 Stadtrat in Opfikon ist. «Viele Leute sind digital unterwegs. Und: Nachhaltige Produkte nehmen an Beliebtheit zu.» Das zeige sich nicht nur am Bioboom, sondern auch daran, dass Jugendliche mit dem Elektrotöff beim Jugendhaus vorfahren.

Eine «progressive» Kraft

Digitalisierung und Nachhaltigkeit sind zwei zentrale Begriffe, an denen der 43-Jährige sein Wahlprogramm festmacht. Der heutige Regierungsrat ruhe sich zu sehr auf Erfolgen der Vergangenheit aus, sagt Mäder beim Spaziergang durch das Neubauquartier Glattpark. Es brauche wieder eine progressive Kraft. Und das seien weder die «Altbürgerlichen», wie Vertreter von FDP und SVP im GLP-Jargon heissen, noch die SP. Auch Letztere habe konservative Züge. Für die Themen der Zukunft – Digitalisierung, Nachhaltigkeit, aber auch Gesundheit – wolle er einstehen.

Bei einer heissen Schoggi in einem Opfiker Hotel präzisiert er: Für Kontakte zwischen Behörden und Bevölkerung werde noch zu viel Zeit mit Papierkram verschwendet. «Wir sind immer noch zu amtsstubenlastig.» Schulgesuche, Park- und Baubewilligungen beispielsweise liessen sich effizienter digital erledigen.

Er sehe aber auch die Gefahren der Digitalisierung. E-Voting lehnt Mäder ab, da elektronische Abstimmungsresultate sich wegen des Stimmgeheimnisses nicht für alle nachvollziehbar überprüfen liessen. Dies würde das Vertrauen in die Demokratie schwächen. Elektronische Unterschriftensammlung befürwortet er hingegen. Dabei überwiege der Nutzen den möglichen Schaden.

Nachhaltigkeit liesse sich gemäss Mäder vor allem beim Bauen erzielen: «Gebäude sind für die Energiewende matchentscheidend.» Er plädiert für mehr Grünflächen und Solaranlagen auf Dächern und an Fassaden. Auch bei Gewässerrenaturierungen liesse sich mehr machen als mit den «Altbürgerlichen». Mäder lässt durchblicken, dass ihn die durch den Abgang von Markus Kägi (SVP) frei werdende Baudirektion reizen würde.

Ähnlich verhält es sich mit dem zweiten Posten, den ein «altbürgerlicher» Regierungsrat nach den Wahlen räumt: jenem des scheidenden Gesundheitsdirektors Thomas Heiniger (FDP). Als Opfiker Stadtrat für Gesundheit und Umwelt hat Mäder auch auf diesem Gebiet Exekutiverfahrung. Es gelte, das Gärtchendenken zu beenden, lautet sein Credo. Als Beispiel nennt er den verstärkten Austausch zwischen Spitex, Altersberatung und Spital Bülach, den er als Stadtrat und Spital-Verwaltungsrat vorangetrieben habe. Auch der Kanton solle sich für eine Stärkung der Spitex einsetzen, um das Motto «Ambulant vor stationär» besser umzusetzen.

Kein «Öko-Taliban»

Mäder, der einst einen Dirigentenkurs absolvierte, sieht sich als Teamplayer mit je nach Umfeld variablen Führungsqualitäten. Zu seinen Hobbys zählt das Musizieren in der Big Band, die er vor Jahren mitgründete; ebenso das Fotografieren. Er lebt allein in einer 4,5-Zimmer-Wohnung in Opfikon. Dass dieser Flächenverbrauch für einen Einmannhaushalt nicht gerade ökologisch ist, räumt er ein. «Ich bin kein Öko-Taliban», sagt Mäder. Aber er kaufe Solarstrom, habe kein Auto, benutze stattdessen das E-Bike, Bus und Bahn – und fliege möglichst wenig. «Wir kriegen die Energiewende nicht hin, wenn wir alle zum Verzicht auffordern», findet er. Vielmehr gelte es, innovative Lösungen zu suchen. Daher stehe er wirtschaftspolitisch für die Förderung von Unternehmen mit neuen Ideen und nachhaltigen Produkten ein.

Apropos Wirtschaft: Eine Steuerfusssenkung, wie sie FDP und SVP anstreben, lehnt Mäder ab. Besser fände er es, Überschüsse zu investieren – etwa in nachhaltige Gebäude und Digitalisierung. Er verweist auf Opfikon: Die meisten von dort abgewanderten Firmen seien ins weniger steuergünstige Zürich gezogen. Dies zeige, dass Faktoren wie Verkehrserschliessung und Hochschulnähe weitaus wichtiger seien als der Steuerfuss.

Erstellt: 06.02.2019, 16:34 Uhr

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Lob und Kritik

«Jörg Mäder steht für seine Überzeugungen ein und gibt immer Vollgas. Ich sehe das als Qualität, auch wenn unsere Ziele nicht immer deckungsgleich sind. Er ist ein offener, unkomplizierter Typ, der auf alle Leute zugehen kann.»

Paul Remund (FDP)
Stadtpräsident, Opfikon


«Er fällt mit seinen Informatikkenntnissen auf und wartet mit Exekutiverfahrungen auf. Er ist ein origineller Kopf und redet prägnant. Meine Kritik: Er hat sich grüne Politik auf die Fahnen geschrieben, aber nur, solange sie nichts kostet.»

Esther Guyer (Grüne)
Kantonsrätin, Zürich

Die Spider von Jörg Mäder zeigt den Mittepolitiker.

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