Turbenthal

Millionen für eine Scheune

Die Kommission Schlossguet will die historische Scheune im Turbenthaler Ortskern in einen Begegnungsort mit Bibliothek verwandeln. Das Projekt kostet 7,5 Millionen Franken und soll verbindend wirken.

Sie setzen sich für die Kulturscheune ein: (von links) Barbara Spaltenstein, Leiterin Bibliothek, Markus Küng, Gemeinderat, Samuel Rüeger, Primarschulpfleger, Hans Thalmann, Delegierter Kulturkommission Zürioberland, Fritz Fuhrimann, Museumsverein, Peter Thommen, Bauberater.

Sie setzen sich für die Kulturscheune ein: (von links) Barbara Spaltenstein, Leiterin Bibliothek, Markus Küng, Gemeinderat, Samuel Rüeger, Primarschulpfleger, Hans Thalmann, Delegierter Kulturkommission Zürioberland, Fritz Fuhrimann, Museumsverein, Peter Thommen, Bauberater.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

An Vorstellungskraft mangelt es der Kommission Schlossguet nicht. Ihre Mitglieder zeichneten gestern an einer Medienorientierung in Turbenthal ein detailliertes Bild, wie die baufällige Scheune direkt an der Hauptstrasse dereinst aussehen könnte. Es war ein schönes Bild, das sich da vor dem inneren Auge auftat: Blumen kamen darin vor und Sonnenschein. Die alte Scheune ist in dieser Zukunftsvision kein leeres Mahnmal mehr, das an diverse gescheiterte Vorhaben erinnert, sondern ein Leuchtturm, der weit über das Tösstal hinaus strahlt. Konkret soll das Schlossguet bis zur Eröffnungsfeier im Jahr 2022 für 7,5 Millionen Franken zu einem Begegnungsort umgebaut und damit zur Tösstaler Kulturscheune Schlossguet werden. Dies soll gelingen, indem die Gemeinde- und Schulbibliothek in den bis vor kurzem bewohnten Teil des Gebäudes umzieht. Weiter sind ein Kultur- und Informationszentrum für Einheimische und Gäste in der Scheune geplant. Die sorgfältig sanierten Räume mit sichtbaren Holzbalken sollen an die lange Geschichte des Gebäudes erinnern. Die Kommission will in einem Mehrzwecksaal Ausstellungen, Vorträge, Theater und vor allem Begegnungen ermöglichen. An einem langen Tisch sollen sich Schulklassen oder Seniorengruppen treffen, die auf dem Tösstalweg unterwegs sind. Draussen finden Märkte statt, es wachsen Blumen und ein Brunnen plätschert.

Hans Thalmann, der die Vision so bildhaft geschilderte hatte, sagte aber auch, als wollte er mögliche Zweifel vorwegnehmen: «Das ist kein Luftschloss.» Der Delegierte der Kulturkommission Zürioberland sieht im Projekt zweifellos viel Potenzial.

Wenig Hoffnung in Nachbarn

Auch der Präsident der Kommission, Markus Küng, ist überzeugt von der Tösstaler Kulturscheune – trotz der hohen Kosten. Der Turbenthaler Gemeinderat zeigte auf, wie das Vorhaben finanziert werden könnte. Rund drei Millionen Franken erhofft man sich vom Lotteriefonds. 3,75 Millionen Franken soll laut Gesamtkonzept die Gemeinde Turbenthal tragen, 750 000 Franken Stiftungen oder Mäzene.

Wenig Hoffnungen setzt Küng hingegen in die Nachbargemeinden. «Es wäre utopisch zu glauben, dass sie an das Projekt zahlen», sagte er. Erst wenn das Projekt stehe, sei die Chance grösser, andere an Board zu holen.

Nicht nur Geld zählt

Auch die jährlichen Betriebskosten von circa 440 000 Franken müsste Turbenthal wohl zu einem grossen Teil selber tragen. Darin mit eingerechnet sind 240 000 Franken für die Bibliothek und 100 000 Franken für ein Kultur- und Infozentrum.

Die Kulturscheune soll aber nicht nur Kosten auslösen, sondern auch Erträge generieren, etwa durch die Vermietung an Vereine oder Hochzeitspaare. Zudem soll ein Förderverein «Pro Schlossguet» seinen Teil dazu beitragen. Markus Küng will das Projekt aber nicht nur auf Geld reduziert haben: «Manchmal muss man den Mut haben, etwas zu machen», sagte er. «Gratis gibt es nichts.» Zudem erhalte die Gemeinde mit dem Projekt einen unbezahlbaren Gegenwert. Einfach nichts zu tun, sei hingegen keine Option. Selbst die dringend nötige Sanierung der Aussenhülle, die sich schon bedrohlich zur Seite neige, koste 1,5 Millionen Franken. Und einen Käufer für das historische Gebäude zu finden sei ebenfalls schwierig, da es streng geschützt sei.

Nach anfänglicher Skepsis ist auch Barbara Spaltenstein, die Leiterin der Bibliothek, vom Vorhaben überzeugt. Der Standort ermögliche eine neue Raumaufteilung und sei mit dem Mehrzwecksaal eine Chance. Hinzu komme, dass die heutige Bibliothek am Anschlag sei. Dennoch erwähnte Küng am Ende der Veranstaltung einen Plan B und C. Falls das Projekt, das in rund einem Jahr an die Urne kommen soll, scheitern würde. So wäre die Sanierung mit Museum für sechs Millionen Franken zu haben, die Sanierung nur mit Bibliothek für drei Millionen.

Erstellt: 19.12.2017, 19:56 Uhr

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@landbote.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 052 266 99 85. Mehr...

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles

Abo

Eine für alle. Im Digital-Abo.

Den Landboten digital ohne Einschränkung nutzen. Für nur CHF 25.- pro Monat.
Jetzt abonnieren!