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Nicht nur Fische mögen die Treppe

Die Naturwissenschaftlerin Eva Baier hat in Kollbrunn eine neuartige Fischtreppe getestet. Mit Erfolg: Der Kanton sieht darin viel Potenzial und übernimmt die Treppe.

Eva Baier hat mit der Firma Walter Reist Holding eine Fischtreppe entwickelt, die der Kanton übernimmt. Gerhard Stutz von der Baudirektion erhält als Dank zusätzlich einen Backfisch.

Eva Baier hat mit der Firma Walter Reist Holding eine Fischtreppe entwickelt, die der Kanton übernimmt. Gerhard Stutz von der Baudirektion erhält als Dank zusätzlich einen Backfisch. Bild: Marc Dahinden

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Für Bachforellen war in Kollbrunn lange Zeit Endstation. Das drei Meter hohe Wehr am Dorfrand konnten sie und andere Fisch­arten höchstens bei Hochwasser überwinden.

Seit drei Jahren ist das anders. Denn die Walter Reist Holding AG aus Hinwil installierte damals eine neu entwickelte Fischtreppe mit dem Namen Steffstep. Die Firma wollte testen, ob das System auch funktioniert.

Und tatsächlich: Die Umweltwissenschaftlerin Eva Baier konnte inzwischen in zwei Untersuchungen beweisen, dass viele Fische die Module durchschwimmen und so neue Lebensräume flussaufwärts erschliessen können. Das ist unter anderem wichtig, damit die Tiere verschiedene Wassertiefen erreichen oder an weiteren geeigneten Stellen­ laichen können.

Wirksam und günstig

Das Projekt stösst beim Kanton schon länger auf grosses Inter­esse. Denn in Zürcher Flüssen gibt es vielerorts ähnliche Verbauungen wie in Kollbrunn, welche die Fische nicht überwinden können. Während grössere bau­liche Massnahmen Zeit brauchen, kann die Steffstep-Fischtreppe mit ihrer modularen Bauweise relativ rasch neue Fischwanderungen ermöglichen. Bis anhin waren Fischtreppen meist aus Beton und deutlich teurer als das neue System.

Der Kanton hat die Anlage in Kollbrunn nun per Anfang Jahr übernommen und ist seither für deren Unterhalt zuständig. Er sei von Anfang an begeistert gewesen, sagte Gerhard Stutz an einer feierlichen Übergabe vergangene Woche. Stutz ist seit kurzem pensionierter Abteilungsleiter Was­ser­bau in der Baudirektion und nannte weitere Vorteile der neuartigen Treppe. Sie füge sich gut in die Landschaft ein, sei zugänglich für den Unterhalt, funktioniere bei wenig Wasser und überstehe auch ein Hochwasser pro­blemlos. «Das System ist auch an­dern­orts denkbar», sagte er. Der Kanton werde in den nächsten 20 Jahren rund 40 Hindernisse fischgängig gestalten. Man müsse dabei aber jeden Einzelfall prüfen. Konkret geplant seien wei­tere Fischtreppen bislang nicht.

Viel Potenzial des Systems sieht auch Heinz Möckli von der Walter Reist Holding AG. Es gebe bereits Anfragen aus dem Ausland. Im Kanton Schwyz werde zudem bald eine Fischtreppe installiert, sagte er.

Vor allem für grössere Fische

Die Verantwortlichen freuen sich über den Erfolg des Projekts. Klei­nere Verbesserungen sind aber nach wie vor möglich. Durch­schwommen werden die Module vor allem von grösseren Fischen, wie Eva Baier schreibt, kleinere haben hingegen Mühe. Wobei vor allem grössere Tiere wichtig seien, damit ein genetischer Austausch verschiedener Populationen stattfinden könne.

Die ETH-Absolventin hat die Fischtreppe im Rahmen ihrer Masterarbeit zweimal untersucht, einmal im Herbst 2015, als die Töss vergleichsweise ­wenig Wasser führte, und einmal im Sommer 2016, als es meh­rere Hochwasser gab. Insgesamt hat die Umweltwissenschaftlerin 799 Bachforellen mit einem Sender versehen. So konnte sie verfolgen, wie viele der Tiere die Fischtreppe durchschwommen haben und wie schnell.

Insgesamt haben 21 Prozent der Fische den Eingang in die Fischtreppe gefunden. 69 Prozent davon haben sie ganz erklommen. Praktisch alle Fische durchwanderten die Anlage innerhalb einer Stunde. Zudem konnte Eva Baier beobachten, dass manche Bachforellen die Treppe mehrfach nutzten und auch abwärts schwammen. Insgesamt seien 78 Fische 113-mal aufgestiegen.

Einzelnen Fischen scheint es in der Fischtreppe besonders gut zu gefallen. Eine der Bach­forellen ist sogar 19-mal aufgestiegen. Runtergeschwommen ist sie hingegen nur siebenmal. Das heisst, die Forelle muss mehrfach über das Wehr hinuntergesprungen sein. (Der Landbote)

Erstellt: 19.05.2018, 11:06 Uhr

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