Winterthur

Moderne als Bau und Foto

Wer die Moderne und ihre Fortsetzung kennen lernen will, muss heute Nachmittag zur Leimeneggstrasse pilgern.

Die Moderne war elitär, suggeriert diese Modeparade.

Die Moderne war elitär, suggeriert diese Modeparade. Bild: Foto: Janis Lionel Huber

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Gleich drei Events sind an diesem Ort angesagt: In der Nummer 43, einem fachgerecht restaurierten Reihenhaus von Hermann Siegrist, dem radikalsten Vertreter der Architektur-Moderne der 1930er-Jahre in Winterthur, sind die Fotos des jungen Künstlers Janis Lionel Huber ausgestellt. Und in den Nummern 57–59 ist die letzte Etappe der neuen Reihenhäuser der Zürcher Architekten Bernath + Widmer zu besichtigen.Es sind keine Zufälle, sondern Glücksfälle. Denn der Architekt Benjamin Widmer rettete zusammen mit der Journalistin ­Marisa Eggli in vierjähriger Bauarbeit die Siegrist-Ikone vor dem Zerfall und verwandelte die Ruine in ein denkmalpflegerisches und architektonisches Juwel.

Fashion-Show

Janis Lionel Huber hat das in seiner Kargheit und Klarheit faszinierende Interieur für eine glamouröse Fashion-Inszenierung genutzt: Drei Models posieren in eleganten Outfits im raffiniert beleuchteten Treppenhaus und auf der Dachterrasse. Die Modeparade in diesem Kontext treibt die latente und widersprüchliche Bedeutung der Moderne mit ungeheurer Dynamik an die Oberfläche – die Moderne erscheint als eine höchst elitäre Bewegung, deren Anspruch an Schönheit und Raffinement im Gegensatz stand zum behaupteten politischen Credo des Egalitären. Fotos mit abstrahierter Architektur aus der Stuttgarter Weissenhofsiedlung ergänzen die sehenswerte Schau in einem kongenialen Ambiente.

Adaption und Zitat

Die nächste Station sind die beiden neuen Reihenhäuser, die den Abschluss der insgesamt fünf Einheiten bilden. Widmer erwarb sich intimste Kenntnisse beim Umbau des fragilen Siegrist-Baus. Darum fallen in seiner Hommage an den eher verfemten Winterthur Pionier bei den Neubauten verschiedene Aspekte zusammen: adaptierendes Weiterbauen unter neuen Bedingungen und liebevolles Zitieren.


Besichtigung der Fotoausstellung und der Häuser Leimeneggstrasse 43 und 57–59: heute Samstag ­zwischen 13 und 18 Uhr.

(Der Landbote)

Erstellt: 02.03.2018, 17:48 Uhr

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