Winterthur

Mit Kassentrick zu 200'000 Franken

Eine 36-Jährige Portugiesin hat als Mitarbeiterin eines Bistros über Jahre die Kasse ausgetrickst und so 230000 Franken gestohlen. Nun muss sie ins Gefängnis, doch das Gericht war milde: Im Land darf sie bleiben.

Das Bezirksgericht behandelte am Mittwoch einen Fall von krasser Veruntreuung.

Das Bezirksgericht behandelte am Mittwoch einen Fall von krasser Veruntreuung. Bild: mad

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Die Beschuldigte ist gut integriert. Als Elfjährige zog die gebürtige Portugiesin zu ihren Eltern in die Schweiz, besuchte hier die Oberstufe und ging nur noch nach Portugal in die Ferien. Sie ist verheiratet, hat eine Tochter und bewohnt mit ihrer Familie eine Wohnung in Volketswil.

Deutsch spricht sie fliessend. Nichtsdestotrotz: «Keine Aussage» war lange das Einzige, was man von der 36-Jährigen am Mittwochmorgen an der Gerichtsverhandlung hörte. Auch während den zwei Monaten in Untersuchungshaft hatte sie sich nie geäussert zu den Dingen, die man ihr vorwarf. Und diese sind nicht ganz harmlos.

Die Beschuldigte hatte sich täglich mit 100 bis 250 Franken bereichert. 

Die Beschuldigte arbeitete sieben Jahre lang in einem Winterthurer Bistro, wo sie als fleissige und freundliche Kollegin galt, der man sogar die Rolle der stellvertretenden Geschäftsleiterin übertrug. Niemand ahnte etwas davon, was sie tat.

Bis nach Jahren auffiel, dass an den Tagen ihrer Abwesenheit jeweils einiges mehr in der Kasse lag. So kam aus: Die Portugiesin hatte während rund sieben Jahren mit einem ausgeklügelten System die Kasse ausgetrickst und jeden Tag mehrere Konsumationen der Gäste nicht verbucht, sondern sich selbst mit dem entsprechenden Beitrag bereichert.

Zwei separate Fächer in der Kassenschublade

Dabei ging sie «äusserst routiniert und abgeklärt» vor, wie die Staatsanwältin festhielt. Das entgegengenommene Bargeld legte die Beschuldigte jeweils in zwei separate Fächer der Kassenschublade, eines fürs Münz, eines für die Nötli.

In die Kasse tippte sie diese Einnahmen nicht. Trat die Kollegin zum Schichtwechsel an, wechselte sie das so abgezweigte Geld in grössere Noten, steckte diese in die Hosentaschen und verliess damit den Arbeitsplatz. In den sieben Jahren bereicherte sie sich mit insgesamt 230000 Franken.

Im Februar 2018 war damit Schluss. Mitarbeitende kamen ihr durch Beobachtungen auf die Schliche und reichten eine Strafanzeige ein. Die Polizei installierte eine Videokamera im Bistro und hatte nach fünf Tagen Videoüberwachung den endgültigen Beweis: Die Beschuldigte hatte sich täglich mit 100 bis 250 Franken bereichert. Offenbar hatte sie das über all die Jahre so gemacht, wie interne Nachkontrollen zeigten.

Mit ihren illegalen Zusatzeinnahmen summierte sich das monatliche Einkommen des Ehepaars auf über 10000 Franken, mit dem sie sich einen eher teuren Lebensstil finanzierten. Unter anderem haben sie mehrere Autos geleast und in Portugal ein Haus gebaut.

Verteidiger kritisiert die magere Beweislage

Der Verteidiger der Beschuldigten zweifelte in seinem Plädoyer die Zusammenstellung der Gelder an. «Die Datenaufnahme der Arbeitgeberin ist nicht vertrauenswürdig», sagt er. Manche Mitarbeiter könnten nicht mit der Software umgehen, es sei nicht klar, wer Zugriff aufs System habe und wer nicht, und die Daten hätten dementsprechend auch verändert werden können.

Als «ominöse Statistiken» bezeichnet er die Zahlen, auf die sich die Anklage bezog. Die Staatsanwältin entgegnete: Die Zahlen durch eine externe Fachperson überprüfen zu lassen, wäre teuer geworden. Und für sie sei auch so klar: Die Portugiesin ist schuldig des mehrfachen Diebstahls, wofür sie ins Gefängnis und des Landes verwiesen gehöre. Der Verteidiger plädierte für eine mildere Strafe wegen Veruntreuung und versuchte so, den drohenden Landesverweis zu verhindern.

Am Ende steht fest: Die Ausweisung wird wegen der Tochter nicht vollzogen, die Angeklagte wird zu einer Freiheitsstrafe von 30 Monaten verurteilt, davon sechs Monate unbedingt.

Erstellt: 21.08.2019, 17:27 Uhr

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