Aadorf

Platz für Gelbbauchunke und Kreuzkröte

In der Kiesgrube Steig befindet sich ein Amphibienlaichgebiet von nationaler Bedeutung. Der Lebensraum soll erhalten bleiben, auch wenn die Kiesgrube geschlossen wird. Deshalb wird das Gelände jetzt umgestaltet.

Einsatz für Kröten und Frösche: Gärtner pflanzen Sträucher entlang des Vernetzungskorridors.

Einsatz für Kröten und Frösche: Gärtner pflanzen Sträucher entlang des Vernetzungskorridors. Bild: Johanna Bossart

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Eine Kiesabbaustelle ist eine karge Landschaft. In Tümpeln sammelt sich Wasser, hie und da lugen Gräser zwischen den Steinen hervor, viel Vegetation gibt es nicht. Und trotzdem ist es ein idealer Lebensraum für die Gelbbauchunke und die Kreuzkröte. So auch die Kiesgrube Steig/Ifang in Aadorf. Sie wurde zum Amphibienlaichgebiet von nationaler Bedeutung ernannt. «Ein Kieswerk bietet einen ähnlichen Lebensraum wie ein natürlicher Flusslauf», erklärt Beat Haller, Leiter der Abteilung Natur/Boden beim Fachverband der Schweizerischen Kies- und Betonindustrie. Die Kiesgrube in Aadorf ist ein sogenanntes Wanderobjekt. «Wenn die Kiesgrube weitergewandert ist, sind die Amphibien mitgezügelt.» Da die Abbaustelle nun aber sukzessive aufgefüllt und rekultiviert wird, wird das Gelände in einen ortsfesten Laichort umgewandelt. Bei dem Projekt haben Bund, Kanton, Gemeinde, der Grundeigentümer und der Kiesgrubenbetreiber zusammengearbeitet.

Teiche im Naturschutzgebiet

Im Naturschutzgebiet neben der Abbaustelle Steig Ifang wurden auf dem Gelände in den letzten Wochen grossflächig Bäume abgeholzt. Die jetzige Mulde wird mit Lehm aufgefüllt, danach wird darauf eine Teichlandschaft gestaltet. Am Rand wachsen weiterhin Bäume und Sträucher, und auch eine stattliche Ulme konnte stehengelassen werden.

Weiter hat das Projektteam bereits einen Graben entlang des Zauns der Firma Halag angelegt, Teil des sogenannten ökologischen Vernetzungskorridors zwischen dem Heidelbergwald und der Lützelmurg. Das Wasser im Graben soll die Amphibien anziehen und sie von den Weihern in Richtung Lützelmurg leiten.

Laichplätze sind rar

«Die Gelbbauchunke und die Kreuzkröte sind beide massiv gefährdet», sagt Haller. Dies, weil ihre Lebensräume immer weniger werden: Wiesen sind drainiert, Kleingewässer aus der Landschaft verschwunden, offene kiesige Flächen sind im bewirtschafteten Siedlungsraum rar. Es sei deshalb wichtig, Laichplätze wie jene in aktiven Kiesgruben zu erhalten. Das funktioniere gut. «Natürlich kann man den Tieren aber nicht befehlen, wo sie leben müssen. Eine gewisse Unsicherheit gehört zu so einem Projekt.»

Das Landschaftsprojekt kommt nicht nur den Amphibien zugute. Eine vielfältig gestaltete Fläche zieht auch verschiedene Vogelarten, unzählige Insektenarten wie Wildbienen oder Kleinsäugetiere wie die Haselmaus an.

Im Moment informiert ein Schild Spaziergänger über die Umbauarbeiten im Naturschutzgebiet. Rückmeldungen sind bis jetzt keine eingetroffen. «Die Menschen stehen solchen Projekten meist wohlwollend gegenüber», weiss Haller. Es komme aber hin und wieder vor, dass sich jemand Sorgen um die Amphibien mache, wenn er beobachte, wie etwa Fischreiher in Schutzgebieten nach Fröschen schnappen oder Kaulquappen von Enten verspeist werden. «Das ist aber ein Zeichen eines gesunden Biotops. Die Dynamik gehört dazu.»

Ob man gefährdeten Amphibien auch als Privatperson helfen kann, indem man im eigenen Garten einfach ein paar Tümpel anlegt? Das sei je nach Standort eine Möglichkeit, sagt Haller. Er gibt aber zu Bedenken, dass es gerade in einem verkehrsdichten Quartier eher kontraproduktiv sein könnte. Das Wasser ziehe die Amphibien an, nachher seien sie der Gefahr ausgesetzt, überfahren zu werden.

Man könne aber für die Artenvielfalt im Privatgarten grundsätzlich schon viel tun: «Schon ganz kleine Massnahmen können viel bewirken.» Wichtig sei beispielsweise auf Pestizide zu verzichen und einheimische Pflanzen anzubauen. Ein Streifen ungemähter Naturwiese am Gartenrand nütze vielen Insekten und abgefallene Äste als Haufen liegenzulassen, biete Tieren Nahrung und Schutz. (Der Landbote)

Erstellt: 02.04.2018, 15:32 Uhr

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