Winterthur

Mit «No Billag» hätte Winterthur weniger TV, Radio und Kultur

Von der «No Billag»-Initiative wäre längst nicht nur die SRG betroffen. Lokale Medien- und Kulturschaffende sagen, mit welchen Auswirkungen sie rechnen.

Wer profitiert von den Billag-Gebühren? Nicht nur die SRG, sondern auch lokale Filmemacher wie Yusuf Yesilöz, Radio Stadtfilter und Tele Top. Und auch die Kurzfilmtage.

Wer profitiert von den Billag-Gebühren? Nicht nur die SRG, sondern auch lokale Filmemacher wie Yusuf Yesilöz, Radio Stadtfilter und Tele Top. Und auch die Kurzfilmtage. Bild: mad / mas

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Der 4. März 2018 wird in die Geschichte eingehen. Dann entscheidet das Stimmvolk an der Urne, ob die Radio- und Fernsehgebühren abgeschafft werden sollen, wie es im Initiativtext heisst. Der Titel suggeriert, man habe bei einem Ja mehr Geld im Portemonnaie, doch es geht um viel mehr: Der Bund dürfte in Zukunft keine einzige Radio- oder Fernsehstation mehr subventionieren.Was das für die SRG bedeuten würde, sagte deren Präsident Jean-Michel Cina in der letzten Arena: «Wir könnten die Unternehmung nur noch liquidieren.» Die Billag-Gebühren fliessen jedoch nicht nur an SRG-Unternehmen in Leutschenbach, Chur, Genf oder Lugano, sondern auch in die Region Winterthur:

Tele Top: «50 Arbeitsplätze sind gefährdet»

Von den gut 1,2 Milliarden Franken, die die Empfangsgebühren 2016 einbrachten, kamen rund 60 Millionen regionalen Medienunternehmen zugute. Dazu zählt auch Tele Top. Der in Winterthur beheimatete Privatsender des Unternehmers Günter Heuberger erhielt knapp 2,5 Millionen Franken — und deckte damit 60 Prozent seiner Betriebskosten.

«Bei Tele Top sind 50 Arbeitsplätze gefährdet», sagt Heuberger. «Die Unsicherheit bei unseren Mitarbeitenden ist genauso gross wie bei der SRG». Betroffen ist auch seine Radiostation, die eigentlich keinen Gebührenanteil erhält. Radio Top profitiert aber laut Heuberger von jährlich 100 000 Franken an Fördergeldern. Diese zahlt der Bund für die Umstellung von UKW auf das Digitalradio-Format DAB+, das Geld dazu stammt aus dem Gebührentopf.

Bisher hat sich Heuberger keine Gedanken darüber gemacht, wie die Subventionszahlungen, die bei Annahme der Initiative bereits 2019 eingestellt würden, ersetzt werden könnten. «Ich habe keinen Plan B im Sack, denn ich gehe davon aus, dass die Initiative abgelehnt wird.»

Radio Stadtfilter: «Wir müssten aufhören»

Das alternative Lokalradio wird in erster Linie von ehrenamtlichen Sendungsmachern produziert; das Pensum der bezahlten Mitarbeiter beträgt insgesamt nur etwa 700 Prozent. 80 Prozent der Betriebskosten werden durch Gebührengelder gedeckt, was einer Subvention von gut 500 000 Franken entspricht. «Wir müssten vermutlich aufhören, wenn die Initiative angenommen wird», sagt Ramon Comi, Vorstandsmitglied des Trägervereins. Zurzeit sei das seine persönliche Interpretation, weil noch kein offizieller Beschluss gefasst worden sei. Für Comi ist eine Finanzierung über Werbung kein gangbarer Weg. Denn dafür müsste die Hörerschaft vergrössert werden, was wiederum eine Anpassung an den Mainstream voraussetze. «Wir haben aber explizit ein nichtkommerzielles Radio gegründet und wollen in der Wahl unserer Inhalte und der Musik frei bleiben.»

Filmschaffende: «Ohne SRG stirbt der Schweizer Film»

«Mein letzter Film war eine Koproduktion mit der SRG, die rund 40 Prozent finanziert hat», sagt der Winterthurer Filmemacher Yusuf Yesilöz. Eine Finanzierung auf anderem Wege sei nicht möglich — und wäre auch sinnlos: «Ohne SRF erreiche ich als Dokumentarfilmer mein Publikum gar nicht».

«Die SRG beteiligt sich an rund 100 Kinofilmen pro Jahr und trägt einen entscheidenden Anteil an den Kosten», sagt die Winterthurer Drehbuchautorin und Regisseurin Eva Vitija. Daneben gebe es auch viele Eigenproduktionen, also Fernsehfilme und Serien wie «Der Bestatter». Private Fernsehsender könnten bei einem Wegfall der Gebührengelder nicht in die Bresche springen. «Der Schweizer Markt mit den vier Sprachregionen ist viel zu klein. Das rentiert auf privater Basis einfach nicht», sagt Vitija.

Kurzfilmtage: «Ein Festival wie heute wäre nicht möglich»

«Viele der Schweizer Kurzfilme, die bei uns gezeigt werden, konnten nur dank Unterstützung der SRG produziert werden», sagt Remo Longhi, der bei den Kurzfilmtagen für das Finanzielle zuständig ist. Zudem unterstützt die SRG das Festival als Medienpartner auch direkt und stiftet unter anderem den Hauptpreis. «Ohne dieses Engagement wäre das Festival in der heutigen Form nicht umsetzbar.» (Landbote)

Erstellt: 08.11.2017, 18:41 Uhr

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