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Post will Filiale in Elgg schliessen

Die Postfiliale Elgg soll auf Ende Jahr zugehen. Das hat die Post am Mittwochabend angekündigt. Die Dienstleistungen würden dann teils vom Pöstler an der Haustüre angeboten.

Bald keine Filiale mehr in Elgg? Die Post hat die Schliessung angekündigt.
Bald keine Filiale mehr in Elgg? Die Post hat die Schliessung angekündigt.
Patrick Gutenberg

Ab 2019 gibt es in Elgg keine Postfiliale mehr — zumindest, wenn es nach den Plänen der Post geht. Diese hat sie am Mittwochabend im Saal des Werkhofs präsentiert. Rund 200, vorwiegend ältere, Personen aus der 5000-Seelen-Gemeinde waren erschienen. Weniger Briefe und Pakete

Anstelle der Filiale sollen in der Drogerie Bisang im historischen Teil Briefe und Pakete aufgegeben werden können. «Das Dienstleistungsangebot entspricht grosso modo dem einer Filiale», sagte Primus Hartmann, Spezialist Netzentwicklung in der Region Winterthur-Schaffhausen.

Allerdings können nur maximal 500 Franken in der Agentur und 1000 Franken beim Postomat abgehoben werden. Einzahlungen mit Bargeld sind in der Agentur nicht möglich. «Man kann jedoch Einzahlungen beim Pöstler direkt an der Haustüre machen.» Man müsse sich dazu nur einmalig per Telefon registrieren.

«Es wäre eine Sünde, wenn wir unsere Möglichkeiten nicht anpassen würden»

Eine gelbe Markierung am Briefkasten soll den Pöstler auf eine gewünschte Einzahlung aufmerksam machen. «Dieser sogenannte Hausservice existiert heute bereits in den Dörfern innerhalb der Gemeinde Elgg», sagte Hartmann. Der Postomat bei der jetzigen Filiale soll bestehen bleiben.

Für die Einwohnerinnen und Einwohner von Neu-Elgg sei im Quartierladen von Frau Grothe ein «simpleres Angebot» vorgesehen. Heisst: Man kann Inland-Pakete und somit auch Retouren für den Versandhandel aufgeben, Briefe einwerfen und voraussichtlich können im Quartierladen auch Briefmarken gekauft werden. Eine der zwei Angestellten der jetzigen Filiale wird im nächsten Jahr pensioniert, die andere würde bei einer Schliessung nach Winterthur versetzt.

Es bestehe grosser Handlungsbedarf für die Poststelle Elgg, sagte Hartmann und präsentierte Zahlen zur Nutzung. So sind die aufgegebenen Briefe zwischen 2010 bis Ende 2016 um acht, die Einzahlungsbelege um 19 Prozent zurückgegangen. Die Anzahl der versandten Pakete nahm gar um einen Fünftel ab. «Es wäre eine Sünde, wenn wir unsere Möglichkeiten nicht anpassen würden», sagte Hartmann zum gesellschaftlichen Wandel.

Der vorgeschriebene Service Public, dass 90 Prozent der Einwohnerinnen und Einwohner innerhalb von 20 Minuten Zugang zum Postangebot haben müssen, werde erfüllt. Der definitive Entscheid die Filiale zu schliessen, so Hartmann, sei aber noch nicht gefallen.

630 Unterschriften dagegen

Nach 50 Minuten Vortrag war die Veranstaltung dann auch das, womit sie sich selber angepriesen hatte: Eine Dialogveranstaltung. Und diese dauerte deutlich länger als von der Post geplant.

Von den 200 Besucherinnen und Besuchern gab es vorwiegend Kritik, praktisch nach jeder Frage applaudierte der Saal. Die Stimmung war eindeutig: Wir gegen Die. So müssten die Elggerinnen und Elgger zukünftig nach Aadorf, wenn sie grössere Beträge abheben müssten. Oder auch, dass Firmen ihre Massensendungen oder Pakete in Elsau aufgeben müssten, sorgte für Unmut.

«Platt ausgedrückt: Als Bürger fühlt man sich verarscht.»

Höhepunkt der Kritik war die Übergabe einer Petition mit insgesamt 630 Unterschriften, die den Erhalt der Postfiliale forderte. Überreicht wurde diese von Ex-Gemeinderätin Dora Lackner Schmid (SVP), Primarschulpräsidentin Monika Brühwiler (SVP) und Erich Wegmann vom Vorstand der SP Elgg-Hagenbuch. Lackner Schmid zeigte sich wütend über das Vorgehen der Post: «Wir haben mit einem Stillstand gerechnet. Uns wurde versichert, dass man zuerst noch politische Entscheidungen in Zürich und Bern abwartet.»

Viele der Petitionäre seien völlig perplex gewesen, als sie von der drohenden Schliessung erfahren hätten. Brühwiler sagte: «Platt ausgedrückt: Als Bürger fühlt man sich verarscht. Ich stelle fest, dass der Service Public nichts mehr wert ist.» Es gebe keine Möglichkeiten, sich bei der Post für den Erhalt einzusetzen. Lackner sprach von einer «Salamitaktik», bei der man nach und nach immer mehr Dienstleistungen abbaue. Im Falle einer Schliessung will sie Flyer drucken und zu einem Boykott von Postfinance aufrufen.

Giorgio Bösiger, Co-Präsident der Soso.Elgg, zeigte hingegen ein gewisses Verständnis für die Post: «Es ist bedauernswert, wenn eine Poststelle schliessen muss, vor allem für die älteren Leute.» Aber man müsse offen sein für neue Formen, die dem verändertem Verhalten angepasst seien und am Ende des Tages vielleicht sogar einen Ausbau des Postservices bringen würden.

Gemeindepräsident und Kantonsrat Christoph Ziegler (GLP) bezeichnete den präsentierten Vorschlag der Post als «zweitbeste Lösung». Dies habe man zusammen mit der Post erarbeitet. «Wir haben uns etwa sehr stark gemacht für ein zweites Angebot in Neu-Elgg.» Es sei auch wichtig, dass die Elgger Läden im Projekt involviert seien. «Ich glaube, wir haben gut verhandelt», sagte er. Im Vorfeld hatte er argumentiert, dass für Elgg als Hauptort des Wahlbezirks Winterthur-Land und als Zentrum mit einem historischen Städtchen eine Filiale notwendig sei.

Die Post will nun erneut mit dem Gemeinderat zusammensitzen, bevor sie den definitiven Entschluss fasst. Gegen diesen könnte der Gemeinderat innerhalb von 30 Tagen bei der eidgenössischen Postkommission Rekurs einlegen. «Ob wir das tun, lassen wir uns momentan noch offen», sagte Ziegler und fügte an: «Ich schätze die Erfolgschancen eines Rekurses allerdings als relativ gering ein.»

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