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Auf der grünen Welle

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Nur 480 Meter Luftlinie und zwei Monate liegen zwischen den beiden Terminen, und doch könnte der Kontrast kaum grösser sein: Am 7. Juli sass die GLP im Restaurant Plan B auf dem Sulzerareal, hatte soeben die Stadtratsersatzwahl verloren und leckte die Wunden. Es dominierten Ratlosigkeit und Durchhalteparolen. Jetzt, am 12. September, sitzt die Winterthurer GLP-Spitze in der Bar des Kinos Cameo am Lagerplatz, läutet den Wahlkampf für den Nationalrat ein und strotzt vor Zuversicht. Man spürt es: Parlamentswahlen sind viel mehr nach dem grünliberalen Gusto.

«Wir sind die Partei der Stunde», glaubt Parteipräsident Urs Glättli. Und er unterstreicht seine Aussage mit Zahlen. Die GLP hat bei den Kantonsratswahlen diesen Frühling einen Wähleranteil von rund 13 Prozent erreicht, in Winterthur waren es sogar fast 15 Prozent. Wenn sie das am 20. Oktober wiederholt, ist sie grosse Siegerin. Denn vor vier Jahren lag ihr Stimmenanteil nur bei rund 8 Prozent.

Wenn die GLP-Kandidierenden ihr Programm vortragen, sind die Sätze gespickt mit Schlagworten der aktuellen grünen Welle: Klimaschutz, Nachhaltigkeit, Stopp der Gewässerverschmutzung. Doch ob das reicht, damit Michael Zeugin als bestplatzierter Winterthurer einen Nationalratssitz gewinnt? Auf Platz 6 muss er sich sputen. Trumpfkarte des kantonalen GLP-Fraktionschefs: Er hat die Unterliste der GLP-Unternehmer zusammengestellt und ist in KMU-Kreisen bestens vernetzt.

«Beim Nationalrat stehe ich gerne zurück und lasse den Jüngeren den Vortritt.»Annetta Steiner

Dass Stadtratskandidatin und Alt-Gemeinderatspräsidentin Annetta Steiner (Jahrgang 1964) auf der Liste acht Plätze hinter Kantonsrätin Katrin Cometta (1975) platziert ist, kommentiert Erstere gelassen: «Beim Nationalrat stehe ich gerne zurück und lasse den Jüngeren den Vortritt.» Cometta fügt den grünen Slogans noch Regenbogenfarben bei: Sie betont ihren Einsatz für eine offene Gesellschaft, für Gleichstellung und Ehe für alle.

Ein Farbpunkt zwischen den gestandenen GLP-Vertretern ist auch Viviane Kägi, 22 Jahre jung, angehende Sekundarlehrerin aus Turbenthal und Spitzenkandidatin auf der Liste der jungen Grünliberalen. Sie freut sich schon auf die nächsten Klimademos am 27. und 28. September und sagt: «Die Stimme der Jugend braucht es nicht nur auf der Strasse, sondern auch im Bundeshaus.»

Erstellt: 12.09.2019, 18:46 Uhr

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