Maria und Josef hätten eine Geburtsklinik brauchen können

Die berühmte Krippe aus dem Diorama in Einsiedeln.

Die berühmte Krippe aus dem Diorama in Einsiedeln. Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Was hat die biblische Weihnachtserzählung mit einem Spital zu tun? Auf den ersten Blick nicht viel, abgesehen davon, dass damals vor 2000 Jahren eine gut ausgestattete Geburtsklinik dem werdenden Elternpaar sicher eine willkommene Hilfe gewesen wäre.

Auch in diesem Jahr wird vermutlich das eine oder andere Weihnachtsbaby das Licht der Welt erblicken und diesen Weihnachtstag für die Eltern unvergesslich machen, wenngleich für Kinder selbst der 24. Dezember nicht unbedingt ein ideales Datum für den Kindergeburtstag ist. Und doch spiegelt sich Weihnachten, mehr als man denkt, im Spital wieder. Nicht nur in der Geburtsabteilung, in der jede Geburt ein Wunder ist, in die sich aber auch die Sorge um die Zukunft vermischt, sondern auch bei allen anderen Patientinnen und Patienten, die aus den unterschiedlichsten Gründen diese Tage im Spital verbringen müssen.

Bei ihnen spüren Aufmerksame am ehesten das Ungewisse und Bruchstückhafte des Lebens. Weitab von jeglicher Romantik, die wir heute so gerne mit den Weihnachtstagen verbinden, war auch für Maria und Josef die Reise nach Bethlehem ein Weg voller Ungewissheiten. So wie bei ihnen fällt es auch vielen Patientinnen und Patienten nicht leicht, einen gewohnten und lieb gewonnenen Ort, eine Heimat aufzugeben. Insbesondere dann nicht, wenn die Zukunft eher von Fragen als von Antworten geprägt sein wird.

Vielleicht ist aber diese äussere Wahrnehmung des Vorübergehenden und des Fragmentarischen im Leben eine heilsame und zutiefst weihnachtliche Erfahrung, die auf etwas Grösseres hinzuweisen vermag: Über allem Ungewissen und in allen Fragen können wir uns an die Worte des Lukasevangeliums erinnern, «dass es schon bei der Geburt Jesu so war, dass es keinen Platz in der Herberge hatte!». Das aber bedeutet nichts anderes, als dass Gott sich von Beginn seiner Menschwerdung an mitten hineinstellt in unsere immer bruchstückhaft bleibende Existenz.

Weihnachten bleibt aber nicht einfach stehen bei dieser Solidarität Gottes mit uns Menschen, sondern durch die Geburt Jesu wird auch all das, was in unseren Denkmustern als bruchstückhaft erscheint, in ein neues Licht gestellt. Ein Licht, das mit den Engeln auf den Feldern Bethlehems als Erstes den Hirten erscheint, die damals am Rand der Gesellschaft lebten. Sie erfahren, dass Gottes Liebe alle Menschen einschliessen möchte, die dafür empfänglich sind.

«An Weihnachten hat es im Spital eine ganz eigene, friedvolle Stimmung», meinte ein Arzt vor einigen Tagen. Vielleicht liegt das daran, dass gerade im Spital das Licht von Weihnachten, das die Dunkelheit des Lebens zu durchbrechen vermag, aufmerksamer als an anderen Orten wahrgenommen wird. Mit Sicherheit liegt es aber auch an den vielen Pflegenden, an den Ärztinnen und Ärzten und am technischen Personal im Hintergrund, die an Weihnachten ganz selbstverständlich Dienst tun, dass durch sie das weihnachtliche Licht der Liebe, des Friedens und des Lebens erfahrbar wird.

Vielleicht sind sie die heutigen Hirten, die einfach das Nächstliegende tun und als Erstes herbeieilen, um denen Hilfe zu sein, die Hilfe bedürfen. Das aber vermag jede und jeder von uns, auch ohne im Spital liegen zu müssen oder dort zu arbeiten: einander als Hirten, die be-hüten, zu begegnen. Und so könnte Weihnachten werden, nicht nur am 24. Dezember, sondern jeden Tag des Jahres. (Landbote)

Erstellt: 24.12.2017, 09:00 Uhr

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@landbote.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 052 266 99 85. Mehr...

Kommentare

Bonus-Angebote

Bonus-Angebote

Alle Bonus-Angebote im Überblick.