Töss

Mit Beton gegen das Artensterben

Am Festival der Natur haben Naturschützer dazu aufgerufen, der Natur mehr Sorge zu tragen. An Workshops an der Töss lernten Interessierte, was sie tun können – zum Beispiel für Unken.

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In den Tümpeln rund um das Haus der Familie Renggli bei Kollbrunn muss man nicht lange nach Gelbbauchunken suchen. Ein Pärchen dieser bedrohten Art lässt sich eng umschlungen an der Wasseroberfläche treiben, ­ihre gelb gemusterten Bäuche scheinen sie dem Beobachter stolz zu präsentieren. Ein anderes Exemplar streckt seine Beine weit nach hinten und taucht dann gemächlich hinab in die schwarze Tiefe. Wer ganz genau hinschaut, erkennt sogar die herzförmigen Pupillen der Amphibien.Es sind bei weitem nicht die einzigen Tiere, die in dieser Umgebung ein Zuhause finden. Ringelnattern, Fadenmolche, Bergmolche, Geburtshelferkröten, Erdkröten, Grasfrösche, Libellen und viele andere Arten leben hier.

Interesse der Wissenschaft

Seit über 20 Jahren arbeitet die Familie Renggli daran, ihr Grundstück in der Seemerrüti zwischen der Töss und einem Wald in ein Naturparadies zu verwandeln. Dabei haben sie Betonelemente erfunden und patentieren lassen, in denen sich Gelbbauchunken besonders wohlfühlen sollen. Ihr Engagement für die stark bedrohten Tiere weckt nun sogar das Interesse der Forschung. ETH-Student Thomas Müller hat in seiner Bachelorarbeit in Umweltnaturwissenschaften untersucht, ob die Module der Rengglis funktionieren. Am Samstag hat er erste vielversprechende Ergebnisse präsentiert. Die Unken hätten sich in den Betonteichen fortgepflanzt und diese als Lebensraum genutzt. Damit könnten diese dabei helfen, Lebensräume der Unken besser zu vernetzen. Mit etwas Erde überdeckt, sind sie zudem kaum zu erkennen und stören das Landschaftsbild nicht.

Präsentiert hat Thomas Müller seine Ergebnisse im Rahmen des Festivals der Natur, das am Wochenende zum dritten Mal schweizweit stattgefunden hat. Insgesamt waren es 750 Anlässe, an denen verschiedenste Naturerlebnisse geboten wurden. Es gab Exkursionen (siehe Artikel zum Thema), Vorträge oder Ausstellungen. ­Alle mit dem Ziel, für die Biodiversität zu begeistern.

Die Biodiversität ist bedroht

Mit gutem Grund. Denn mehr Engagement für die Natur ist dringend nötig. Die biologische Vielfalt in der Schweiz ist bedroht, wie selbst Bundesrätin Doris Leuthard an der Eröffnung des Festivals der Natur gemäss Mitteilung sagte. Ganze Lebensräume würden von der Landkarte verschwinden.

Auch in Kollbrunn war die stetig abnehmende Artenvielfalt am Samstag ein Thema. «Die Lebensräume der Tiere sind zu wenig miteinander vernetzt», sagte SP-Kantonsrätin Theres Agosti Monn in einer kurzen Ansprache vor geschätzten 50 Zuhörern. Jedes Jahr sei es ein Kampf, das Budget für Naturschutz im Kantonsrat durchzubringen. Eine Erhöhung der Mittel lehne die bürgerliche Mehrheit zudem immer wieder ab. Dabei zeige sich etwa am Beispiel der Revitalisierung der Töss in Winterthur, was mit mehr Geld alles möglich wäre. Sie rief dazu auf, die Naturinitiative zu unterstützen, die ein grösseres Budget für Naturschutzmassnahmen im Kanton verlangt. Bestätigt wurde Agosti Monn von der Biologin Ursina Tobler, die ebenfalls auf Probleme hinwies: «Bei uns ist nicht alles im Fluss», sagte sie in ihrer Ansprache. Es fehle an Lebensräumen für Insekten, Vögel, Wasserorganismen und Amphibien. «Die Landschaft wurde ausgetrocknet, viele Kiesbänke sind verschwunden.» Inzwischen finde glücklicherweise ein Umdenken statt und vielerorts werde renaturiert. Seltene Arten wie Eisvogel, Mörtelbiene oder Gelbbauchunken kämen wieder häufiger vor. Dazu beitragen kann eigentlich jeder, wie ein Rundgang am Festival der Natur bei der Familie Renggli eindrücklich zeigte. In Workshops lernten interessierte Naturschützer, wie sie mit Bienenhotels, Naturgärten oder dank Vernetzung einen Beitrag zu mehr Biodiversität leisten können. (Der Landbote)

Erstellt: 27.05.2018, 17:10 Uhr

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