Winterthur

«Mister Schweiz wurde ich aus Übermut»

Sie begegnen mir… auf Streife in Hegi: Marcel Specker (49)

Ex-Mister-Schweiz Marcel Specker ist jetzt Quartierpolizist in Winterthur.

Ex-Mister-Schweiz Marcel Specker ist jetzt Quartierpolizist in Winterthur. Bild: Madeleine Schoder

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«Manchmal werde ich bei der Arbeit erkannt, ab und zu sogar am Telefon, als ich noch in der Einsatzzentrale arbeitete. Ich finde das erstaunlich, schliesslich ist es ja 23 Jahre her, dass ich Mister Schweiz wurde. Beliebter macht es mich allerdings nicht, wenn ich eine Busse verteilen muss. In meinem neuen Einsatzbereich als Quartierpolizist hatte ich bisher aber nur schöne Erlebnisse. Seit Anfang Dezember bin ich in Hegi, Grüze und Mattenbach unterwegs. Mein Quartier habe ich nicht selbst ausgesucht, das wird zugeteilt. Es scheint mir aber sehr interessant und vielseitig. Als Quartierpolizist löse ich kleinere Probleme vor Ort. Ich bin ein Ansprechpartner für die Anwohner und Vermittler mit den verschiedenen Ämtern. Ich sorge für Ordnung, damit beispielsweise nicht kreuz und quer parkiert wird.

Ich war lange weg von der Strasse: 15 Jahre lang habe ich in der Einsatzzentrale der Stadtpolizei gearbeitet. Das ist eine spannende, aber auch stressige Aufgabe. Es kann sein, dass gleichzeitig vier Telefone klingeln, der Pager piept und der Funk lärmt. Jetzt freue ich mich darüber, wieder an der frischen Luft zu sein, ein entspanntes Gespräch mit den Leuten zu führen und nicht mehr ständig unter Strom zu stehen. Das ist ein Aspekt der Arbeit als Polizist, der mir besonders gefällt. Ich kann jederzeit einen internen Wechsel beantragen und eine ganz andere Tätigkeit ausüben, ohne meine Kolleginnen und Kollegen zu verlieren. Ich arbeite jetzt seit 25 Jahren bei der Polizei, fast mein gesamtes Berufsleben. Das war für mich ein Bubentraum, der in Erfüllung gegangen ist, und ich möchte auch bis zur Pensionierung Polizist bleiben.

Meine Kandidatur für Mister Schweiz war dagegen eher jugendlicher Übermut. Die Modelkarriere habe ich mittlerweile beendet, da gibt es jüngere Männer mit mehr Haaren als ich. Meine Priorität ist heute das Singen. Die Schlagermusik ist für mich ein professionell betriebenes Hobby. Begonnen hat das mit einem Song, den ich mit Monika Kälin aufgenommen habe. Ich habe auf der Harley eine Runde durchs Studio gedreht und beim Lied etwas mitgesungen und mitgeschnippt. Ein Produzent hat mir daraufhin angeboten, eine eigene Aufnahme zu machen. Für den Schlager habe ich mich entschieden, weil ich gerne über die Liebe und die schönen Dinge im Leben singe. Ich bin ganz am Anfang der Schlagerwelle in dieses Genre eingestiegen – noch vor Helene Fischer! Zu Beginn kostete es mich viel Überwindung, vor Publikum zu spielen. Aber wenn ich die Leute mitreissen und ihnen Freude bereiten kann, macht es natürlich auch mir selber Spass.

Mittlerweile habe ich acht Platten herausgegeben und konnte unter anderem in Wien vor 10 000 Zuschauern spielen. Meine Musik mache ich aber nicht unter dem Namen Specker, sondern als Marcel Schweizer. Den Künstlernamen legte ich mir 2001 zu, als ich in Deutschland Fuss fasste. Das Pseudonym bietet mir etwas mehr Privatsphäre, gerade auf den sozialen Medien, und hilft mir auch bei der Trennung von Beruf und Hobby. Konzerte und Tourneen beschränken sich bei mir strikt auf die Freizeit. Das braucht gutes Zeitmanagement. Mein Stimmtraining zum Beispiel mache ich im Auto auf dem Arbeitsweg. Auf der Fahrt von Münchwilen nach Winterthur drehe ich die Stereoanlage auf und übe meine Lieder. Ich bin wohl einer der wenigen, denen das Pendeln gefällt. Im Sommer, wenn ich mit dem E-Bike zur Arbeit fahre, fehlt mir die Musik sogar ein wenig – aber mit Kopfhörern zu fahren, wäre unverantwortlich, und gerade als Polizist wäre ich da ein ziemlich schlechtes Vorbild. Ob ich auf Streife singe? Nein, das wäre meines Erachtens unprofessionell. Ausserdem haben unsere Smarts eine schlechte Akustik.

Erstellt: 01.01.2019, 18:39 Uhr

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