Winterthur

Mehr als einfach Wurst und Brot

Nora Steinmann und Sophia Fromm erarbeiteten in ihrer Diplomarbeit einen Businessplan für ein Food-Bike. Nun haben sie ihn in die Tat umgesetzt.

Wurst von der Metzgerei Gubler, Brot vom Beck Riboli: Nora Steinmann (links) und Sophia Fromm verkaufen Hotdogs vom Foodbike.

Wurst von der Metzgerei Gubler, Brot vom Beck Riboli: Nora Steinmann (links) und Sophia Fromm verkaufen Hotdogs vom Foodbike. Bild: Nathalie Guinand

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«Unser Hotdog-Stand «Frau Hund» wurde letzten Herbst geboren, als wir unsere Diplomarbeit für die Hotelfachschule in Thun schrieben. Wir hatten schon immer unseren eigenen Kopf. Und für uns beide war klar, dass wir keine klassische Gastrokarriere verfolgen wollten. In unserer Diplomarbeit haben wir deshalb einen Businessplan für ein Food-Bike erstellt, von dem aus man Hotdogs verkaufen kann. Die Idee fürs Bike kam uns auf einer Reise durch Thailand: von den Strassenverkäufern, die alles auf ihre Velos packen und von diesen aus ihre Waren verkaufen. Zuerst hatten wir Angst, die Dozenten würden unsere Arbeit belächeln, aber sie waren beeindruckt und konnten sich vorstellen, dass das Konzept funktionieren würde. Weil wir beide nach der Schule noch keine fixen Pläne hatten, dachten wir uns: Warum setzen wir unseren Plan nicht in die Realität um? Wir sind jung, müssen uns noch nicht um eine Familie kümmern. Wenn nicht jetzt, wann dann? Im Februar haben wir das Velo bestellt. Es ist eine Einzelanfertigung aus Österreich. Und weil es über einen Akku läuft, sind wir super flexibel. Wir können überall hinfahren und brauchen weder Strom- noch Wasseranschluss.

Am 18. Mai haben wir am Lagerplatz unseren ersten Hotdog verkauft. Ein Typ kam vom Fitnesscenter und wollte nur kurz nach dem Sport etwas essen. Eigentlich wollten wir unseren ersten Verkauf zelebrieren, aber der Kunde hat gar nicht realisiert, dass wir neu waren, und war dann schnell wieder weg. Die «richtige» Eröffnung war dann einen Tag später in unserem Garten.

Beim Namen «Frau Hund» haben wir lange überlegen müssen. Wir hatten eine Liste mit möglichen Namen und haben diese Freunden im Gespräch immer wieder vorgeschlagen. Bei «Frau Hund» mussten alle lachen. Und irgendwie ist der hängen geblieben. Er steht natürlich auch dafür, dass wir zwei Frauen sind, die Hotdogs verkaufen. Frauen am Grill sind ja noch immer überraschend. Sonst sind es immer die Männer, die grillieren. Auch in der Schule gab es Situationen, in denen sich die Männer automatisch an den Grill gestellt haben. Obwohl wir das immer gerne gemacht haben!

Hotdogs sind ja meistens langweilig: einfach ein weisses, geschmackloses Brötchen mit einem Wienerli dazwischen. Wir dachten uns, dass man da mehr machen könnte. Wir haben dann viele Bäckereien getestet, sicher zehn verschiedene Brote probiert. Unser dunkles Brot kommt jetzt vom Beck Riboli. Und die würzige Salsiccia wird von der Metzgerei Gubler produziert. Unsere Saucen und Füllungen sind hausgemacht und wir bieten exotische Kombinationen an. So kann man bei uns einen Hotdog mit rotem Coleslaw, Apfel-Chutney, gerösteten Baumnüssen und Sourcream essen. Avocado- oder Mango-Chutneys sucht man bei uns vergeblich. Wir möchten mit Schweizer Produkten arbeiten. Es wächst hier ja so viel Gutes, da muss man nicht extra Gemüse vom Ausland importieren.

Food-Bikes sind bei uns noch ziemlich unbekannt, wir werden immer wieder mit einem Glace- oder Kaffeebike verwechselt. Uns findet man bei schönem Wetter regelmässig in der Steinberggasse, im Neuwiesenquartier oder auf dem Hasler-Areal. Ab dieser Saison sind wir auch regelmässig an den FCW-Matchs. In Winterthur gab es bis jetzt noch keine Hotdog-Stände. Ausserdem wohnen Noras Eltern hier, wir können das Velo in der Nacht bei ihnen unterstellen, das ist praktisch. Unsere Saucen und Füllungen können wir spätabends in der Küche eines Altersheims vorproduzieren und dann bei uns in den Kühler stellen.

Momentan läuft es gut für uns. Ein schöner Moment war natürlich, als wir uns das erste Mal unseren eigenen Lohn auszahlen konnten. Es ist nicht viel, aber wir können davon leben. Wir fokussieren uns jetzt zu hundert Prozent auf «Frau Hund». Klar, manchmal haben wir schon etwas Angst, man weiss ja nie, wie es bei den Leuten wirklich ankommt. Einmal war unser Velo eine Zeit lang kaputt, da merkten wir die fehlenden Einnahmen schnell. Auch wenn das Wetter zwei oder drei Tage schlecht ist, spüren wir das.

Fürs nächste Jahr wollen wir uns für mehr Events anmelden, neue Hotdog-Sorten kreieren und wenn möglich in weitere Städte expandieren. Bern wäre schön, aber dafür bräuchten wir mehr Kapital. Bis jetzt haben wir alles selbst bezahlt. Unser Traum wäre es, dass «Frau Hund» dereinst in der ganzen Schweiz für gute Hotdogs bekannt ist.»

Aufgezeichnet von Lisa Aeschlimann

Erstellt: 05.08.2018, 18:21 Uhr

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