Winterthur

«Politik ist jetzt ein Hobby von mir»

Zwei Tage nach ihrem Parteiwechsel, der bei vielen Genossinnen und Genossen heftige Kritik auslöste, trat Chantal Galladé im StadTalk auf.

Der Parteiwechsel Chantal Galladés war beim Gespräch mit Michael Zollinger in der Coalmine nur zu Beginn ein Thema.

Der Parteiwechsel Chantal Galladés war beim Gespräch mit Michael Zollinger in der Coalmine nur zu Beginn ein Thema. Bild: Heinz Diener

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Angekündigt war ein Live-Interview mit der vor einigen Monaten neu gewählten Präsidentin der Kreisschulpflege Stadt-Töss, Chantal Galladé. Geplant war ein Gespräch über ihre 15 Jahre als engagierte Parlamentarierin auf nationaler und zwischendurch auch internationaler Ebene, über ihren Wechsel in ein städtisches Exekutivamt und über aktuelle Brennpunkte in den Winterthurer Schulen.

Doch ein aktuelles Ereignis machte eine neue Planung nötig, denn Chantal Galladé hatte am Dienstagabend bekannt gegeben, dass sie von der SP zur GLP wechselt. Seither steht sie im medialen Rampenlicht, was sie sich allerdings gewohnt ist. Ihre ehemaligen Parteigenossinnen und -genossen zeigen sich massiv enttäuscht von ihr, kritisieren ihren Parteiwechsel in den Medien und auf den sozialen Medienkanälen mit scharfen Worten und werfen ihr Kalkül im Hinblick auf ihre weitere politische Karriere vor.

Rückendeckung der GLP

Entsprechend bereitete sich das StadTalk-Organisationsteam auf einen Ansturm für den Donnerstagabend in der Coalmine-Bar vor. Bereits eine Dreiviertelstunde vor Beginn verteilte es Platzkarten, um aus feuerpolizeilichen Gründen einen Überblick über die Anzahl der Zuschauerinnen und Zuhörer zu haben. Der Raum füllte sich zwar allmählich, aber nicht übermässig. Einige Lehrpersonen waren vertreten, ein Mitglied der Kreisschulpflege sass im Publikum sowie weitere Interessierte.

Der Vorstand der GLP hatte eine Sitzung abgesagt und sass am grossen runden Tisch im Café, um dem neuen prominenten Mitglied Rückendeckung zu geben, falls es nötig werden sollte. Neben Ständerat Daniel Jositsch, der seiner ehemaligen Parteikollegin bekanntermassen wohlgesinnt ist, waren überraschenderweise keine der sie in den Medien kritisierenden SP-Vertreter im Publikum auszumachen.

Mit Tochter und Mutter

Eine Viertelstunde vor Beginn kam Chantal Galladé gut gelaunt in Begleitung ihrer 14-jährigen Tochter und ihrer Mutter, schüttelte einige Hände im Publikum, grüsste da und dort, wirkte zwar leicht nervös, aber auch freudig vorbereitet darauf, was auch immer der Abend bringen möge.

Der Abend verlief nach Plan A. Moderator Michael Zollinger ging zu Beginn zwar auf den Parteiwechsel ein, schwenkte dann aber auf die ursprünglich angekündigten Themen. Zum Parteiwechsel wiederholte Galladé, was sie bereits in den Medien gesagt hatte: Sie habe den Entscheid nicht leichtsinnig gefällt. Es sei ein konsequenter Schritt gewesen, nachdem sie festgestellt habe, dass die Themen, derentwegen sie im Alter von 17 Jahren der SP beigetreten sei, dreissig Jahre später von der GLP vertreten werden, wie etwa ein für sie vernünftiges Verhältnis zu Europa und zur Landesverteidigung sowie das Engagement für ökologische und gesellschaftliche Themen.

«Ich bin ein politischer Mensch, betreibe aber in meinem jetzigen Amt als Kreisschulpflegepräsidentin Politik in der Freizeit.» Und in ihrer Freizeit wolle sie sich mit Gleichgesinnten für Themen einsetzen, die ihr wichtig seien, und nicht viel Energie und Ressourcen erfolglos verpuffen und Aussenseiterin sein.

Komplizierte Strukturen

Gemeinsam Ideen verwirklichen, diese aushandeln und Ziele erreichen nannte Chantal Galladé dann auch ihre schönsten Momente und Erfolge in der nationalen Politik. Das vernetzte Arbeiten mit verschiedensten Stellen und Mitarbeitenden sei es auch, was die studierte Erziehungswissenschaftlerin an ihrem jetzigen Amt so schätze, auch wenn sie manchmal mit den komplizierten Strukturen hadere.

Sie wolle gute Rahmenbedingungen schaffen, damit die Schulleiterinnen und Schulleiter sowie Lehrpersonen die Schulkinder optimal unterrichten könnten. Nach wenigen harmlosen Fragen aus dem Publikum endete der Abend mit einem gefälligen Applaus.

Erstellt: 02.03.2019, 09:14 Uhr

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