Persönlich

«Privat bin ich unspektakulär»

Seit Sommer leitet Olaf Pfeifer die STFW. Sein Weg hat den 46-Jährigen quer durch die lokale Industrie geführt, dann tauschte er die Karriere in der Wirtschaft gegen den Direktoren-Posten.

Olaf Pfeifer, der Direktor der STFW, posiert in einer der Werkstätten der Schule fürs Foto. An Motorrädern schraubt er auch gerne selbst.

Olaf Pfeifer, der Direktor der STFW, posiert in einer der Werkstätten der Schule fürs Foto. An Motorrädern schraubt er auch gerne selbst. Bild: Natalie Guinand

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Das Büro: nüchtern. Ein Sitzungstisch aus Glas, graue USM-Haller-Möbel, ein weisser Bürotisch. Die Einrichtung hat Olaf Pfeifer so übernommen. Er habe keine extravaganten Ansprüche, sagt er. Nur der Flachbildschirm sei auf seinen Wunsch montiert worden. «Darauf kann man Dinge zeigen. Das spart Papier.» Persönliche Gegenstände? Die Familienfotos vor dem Fenster. Der Göttibub im Feuerwehroutfit. Ansonsten hat sich Pfeifer mit dem arrangiert, was da war.

Seit knapp vier Monaten hat Pfeifer an der Schlosstalstrasse sein Büro. Im August hat er als neuer Direktor die Schweizerische Technische Fachschule Winterthur, kurz STFW, übernommen. Fahrzeugtechniker, Elektrotechniker, Gebäudetechniker und Kommunikationstechniker werden hier aus- und weitergebildet. Von der Strasse aus sieht man im gläsernen Neubau Autoteile, Motorräder auf Werkbänken, Lastwagen ohne Verkleidung. Die Schule ist stark gewachsen, zählt heute knapp 70 feste Mitarbeiter, 270 nebenamtiliche Instruktoren, und 8500 Schüler pro Jahr, wovon manche einen Tageskurs besuchen und andere sechs ganze Semester.

Im Automobilbereich sind wir in der Nordostschweiz praktisch konkurrenzlos, sagt Pfeifer. Er wirk zufrieden, so als wäre er angekommen. Dabei war ein Schul-Posten nie das Ziel seiner Laufbahn, die den heute 46-Jährigen einmal quer durch die Winterthurer Industrie geführt hat.

Sein Werdegang wirkt aufgeräumt. Nach einer Lehre als Maschinenmechaniker in Uster mit anschliessendem Studienabschluss in Maschinenbau sowie Rechnungslegung in Zürich arbeitete der Sohn eines Geometers und einer Hausfrau im Ausbildungszentrum Winterthur als Instruktor. Dann war er 17 Jahre beim Kompressoren-Hersteller Burckhardt Compression und schliesslich drei Jahre beim Sensoren-Spezialisten Kistler. In den Winterthurer Grossbetrieben arbeitete Pfeifer zuletzt Produktionsleiter, hatte engen Kontakt zu den Geschäftsführern. Alphatiere seien das, bestätigt er, aber verliert kein böses Wort.

«Für mich heisst bodenständig, dass man den Menschen Respekt entgegenbringt, und Empathie.»Olaf Pfeifer

Lieber erzählt er von seiner Zeit in Farnham, 40 Kilometer ausserhalb von London. Ein Jahr lang war er dort stationiert, um für Burckhardt drei Standorte zusammenzuführen. Es war die Zeit vor den strengen Compliance-Richtlinien. «Man wurde auch einmal zum Fussball eingeladen.» Geblieben sei ihm aus dieser Zeit eine Begeisterung für Manchester United und für Bier ohne Kohlensäure. Auch Cricket habe er in England schätzen gelernt. Mit einem Lächeln ergänzt er: «Es gibt eine kurze Version, die am Nachmittag beginnt und schon um Mitternacht fertig ist.»

Warum aber er die Industrie mit ihren Chancen gegen die Berechenbarkeit Schule getauscht? Pfeifer spricht von «Sinnhaftigkeit im Beruf», die für ihn im Vordergrund stehe. In der Produktion nehme der Faktor Mensch ab und die Automatisierung zu. In der STFW wolle er dazu beitragen, dass trotz Digitalisierung der Mensch im Zentrum der Arbeit bleibe. Ab nächstem Jahr wird er selber unterrichten, 10 Prozent, so die Vorgabe im Arbeitsvertrag.

Pfeifer lächelt oft, wenn er redet. Er hört aufmerksam zu, antwortet gerade heraus, aber nie unbedarft. Wie er sich beschreiben würde? «Ich bin privat unspektakulär.» Bodenständig? «Ja, das auch.» Was heisst das eigentlich? «Für mich heisst es, dass man den Menschen Respekt entgegenbringt, und Empathie.»

Dass er, der Direktor, auch einmal streng sein könne, bejaht Pfeifer. Das sei aber kaum nötig. Viele «Schüler» der STFW 47 sind erwachsen. Erst einmal habe er eine Gruppe massregeln müssen. «Das waren aber Lernende, im jugendlichen Alter.» Sie hatten sich über einen Nachbarn lustig gemacht, erzählt Pfeifer. «Ich habe sie dann vorbei geschickt, um sich zu entschuldigen.»

Mit Bestimmtheit aufzutreten, hat er in der freiwilligen Feuerwehr gelernt. Seit zwei Jahrzehnten engagiert er sich als Retter. Er nennt es «mein zweites Hobby». Und dann kommt nichts, keine Heldengeschichten. Auf Nachfrage sagt er, die Brände seien weniger schlimm, schlimmer seien die Verkehrsunfälle. Wird er nachts von Erinnerungen heimgesucht? «Nein, man muss lernen, das zu verdrängen», sagt Pfeifer.

Verdrängen müsse er die Gefahren im Verkehr auch wegen seines «ersten Hobbys». Pfeifer ist Töfffahrer, besitzt eine Norton Commander, Jahrgang 1972. «Sie ist genau so alt wie ich und fährt immer noch». Im Sommer unternimmt er Touren – mit seiner Frau und Freunden, ohne Verein. Auch Töffferien mit seiner Frau macht er – «genau einmal im Jahr, das ist unsere Abmachung». Im Winter wird «geschraubt», die Maschine gepflegt, Wehwehchen, Fehlfunktionen werden ausgemerzt. Wie in der Medizin braucht die Diagnostik in den technischen Berufen Erfahrung. Hier schliesst sich der Kreis vom Privaten zur STFW. Pfeifer, der Direktor, hat sich in seiner Schule schon Hilfe geholt.

Erstellt: 25.11.2018, 17:54 Uhr

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@landbote.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 052 266 99 85. Mehr...

Abo

Eine für alle. Im Digital-Abo.

Den Landboten digital ohne Einschränkung nutzen. Für nur CHF 25.- pro Monat.
Jetzt abonnieren!

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles