Musikfestwochen

12 Tage mit 70 Konzerten auf 8 Bühnen – und 1 Notfallplan

Zum 44. Mal verzauberte das Musikfestival die Winterthurer Altstadt – mit mehr Gratismusik als geplant, denn am Samstag sagte die Hauptband kurzfristig ab

An den 44. Musikfestwochen spielten auf acht Bühnen über 70 Acts an 100 Veranstaltungen.

An den 44. Musikfestwochen spielten auf acht Bühnen über 70 Acts an 100 Veranstaltungen. Bild: Enzo Lopardo

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Die 44. Musikfestwochen sind seit gestern Abend Geschichte. Zwölf wunderbare Tage. Mit Dutzenden von magischen Momenten. Mit 70 Konzerten auf acht verschiedenen Bühnen. Mit über 1000 Helferinnen und Helfern. Mit zwei erstmaligen, gelungenen Gastauftritten in der Stadtkirche. Mit Theater und Kleinkunst. Und einem grossen Schreckmoment: Am Samstagmittag, wenige Stunden vor dem Auftritt, sagte Madrugada, die norwegische Hauptband des Bezahlkonzerts an diesem Abend, unerwartet ihren Auftritt ab.

Grund war ein medizinischer Notfall, Sänger Sivert Høyem war mit Krämpfen in der Brustmuskulatur in Oslo in ein Spital eingeliefert worden. Der Zwischenfall stellte sich später zwar als gefahrlos heraus, wie Madrugada auf ihrem Facebook-Account vermeldete, doch die Band konnte nicht in die Schweiz reisen.

Winterthurer Bands sprangen in die Lücke

«Das hätte es wirklich nicht gebraucht. Aber vielleicht wäre das Festival sonst einfach zu schön gewesen», kommentiert Laura Bösiger, Co-Geschäftsführerin der Musikfestwochen gestern den Vorfall. Die Organisatoren reagierten rasch und stellten ein Notfallprogramm zusammen. Zwei Winterthurer Bands, die Grunge-Hardcore-Truppe Hathors und die Rockerinnen-Formation Greatasstits, erklärten sich bereit, kurzfristig einzuspringen.

Die abtretende Co-Geschäftsleiterin Laura Bösiger zieht Bilanz.

«Schön zu sehen, wie die Kulturstadt Winterthur in so einem Moment zusammen steht», sagt Bösiger. Für das Publikum war der Abend ab 21.45 Uhr gratis. So war die Stimmung auch am Samstagabend grandios. Wer ein Ticket hatte und trotzdem kam, erhielt Getränke- und Essensgutscheine im Wert von 25 Franken. Wer nicht erschienen ist, bekommt das Geld zurück.

Wetter und grosse Bands als unvermeidbares Risiko

«Finanziell werden wir diesen Ausfall sicher spüren», erklärt Bösiger. Das Wetter und die teuren Headliner sind die beiden grossen Risiken für die Musikfestwochen. Die Gage an Madrugada muss zwar nicht bezahlt werden. Aber die Einnahmen des Samstagabends sind nun viel tiefer als budgetiert. Ein «hoher fünftstelliger Betrag» werde wegfallen, sagt Bösiger: «Das schmerzt uns besonders, weil wir mit den Bezahlabenden versuchen, einen Teil des kostenlosen Programms querzufinanzieren.» Eine Versicherung für solche Fälle gebe es nicht. «Wir müssen dieses Risiko tragen, sonst gäbe es die Musikfestwochen in dieser Form nicht.»

Für Laura Bösiger war es das letzte Festival als Co-Leiterin. Wie gestern bekannt gegeben wurde, übergeben sie und Grégoire Guisolan nun an das Duo Dominic Schmid und Sandra Smolcic. Ersterer war schon oft Helfer und kennt die Musikfestwochen «von innen», Smolcic kommt aus Zürich und bringe eine Aussensicht aufs Festival mit. Weiter wurde zur neuen Leitung gestern nicht informiert. Klar ist aber schon: Die 45. Musikfestwochen finden vom 5. bis 16. August 2020 statt.

Erstellt: 18.08.2019, 15:27 Uhr

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