Tribüne

Neues Jahr, neues Durchhalten

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Da wären wir also im 2019. Ich hoffe, Sie sind gut gerutscht und die Bilanz der ersten fünf Tage fällt positiv aus. Allzu viel konnte man in so kurzer Zeit schliesslich noch nicht falsch machen, aber immer Vorsicht mit den jungen Jahren, das kann ganz schnell gehen. Zumindest was die Vorsätze betrifft, da scheitern nämlich bereits neun Prozent innerhalb der ersten Woche.

Dieses Jahr habe ich mir daher gleich zwei Vorsätze hinter die Ohren geschrieben, vielleicht erhöht das die Erfolgschancen. Ich habe mir vorgenommen, mir weniger den Kopf zu stossen und mein Datenmanagement zu optimieren. Ersteres erfordert schlicht und einfach einen sorgfältigeren Umgang mit Türen – mit herkömmlichen Türen zum Hindurchgehen, jeden Alters und Geschlechts, im Speziellen aber Küchenschranktüren.

So erheiternd das für meine Mitmenschen jeweils auch sein mag, für mein Gehirn ist das alles andere als gesund. Schliesslich weiss man, dass bei Footballspielern – welche während ihrer Karriere zahlreiche Schläge auf den Kopf einstecken müssen – gravierende Langzeitschäden auftreten können. Gedächtnisverlust, Verwirrung, Demenz und die mannigfaltigsten Kombinationen davon.

Verwirrt und ein bisschen dement fühle ich mich jedenfalls hin und wieder schon. Gerade ereilt mich eine Vision aus der Zukunft, wie ich in 10 Jahren verwirrt am Kochen bin. Im Eifer des Gefechts reisse ich mit voller Wucht das Chuchichäschtli-Törli auf und ziehe es mir genau gegen meinen Nischel. Aus Wut plauze ich es wieder zu. Aufgrund meiner Demenz habe ich bereits vergessen, warum ich es überhaupt erst aufmachen wollte. Ich öffne es ergo wieder, vergesse dann aber, es wieder zu schliessen. Ich berserkere unbesonnen weiter um den Herd herum, bis meine linke Stirnseite erneut gegen die Schranktür knallt. «Vielleicht wollte ich Mehl rausnehmen», denke ich und mache das Kästli zu, ohne das Mehl herauszunehmen. Wütend reisse ich es wieder auf und stosse mir wieder den Keks und so weiter und so fort.

Ich kann nur hoffen, dass ich zu dieser Zeit über einen mir wohlgesinnten Mitbewohner verfügen werde, ansonsten könnte das mein Ende sein.

Beim zweiten Vorsatz sehe ich da weniger Gefahrenpotential. Ich würde mir einfach selber einen grossen Gefallen tun, wenn mein Desktop nicht mehr so aussehen würde, als hätte mein Mac von innen heraus auf den Bildschirm hoch erbrochen.

Das arme Ding. Mitleid ist immerhin ein guter Antrieb, daher werde ich mich sogleich darum kümmern – in den nächsten Tagen. Irgendwann. Und Ihnen wünsche ich nun ebenfalls den grössten Erfolg beim Einhalten und Aushalten der vorgenommenen Ziele. (Der Landbote)

Erstellt: 04.01.2019, 15:41 Uhr

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