Endlager

Mitsprache für Winterthur – dank Dägerlen

Über einen Zweckverband kann die Stadt Winterthur Einfluss auf die Endlagersuche nehmen – und künftig sogar noch stärker.

Ein Castorbehälter wird auf einen Zug verladen.

Ein Castorbehälter wird auf einen Zug verladen. Bild: Keystone

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Wie viele andere Gemeinden hat auch Andelfingen an der Vernehmlassung zur Standortsuche für ein Endlager teilgenommen. Diese gilt als Vorbereitung für den Bundesratsentscheid von Ende Jahr. In einem Punkt ist die Andelfinger Stellungnahme auffällig anders, ja bemerkenswert. Weil die Atomzüge und die Züge mit dem Aushubmaterial des Endlagers mitten durch Andelfingen fahren würden, will Andelfingen künftig zum Kreis der Infrastrukturgemeinden gehören.

Nach der heute gültigen Definition gehört Andelfingen nicht zu den Infrastrukturgemeinden: Auf oder unter dem Territorium solcher Gemeinden lägen ein oder mehrere Teile des Endlagers, also zum Beispiel das «Tor zum Endlager», Lüftungsschächte oder die Endlagerstollen in mehreren hundert Metern Tiefe.

Zwei Arten von Gemeinden

Auch wegen des Grundwassers, das während des Baus oder Betriebs des Endlagers schlimmstenfalls verseucht werden könnte, fühlt sich Andelfingen betroffen – wie die Stadt Winterthur. Und auch die Castorbehälter auf Zügen würden durch den Hauptbahnhof Winterthur rollen.

«Insbesondere die Stadt Winterthur möchte in der Regionalkonferenz beteiligt werden, weil sie sich durch allfällige zukünftige Transporte als betroffen sieht.»Marianne Zünd, Sprecherin Bundesamt für Energie (BFE)

Während Andelfingen in der Standortregion des möglichen Endlagers liegt und dort aktuell zu den sogenannten «weiter einzubeziehenden Gemeinden» gezählt wird, gehört Winterthur nicht einmal zu dieser Region. Unter dem Titel «Absicherung gegen Fremdbestimmung» stellt sich der Verband der Gemeindepräsidenten des Bezirks Andelfingen gegen Forderungen nach mehr Mitsprache von Gemeinden von ausserhalb der Endlager-Standortregion.

Den Fuss in der Tür

Doch eine Möglichkeit zur Mitsprache in der Weinländer Regionalkonferenz hat Winterthur. Und zwar dank Dägerlen: Der nördlichste Spitz der Gemeinde ragt nämlich in die Standortregion des möglichen Endlagers hinein. Damit schafft Dägerlen die einzige geografische Verbindung zwischen der Endlager-Region und dem Gebiet des Zweckverbands Regionalplanung Winterthur und Umgebung (RWU). Oder bildlich gesprochen: Über die RWU hat Winterthur den Fuss in der Tür der Weinländer Endlagersuche. Die RWU fordert in ihrer Stellungnahme, dass keine Atomzüge durch den Winterthurer Hauptbahnhof rollen. Diese Forderung und die Sorge um die grossen Grundwasserreserven im Weinland, wo Winterthur Nutzungsrechte hält, tragen die Handschrift Winterthurs.

In der Weinländer Regionalkonferenz hat die RWU bislang einen Behördensitz, den zurzeit Zells Gemeindepräsident und RWU-Präsident Martin Lüdin innehat. Vor ihm nahm Matthias Gfeller, damals Winterthurer Stadtrat (Grüne), diese Funktion in der Konferenz ein. Künftig sollen der RWU dort zwei Behördensitze zustehen, wie das Bundesamt für Energie (BFE) auf Anfrage sagt. Und dass Winterthur via RWU Einfluss auf die Endlagersuche ausüben will, bestätigt auch BFE-Sprecherin Marianne Zünd: «Insbesondere die Stadt Winterthur möchte in der Regionalkonferenz beteiligt werden, weil sie sich durch allfällige zukünftige Transporte als betroffen sieht.» Dies könne erreicht werden, indem die RWU Delegierte stelle, «auch wenn solche Gemeinden nicht angrenzend zur Standortregion sind». Neben den zwei Behördenvertretern erhält die RWU noch einen Sitz für nicht-organisierte Interessen.

Die Kritik der Grünen

Matthias Gfeller engagiert sich weiter beim Thema Endlager, so etwa in der Stellungnahme der Grünen zur Vernehmlassung. Die Partei findet, dass die Transportwege und der Grundwasserschutz zu wenig beachtet würden. Das Gebiet der betroffenen, mitbestimmenden Gemeinden müsse «in alle Richtungen weiter geöffnet werden». Die Winterthurer Grünen kritisieren auch die Zweiteilung der Gemeinden in Infrastrukturgemeinden und weiter einzubeziehende Gemeinden nach dem «zweifelhaften» Motto «teile und herrsche».

(Der Landbote)

Erstellt: 12.03.2018, 17:52 Uhr

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