FCW

Mit dem Willen des Siegers

Der Gegner war der bisher ungeschlagene Aufstiegsfavorit Lausanne-Sport. Der FCW siegte verdient 2:1 (1:0). Also war es das bisher wertvollste Ergebnis, die beste Kollektivleistung der Winterthurer in dieser Saison.

In Jubelpose: Taulant Seferi nach seinem Tor zum 2:0.

In Jubelpose: Taulant Seferi nach seinem Tor zum 2:0. Bild: Heinz Diener

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Am Ende mussten die 4000 Zuschauer auf der Schützi doch noch um den Dreier zittern. Zehn Minuten immerhin, aber die wurden lang. Simone Rapp, der einzig wahrhaft torgefährliche Lausanner, mit seinen 1,93 m fürs Kopfballspiel prädestiniert, hatte – eben mit dem Kopf – nach einer weiten Rechtsflanke Mersim Asllani das Tor Lausannes geschossen. Das scheinbar sichere 2:0 des FCW war zu einem knappen Vorsprung geschmolzen – nur noch ein geglückter Angriff Lausannes, und die Winterthurer hätten zumindest zur Hälfte verloren, was sie sich vorher hart erarbeitet hatten. Es gab in der Tat noch eine Szene, selbstredend einen weiteren Kopfball Rapps, der diesen Ausgleich hätte bringen können. Aber diesmal flog der Ball am Tor vorbei.

Der andere Moment, in dem das Spiel eine Wendung zugunsten der Waadtländer hätte nehmen können, hatte sich nach einer Stunde abgespielt. Da flog ein Eckball vors FCW-Tor, Rapp (wer sonst?) kam aus wenigen Metern zum Kopfstoss. Aber zuerst wehrte Goalie Raphael Spiegel vorzüglich ab, dann setzte Elton Monteiro den Nachschuss neben das Tor. Es wird in der Geschichte des Fussballs schon Spieler gegeben haben, die eine solche Chance nutzen. Allein der Innenverteidiger Monteiro, der nach einer Verletzung sein Comeback gab, gehört nicht in diesen Kreis.

Contini: «Verdient verloren»

«Wir haben uns in den letzten Minuten zu sehr zurückdrängen lassen», formulierte Verteidiger Granit Lekaj die Winterthurer Selbstkritik, auch Sead Hajrovic sah es so. Das war korrekt, und so weit, auch einen knappen Vorsprung souveräner und offensiver über die Zeit zu spielen, ist dieser FCW offenbar noch nicht. Anderseits war der Gegner, der nun alles in den Angriff warf, immerhin der Aufstiegsfavorit Nummer 1. Der zwar nicht mehr als Leader auf die Schützi gekommen war, aber doch die erste Saisonniederlage zu verhindern versuchte. Das gelang nicht, es war nicht mehr zu korrigieren, was die Waadtländer bis in die Endphase hinein verbockt hatten. Also kommentierte ihr Winterthurer Trainer Giorgio Contini ganz im Stil des Realisten: «Wir haben verdient verloren, mehr gibt es nicht zu sagen.» Und Spieler Nicolas Gétaz, der erst Mitte zweiter Halbzeit erschienen war, bemängelte: «Wir waren zu wenig aggressiv, wir haben nur 20 Minuten Fussball gespielt.»

Lausanne-Sport trat in der Tat nicht im Stil eines formstarken Spitzenteams auf, eher wie eine Mannschaft, die für die erste Niederlage fällig war. Allein, dies war zu erkennen, weil der FCW – von der Endphase mal abgesehen – einen guten Match machte. Er liess sehr lange sehr wenig zu; er kontrollierte das Spiel grossmehrheitlich, und er schoss zehn Minuten vor und eine Viertelstunde nach der Pause die beiden Tore, die schliesslich reichten, Lausanne zu schlagen.

Das 1:0 war zwar nicht, wie am vergangenen Sonntag in Vaduz, ein direkter Freistoss, aber es entsprach wieder einer Standardsituation. Karim Gazzetta war knapp ausserhalb des Strafraums gefoult worden. Taulant Seferi trat den Freistoss aus 17 Metern hart; der Ball wurde abgewehrt, aber von Ousmane Doumbia erlaufen, und der schmetterte ihn aus 20 Metern flach ins Tor. Das 2:0 war, besonders schmerzhaft für die Waadtländer, praktisch der Gegenstoss zur Eckballszene mit Rapp und Spiegel. Davide Callà spielte mit einem feinen Pass Seferi frei, und der war alleine vor dem Tor so kühl, wie Winterthurer Stürmer noch immer zu selten sind – souverän schoss er das 2:0. In der 73. Minute hatte der FCW noch die Chance, die ihm jegliches Bangen in der Endphase erspart hätte. Luca Radice kam nach guter Vorarbeit Karim Gazzettas alleine vor Castella, scheiterte aber knapp am Lausanner Goalie.

Gute Kollektivleistung

Wie der FCW diesen Sieg erarbeitete, teilweise auch erspielte, führte nicht nur zum bisher wertvollsten Resultat dieser Saison. Es war, zumal mit Blick auf die Prominenz des Gegners, auch die wertvollste Leistung. Es war die Laufbereitschaft da wie vor allem in den Tagen der ersten Siege gegen Aarau und in Rapperswil-Jona; es war die Mentalität da, um jeden Ball und jeden Meter zu kämpfen. Und vor allem war es die Leistung eines Kollektivs, das nicht fehlerlos gewesen sein mag, aber keinen nennenswerten Schwachpunkt hatte.

Ralf Loose, der Trainer, freute sich schon über den Sieg, das war nicht zu übersehen. Aber überschwängliche Worte wählte er nicht. Wie die Leistung zu sehen sei, sagte er immerhin, «lässt sich doch an der Statistik des Gegners erkennen, der noch kein Spiel verloren hatte, der eine gute Abwehr hat. Aber wir haben auch konzentriert gespielt.» Das war zweifellos ein Punkt, es gab weniger Fehlpässe, ärgerliche Ballverluste oder taktische Fehler als noch am Sonntag in Vaduz.

Dafür gab es Einzelleistungen, die hervorzuheben sind. Spiegel ist auf dem Weg, die gewünschte Stütze zu werden. Gut waren eigentlich alle vier Verteidiger, die erstmals in dieser Konstellation zusammenarbeiteten – mit Tobias Schättin anstelle Enrique Wild aus der linken Flanke, Hajrovic und Gabriel Isik im Zentrum, Lekaj (und eben nicht Isik) diesmal als Stellvertreter des verletzten Rechtsverteidigers Denis Markaj. Die stärksten Auftritte hatten die beiden im zentralen Mittelfeld, der seit Wochen überzeugende Ivorer Doumbia und der junge Luzerner Remo Arnold, der zweifelsfrei seinen besten Match für den FCW machte.

Nur der FCW mit zwei Siegen

In der Offensive hatten alle immerhin einzelne wichtige gute Szenen, wie Gazzetta vor dem Freistoss zum 1:0 oder Callà mit seinem Zuckerpass zum 2:0. Wichtig aber war vor allem, wie auch dieses Quartett ganz vorne für die Mannschaft arbeitete und lief, selbst Taulant Seferi, der manchmal doch eher als «Einzelmaske» wirkt. Das Gesamtergebnis war dieses: So kann der FCW auf Dauer entwickeln, was ihm in den vergangenen Jahren so oft fehlte – eine gute Winnermentalität. Gewonnen hat sie dieses Spiel, weil er den Willen des Siegers zeigte.

Also hat er zum ersten Mal seit dem April 2017 drei Pflichtspiele hintereinander gewonnen. Er ist, besonders erstaunlich, die einzige Mannschaft, die beide Spiele der ersten zwei Runden der einzigen englischen Woche dieser Vorrunde gewonnen hat. «Aber nach dem Spiel ist vor dem Spiel», sagte Loose schon wieder statt bedeutendere Analysen zum Spiel zu liefern. Denn er weiss auch, was Leiter Sport Oliver Kaiser so formulierte: «Wirklich wertvoll ist dieser Sieg erst, wenn wir am Samstag auch das Heimspiel gegen Chiasso gewinnen.» Danach könnte man sagen: Ja, dieser FCW ist fähig, eine klar bessere Meisterschaft zu spielen als in den letzten Jahren. Er könnte gar konstant genug sein, mal eine Siegesserie abzuliefern.

Erstellt: 26.09.2018, 23:38 Uhr

Telegramm

FC Winterthur – Lausanne-Sport 2:1 (1:0)

Schützenwiese. – 4000 Zuschauer. – SR Dudic. – Tore: 36. Doumbia 1:0. 61. Seferi 2:0. 84. Rapp 2:1. – FCW: Spiegel; Lekaj, Isik, Hajrovic, Schättin; Arnold, Doumbia; Callà, Gazzetta (76. Roberto Alves), Radice (89. Wild); Seferi (88. Sliskovic). – Lausanne: Castella; Nganga (64. Zeqiri), Cabral, Monteiro, Flo (56. Gétaz); Geissmann (71. Schmid), Pasche, Kukuruzovic (56. Domingues); Asllani, Rapp, Oliveira. – Bemerkungen: FCW ohne Markaj, Roth, Schmid, Gele (verletzt) und Nikola Milosavljevic (nicht im Aufgebot). – Lausanne ohne Manière, Brandão, Loosli, Tejeda (verletzt) und Margiotta (nicht im Aufgebot); Zeqiri nach seiner Einwechslung Sturmspitze, Asllani in der Abwehr. – Verwarnungen: 5. Rapp (Foul). 31. Schättin (Foul).

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