Aufs Schlimmste vorbereitet

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Ärgern Sie sich auch nach einem Streit manchmal noch lange danach darüber, dass Sie in der Situation nicht so schlagfertig waren wie jetzt im Nachhinein? Ich spiele in meinem Kopf zum Beispiel noch heute jenen Streit durch, den ich im Kindergarten mit ­Ueli Häfliger hatte, und überlege mir, was ich damals hätte sagen sollen, anstelle von einfach vor Wut heulend in den Bäbi-Egge zu rennen.

Ich mache dieses Gedankenspiel jedoch nicht nur retrospektiv, sondern auch in die Zukunft gerichtet. Man soll ja den Teufel nicht an die Wand malen, so sagt man. Wenn ich aber ehrlich bin, dann bin ich eher enttäuscht, wenn der Teufel, den ich mir so schön ausgemalt hatte, gar nicht aufkreuzt. Zum Beispiel überlege ich mir oft, wenn ich auf Einkaufstour mein bereits vollbeladenes Fahrrad vor einem Geschäft stehen lasse, was ich wohl sagen würde, wenn ich beim Rauskommen jemanden dabei ertappen würde, wie er gerade meine Tüten ausräumt.

Nicht dass mir so etwas schon irgendwann einmal passiert wäre. Und trotzdem stelle ich mir alles genau vor, stelle mir vor, wie der Dieb mit dem Superpack-Klopapier und der Kiste Bier in der Hand dasteht und ich ihn in flagranti ertappe. Ich würde kommen und würde ihn mit meinem stahlharten Blick fixieren, so einem Blick, wie ihn Clint Eastwood früher drauf hatte, und würde ganz cool sagen: «Was wird das denn, wenn es fertig ist?», und der Dieb würde ganz weiche Knie bekommen, Klopapier und Bier fallen lassen und verängstigt davonrennen, während ich ihm nachbrülle: «Lass dich nicht noch einmal in meiner Nähe blicken…»

Das alles geht mir im Kopf rum, während ich durch den Manor marschiere, vor dem mein vollbeladenes Velo steht. Einmal bin ich sogar, kaum war ich drin, gleich wieder rausgekommen, weil ich mir überlegt hab, dass der Typ, der drüben auf dem Bänkli sass, vielleicht ein potenzieller Dieb sein könnte, der mich beobachtet und sich gedacht hat, dass es jetzt, wo ich grad erst rein bin, am sichersten wäre, meine Sachen zu schnappen. Also bin ich nur einmal durch die Drehtür und dann bei der nächsten Drehung schon wieder raus.

Aber der Typ sass immer noch einfach da. So ein Mist! Ich hab dann noch ein paar Minuten hinter dem Baum gelauert und gewartet, ob sich vielleicht sonst jemand an meinem Velo zu schaffen macht. Offenbar war die Art und Weise, wie ich so verstohlen hinter dem Baum auf mein Velo gestiert habe, dann aber doch ziemlich auffällig. Jedenfalls stand irgendwann plötzlich ein Securitas-Mann neben mir und sagte: «Was wird das denn, wenn es fertig ist?» Darauf wusste ich dann aber echt keine gute Antwort. ()

Erstellt: 15.06.2016, 09:18 Uhr

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