Endlager

Nagra und Atomkritiker sprechen sich aus

Die Nagra und der atomkritische Verein Klar trafen sich in Marthalen zur Aussprache. Man war nett und zeigte Verständnis.

Zeichen des Widerstandes gegen das Endlager durch den atomkritischen Verein Klar bei Marthalen.

Zeichen des Widerstandes gegen das Endlager durch den atomkritischen Verein Klar bei Marthalen. Bild: Marc Dahinden

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Um die Gesteinsschichten im Untergrund des Weinlandes genauer zu untersuchen, will die Nationale Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle (Nagra) ab 2019 an maximal acht Stellen bis 2000 Meter in die Tiefe bohren. Diese Woche hat der Bund zwei der acht Gesuche für Bohrungen bewilligt, eine bei Trüllikon und eine bei Marthalen («Landbote» vom Mittwoch).

Zu den acht Bohrgesuchen gab es im Weinland 99 Einsprachen. Die Möglichkeit dazu nutzte auch der Verein Klar! Schweiz (Kein Leben mit atomaren Risiken). Doch diese Woche hat das Eidgenössische Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (Uvek) Klar mitgeteilt, dass der Verein im Falle der zwei Bohrgesuche von Marthalen und Trüllikon nicht weiter beschwerdeberechtigt sei.

Pauschale Einsprachen

«Wir bedauern das ausserordentlich und behalten uns rechtliche Schritte vor», sagte Jean-Jacques Fasnacht, Ko-Präsident von Klar, vorgestern an einer Aussprache zwischen Klar und der Nagra. An dem Anlass in Marthalen waren auch zwei Medienvertreter eingeladen. Die Aussprache war bereits vor dem Entscheid des Uvek vereinbart worden. Auslöser dafür waren die Einsprachen des Vereins gegen die Tiefenbohrungen im Weinland. Vorrangig zu einer Beschwerde berechtigt sind Anwohner, die weniger als einen Kilometer vom geplanten Bohrplatz entfernt wohnen. Der Verein Klar hingegen reichte pauschal gegen alle acht Weinländer Bohrgesuche Einsprachen ein, wobei die Begründung fundamentaler Natur war. Es ging Klar also nicht um für Anwohner typische Befürchtungen wie etwa Lärm, Lastwagenverkehr oder Erschütterungen durch die Tiefenbohrungen.

«Konstruktiver Widerstand»

Was haben die Einsprachen von Klar mit «konstruktivem Widerstand» zu tun, wie er in den Statuten des Vereins festgeschrieben ist? Das wollte Philip Birkhäuser, Ressortleiter Zusammenarbeit bei der Nagra, an der Aussprache vom Mittwoch von Klar wissen. Den Zweckartikel hat Klar letzten Mai angepasst. Zuvor übte der Verein Fundamentalwiderstand, das Ziel war die Verhinderung des Endlagers im Weinland. Deswegen musste sich Klar aber den Vorwurf des Sankt-Florians-Prinzips gefallen lassen. «Das hat uns gestört», sagte Ko-Präsidentin Käthi Furrer am Mittwoch in Marthalen. Das Prinzip meint, etwas Unangenehmes von sich selbst zu anderen wegzuschieben – im vorliegenden Fall das Endlager. So ist neu in den Klar-Statuten nicht bloss die Rede vom «konstruktiven Widerstand» im Zürcher Weinland, sondern auch «anderswo».

In ihrer Einsprache verlangt Klar sogenannte Ausschlusskriterien. Liegt ein solches Kriterium vor, kommt eine Region für den Bau des Endlagers nicht infrage. In der jetzigen Phase wird allerdings bewusst noch keine Region ausgeschlossen, weil der Wissensstand dafür noch zu gering ist – daher die Bohrungen. Und in der Aussprache sagte Birkhäuser zudem, dass es nicht ein einziges solches Kriterium geben werde. Vielmehr gibt es eine ganze Reihe von Kriterien, die gewichtet und gegeneinander abgewogen werden müssen.

«So kann es ein kommunikatives Vakuum geben.» Philip Birkhäuser, Nagra

Was in der Aussprache zwischen Nagra und Klar sonst noch besprochen wurde, unterschied sich nicht wesentlich von den Diskussionen der vergangenen Jahre. So wurde etwa die unstrittige Floskel «Sicherheit hat oberste Priorität» ausgetauscht. Auch zeigte Birkhäuser von der Nagra Verständnis für die Aufgabe des Vereins: Widerstand und kritisches Denken würden zu einer Qualitätsverbesserung führen. Umgekehrt wand Furrer der Nagra ein Kränzchen: Der Austausch sei heute viel besser als früher. Kritik übte Birkhäuser am Bundesamt für Energie (BFE), das zum Uvek gehört. Es habe ihn überrascht, dass das Amt mit den Rekurrenten keine Verhandlungen geführt habe. «So kann es ein kommunikatives Vakuum geben.» (Der Landbote)

Erstellt: 23.08.2018, 18:32 Uhr

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