Leitartikel

Auch wenn das Geld da ist, bleiben Fragezeichen

Jakob Bächtold, Stv. Chefredaktor

Jakob Bächtold, Stv. Chefredaktor

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Das waren sehr schöne Nachrichten für die Museumsstadt Winterthur: Wie am Donnerstag bekannt wurde, haben sich Stadt- und Regierungsrat auf einen Finanzierungsschlüssel geeinigt. Dem Kunstverein, der die Museen als Dachorganisation trägt, soll über eine Million Franken pro Jahr mehr zur Verfügung stehen. Aus Winterthurer Sicht ist besonders erfreulich, dass der Kanton deutlich mehr bezahlen will als früher geplant. Plötzlich scheint alles wieder möglich. Der Umbau der Villa Flora und die Rückkehr der nach Bern ausgeliehenen Hahn­loser/Jaeggli-Bilder sowie die Drei-Häuser-unter-einem-Dach-Strategie.

Löst sich mit dem in Aussicht stehenden Geld nun alles in Minne auf? So einfach wird das nicht. Dass nun eine konkrete Regelung für die Finanzen vorliegt, darf nicht über die offensicht­lichen Fragezeichen des Museumskonzepts hinwegtäuschen. Etwas plakativ, aber doch erwähnenswert: Die Drei-Häuser-Strategie ist so komplex, dass nicht aus allen Zeitungsmeldungen von gestern klar wurde, welche Stiftungssammlung jetzt wohin integriert wird und ob es in Winterthur in Zukunft nun bald eines oder doch drei Museen geben soll. Auch der Zielgruppe der Kulturtouristinnen und Kulturtouristen wird es nach Abschluss aller Um- und Ausbauten nicht ganz einfach zu erklären sein, welches Bild wo in den dreieinigen Winterthurer Museen hängt. Dabei muss doch ein zentrales Ziel der Museumspolitik sein, die Stärken der Winterthurer Häuser endlich so auszuspielen, dass sie auch überregional mehr zur Kenntnis genommen werden.

Denkt man aus Sicht der Besucherinnen und Besucher, ist das Drei-Häuser-Konzept nicht die beste Lösung. Auch wer einiges an Zeit und Musse mitbringt, wird kaum den Marathon durch Villa Flora, Kunstmuseum und Museum Oskar Reinhart am Stadtgarten absolvieren. Zumal viele Kulturtouristen ihren Besuch ohnehin nicht in einem städtischen Museum, sondern im bundeseigenen Museum Römerholz beginnen. Und dann lockt auch noch das Fotomuseum als Konkurrenz.

Das alles ist sogar für ein ganzes Kulturwochenende ein Überangebot, für einen Eintagesaufenthalt sowieso. So blieben auch die Besucherzahlen der Villa Flora der letzten zehn Jahre hinter den Erwartungen zurück. Das Potenzial der Sammlung würde wohl besser ausgeschöpft, wären die besten Bilder im Kunstmuseum und im Museum Oskar Reinhart zusammengefasst, in Gehdistanz am Stadtgarten platziert.

Die Vorteile einer Lösung mit der Villa Flora sollen hier nicht verschwiegen werden. Ein Sammlerhaus ist in der Museumslandschaft eine Besonderheit. Gleichzeitig ist jedoch unbestritten: Im Zentrum des Interesses stehen die Bilder und nicht das Haus. Ein Pluspunkt wäre wiederum, dass die Dependance in der Villa Flora das Platzproblem lösen würde. Denn in Kunstmuseum und Museum Oskar Reinhart ist es ­– wie die Ausstellungsmacher versichern – zu eng, um die Hahnloser/Jaeggli-Bilder auch noch unterzubringen. Allerdings müsste es mit einem innovativen Ausstellungskonzept doch machbar sein, in den beiden Häusern die wichtigsten Bilder permanent zu zeigen und spannende Wechselausstellungen zu bieten.

Die Diskussion muss jetzt grundsätzlich geführt werden. Wollen wir uns die Villa Flora leisten? Was kostet das Projekt langfristig und in einer Vollkostenrechnung? Was passiert, wenn der Kanton spart und die Beiträge kürzt? Und wie könnten Alternativen aussehen? Diese Fragen müssen in der Gemeinderatsdebatte um die Erhöhung der städtischen Subventionen beantwortet werden.

Es wäre auch sinnvoll, bereits früh das Volk abstimmen zu lassen, damit ein Grundsatzentscheid für oder gegen die Drei-Häuser-Strategie vorliegt. Nur so kann sichergestellt werden, dass man später nicht doch noch scheitert und vor einem Scherbenhaufen steht. ()

Erstellt: 26.11.2016, 11:20 Uhr

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