Endlager

Nagra stoppt erneut an der Grenze

Bereits Anfang Jahr konnte die Nagra im deutschen Grenzgebiet keine Daten über die Geologie via Seismik sammeln. Und für Schrägbohrungen holt sie erst gar keine Bewilligung ein.

In der Nähe der Ein- und Ausfahrt der Autobahn A4 bei Laufen-Uhwiesen liegt einer der acht Bohrplätze.

In der Nähe der Ein- und Ausfahrt der Autobahn A4 bei Laufen-Uhwiesen liegt einer der acht Bohrplätze. Bild: mad

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Allmählich bohrt sich das Thema Endlager ins Bewusstsein der Weinländer Bevölkerung. So haben am Donnerstagabend gut 100 Personen eine Informationsveranstaltung in Trüllikon besucht. Dort stellte die Nagra ihre acht Gesuche für Sondierbohrungen vor, die sie Ende September beim Bundesamt für Energie (BFE) eingereicht hatte («Landbote» vom 28. September).

Während an den sechs Bohrstandorten in den Gemeinden Trüllikon, Marthalen und Laufen-Uhwiesen Schrägbohrungen in alle Richtungen möglich sind, ist dies in Rheinau und Dachsen nicht vorgesehen – wegen der nahen deutschen Grenze. Mit den schrägen Bohrungen sollen etwaige Störungen im Gestein genauer untersucht werden.

Bohrungen für 2019 geplant

Letzten Februar wollte die Nagra eigentlich auch auf dem Gebiet der deutschen Gemeinde Jestetten 3-D-seismische Messungen durchführen. Doch die Gemeinde blockiert das Vorhaben bis heute, um gegen die in ihren Augen mangelnde Mitbestimmung beim möglichen Weinländer Endlager zu protestieren.

Ohne grösseres Bedauern nahm die Nagra das deutsche Nein damals zur Kenntnis und betonte, dass man auch ohne die Messung in Jestetten genügend Daten über die Geologie gewinnen könne. Und am Donnerstag wiederholte sich diese Art von Argumentation: Man könne auch ohne eine Schrägbohrung unter deutsches Gebiet genügend geologische Strukturen im Untergrund erkennen, hiess es seitens der Nagra-Vertreter sinngemäss. Die Tiefenbohrungen sind für die dritte Etappe ab 2019 geplant, in der die verschiedenen möglichen Endlagerregionen in Sachen Sicherheit miteinander verglichen werden.

Das BFE verweist auf das Ensi

Das BFE hat die Federführung im Suchverfahren für das Endlager inne. Der «Landbote» wollte daher vom Bundesamt wissen, weshalb es von der Nagra nicht verlange, sich um eine Bewilligung für eine Schrägbohrung in den deutschen Boden zu bemühen. Dies sei eine «technische Frage», die das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat (Ensi) beantworten müsse, heisst es seitens des BFE. «Das Ensi muss beurteilen, ob mit den anderen Bohrplätzen die erforderlichen Daten gewonnen werden können», schreibt BFE-Sprecherin Marianne Zünd. Es sei ja auch so, dass nicht an allen potenziellen Bohrstandorten auch tatsächlich gebohrt werde. Die Nagra geht davon aus, dass sie zwischen drei und fünf Bohrungen durchführen wird.

Also leitete der «Landbote» seine Frage wegen der Bewilligung ans Ensi weiter. «Das Ensi kann zu dieser Frage gegenwärtig nicht Stellung nehmen», schreibt Sektionsleiter Sebastian Hueber. Denn die Beurteilung der Gesuche für die Sondierbohrungen von Rheinau und Dachsen schliesse das Ensi erst Mitte 2017 ab.

Einsprachen sind möglich

Der Bau der Bohrplätze dauert rund drei Monate. Die Bohrungen selber nehmen zwischen sechs und zwölf Monate in Anspruch. Die Nagra verspricht, sämtliche gesetzliche Vorgaben, so zum Beispiel jene des Lärmschutzes, einzuhalten. Auch zu Erschütterungen soll es nicht kommen. Pro Bohrplatz rechnet die Nagra bis maximal 50 Lastwagenfahrten pro Woche. Das Bohrgerät selber wird 17 Meter in die Höhe ragen. Für ein Bohrplatz wird zwischen einer halben und einer Hektare Land benötigt.

Die acht Gesuche der Nagra für die Sondierbohrungen liegen zurzeit beim BFE zur Prüfung. Im ersten Quartal 2017 liegen die Gesuche öffentlich auf. Dann können Betroffene beim BFE kostenlos Einsprache erheben. (Landbote)

Erstellt: 12.11.2016, 09:54 Uhr

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Reaktionen

Am Schluss der Informationsveranstaltung vom Donnerstagabend in Trüllikon wurden aus dem Publikum 18 Fragen an die Vertreter der Nagra, des Bundesamtes für Energie (BFE) und des Kantons Zürich gestellt. Für emotionale Voten sorgte der Bohrplatz bei Marthalen. Dieser würde direkt an jener Strasse errichtet, den die Sekundarschüler aus Rheinau täglich von und nach Marthalen benutzen. Die Gemeinde schlug einen alternativen Standort ganz in der Nähe, aber weg von dieser Strasse vor. Doch das lehnte der Kanton ab – wegen eines bedeutenden Wildkorridors und der Nähe zum schützenswerten Naturraum Niderholz. «Ein Wildtierkorridor ist für den Kanton ein No-go, nicht aber ein nur vier Meter breiter Schulweg!», ärgerte sich der Marthaler Landwirt Jürg Rasi nicht als Einziger. Die Schulkinder seien dem Kanton «sicher nicht egal», entgegnete Regula Rometsch vom Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft (Awel). Man verstehe die Anliegen der Eltern. Auf der besagten Strasse gäbe es wohl bis zu 50 Lastwagenfahrten pro Woche. «Das muss noch diskutiert werden», sagte Rometsch weiter. Und man habe sich entschieden, diese Diskussion bei der öffentlichen Auflage des Bohrgesuchs im ersten Quartal 2017 durchzuführen. Eine Idee wäre, auf der Strasse vorübergehend Tempo 30 einzuführen. Zwei weitere Ideen sind, dass die Lastwagen vor Schulbeginn und nach Schulschluss nicht fahren dürfen oder dass der Schulweg vorüber­gehend verlegt würde.
mab

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