Winterthur

Das Loch in der Pensionskasse ist gewachsen

Nach dem miserablen Anlagejahr 2018 ist der Deckungsgrad der Pensionskasse der Stadt Winterthur unter 90 Prozent gerutscht. Die Gewerkschaften schlagen Alarm und fordern die Politik zum Handeln auf.

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Es gab nichts zu holen an den nationalen und internationalen Kapitalmärkten im letzten Jahr. Sämtliche Anlageklassen – von Obligationen, über Aktien und Rohstoffe bis hin zu Hedge Funds – schlossen mit einem mehr oder weniger deutlichen Minus ab. «2018 war eines der schwächste Anlagejahre seit der Finanzkrise von 2008», konstatiert denn auch die Swisscanto Vorsorge AG in ihrem Pensionskassen-Monitor.

Im Durchschnitt verbuchten die Schweizer Vorsorgeeinrichtungen 2018 ein Minus von 3,53 Prozent. Die Reserven auch gut gestellter Kassen sind arg geschmolzen. So sank der Deckungsrad der privatrechtlichen Einrichtungen von 114,4 auf 107,7 Prozent. Noch deutlicher litten die öffentlich-rechtlichen Institute mit Vollkapitalisierung, wozu auch die 2014 verselbstständigte Pensionskasse der Stadt Winterthur (PKSW) gehört. Diese büsste beim Deckungsgrad vier Prozentpunkte ein, wie der Stiftungsrat am Montag mitteilte. Mit einem Deckungsgrad von nun noch 88,6 Prozent gehört die Pensionskasse der Stadt Winterthur zu den am schlechtesten ausfinanzierten Kassen in der Schweiz. 97 Prozent der vollkapitalisierten öffentlich-rechtlichen Kassen stehen besser da.

Erhöhte Dringlichkeit

Marianne Fassbind, seit Dezember Präsidentin des Stiftungrats der PKSW, relativiert: Beim Deckungsgrad handle es sich um eine Momentaufnahme. Nach dem guten Start der Börse ins laufende Jahr sehe die Situation schon wieder etwas besser aus. Dennoch, die Rendite zeige klar, dass die Kasse aus eigener Kraft nicht gesund werden könne. Heute zahlen die Stadt als Arbeitgeberin sowie die aktiven Versicherten Sanierungsbeiträge. Zudem wird das von ihnen angesparte Kapital minderverzinst. Der Fehlbetrag, der zum letzten Jahreswechsel 220 Millionen Franken betragen hat, ist damit laut Fassbind nicht auszugleichen.

Umso dringlicher sei es, das neue Vorsorgemodell zu verabschieden, auf das sich Stadtrat und Stiftungsrat verständigt haben, sagt Fassbind. Der Vorschlag, der eine Senkung des Umwandlungssatzes auf 5 Prozent und eine neue Verteilung der Beiträge auf Stadt und Arbeitnehmer vorsieht, soll von 2020 bis 2024 schrittweise umgesetzt werden. Dazu gehört auch eine Finanzspritze von 144 Millionen Franken aus Steuermitteln, mit denen zu hohe laufende Renten nachfinanziert werden sollen. Verantwortlich für diesen Finanzbedarf sind, das betonte der Stiftungsrat der Kasse schon unter seinem letzten Präsidenten, Stadtrat und Gemeinderat, die bei der Verselbstständigung per 2014 von zu optimistischen Annahmen ausgingen.

Verärgerte Gewerkschaften

Dieselbe Lesart haben die Gewerkschaften. Sie nutzten die Publikation der Zahlen um ihrer Position Nachdruck zu verleihen. «Die Unterdeckung ist die Konsequenz der mangelhaften Ausfinanzierung der Kasse bei der Verselbstständigung 2014, der damals zu hohen Parameter», heisst es in einer Mitteilung des VPOD. «Dafür wird der Gemeinderat die Verantwortung übernehmen müssen.» Der Polizeibeamtenverband schreibt: «Um es in aller Deutlichkeit zu sagen, die 144 Millionen Franken dienen der Nachfinanzierung der laufenden Renten, die Höhen dieser Renten wurden von Stadt- und Gemeinderat festgelegt.»

Beide Gewerkschaften sind verärgert über das Parlament, das zu lange über die Vorlage berate, damit die Gesundung der Kasse gefährde und das Personal verunsichere. Tatsächlich steckt die Vorlage in der Aufsichtskommission fest, und ein Entscheid vor den kantonalen Wahlen wäre eine Überraschung. Die Gewerkschaften rufen Politik und Bevölkerung dringend auf, das Geld zu bewilligen, mindestens 144 Millionen oder gleich den ganzen Fehlbetrag. Da der Stadtrat 210 Millionen zurückgestellt habe, könne die Kasse ausfinanziert werden, ohne die städtische Rechnung zu belasten.

Neue Anlagestrategie

Derweil will der Stiftungsrat die Anlagestrategie überdenken. Die Resultate einer Studie würden im zweiten Quartal dieses Jahres erwartet, sagt Fassbind. Die Pensionskasse der Stadt Winterthur hat einen eher geringen Aktienanteil und einen hohen Anteil alternativer Anlagen, wozu etwa Versicherungsverbriefungen und Hedge-Fonds-Beteiligungen gehören. Zuletzt wurde ihr Anteil reduziert. Allzu viel ist von einer neuen Anlagestrategie aber nicht zu erwarten. Die Erträge lagen in den letzen Jahren meist im Durchschnitt der Schweizer Kassen, auch 2018, mit einem Minus von 3,46 Prozent. (Landbote)

Erstellt: 11.02.2019, 11:05 Uhr

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