Kolumne

Bitte einmal mit Ohne!

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Alkoholfreies Bier boomt, las der Stadtverbesserer neulich. Während der Bierkonsum insgesamt schrumpft, legt die Hopfenlimo ohne Umdrehungen zu. Auch beim Image. Inzwischen darf man sogar als Mann ein Alkoholfreies riskieren, ohne in Verdacht zu geraten, ein Warmduscher oder Feinrippträger zu sein.

Zu verdanken haben wir diese Befreiung nicht den strengeren Promillegrenzen auf der Strasse, sondern eitlen Sports­kanonen: Sie fürchten, die Kalorien im Sixpack könnten sich auf ihrem eigenen Sixpack ablagern.

Wirklich nützlich wären andere «Zero»-Labels: Religion ohne Fundamentalismus, Heimatverbundenheit ohne Rassismus oder soziales Engagement ohne Moralkeule. 

Auch Hanf ohne THC floriert. Innert eines Monats eröffneten in Winterthur mindestens zwei Läden, die legales Gras verkaufen, das beruhigt, aber nicht zudröhnt. Wohin man blickt: Der Kunde möchte es «mit Ohne». Der Bürokollege trinkt Kaffee ohne Koffein, der Kulturredaktor dampft nikotinfrei, der Chef schlürft zuckerfreie Coke Zero.

Die Vorstellung, dass man liebe Gewohnheiten behalten kann, aber ohne den dreckigen, ungesunden Kick, passt zu unserem modernen Lebensstil. Leider lässt sich nicht alles so gut messen und zertifizieren wie der Zucker- und THC-Gehalt. Denn wirklich nützlich im Leben wären doch andere «Zero»-Labels: Religion mit null Fundamentalismus, Heimatverbundenheit ohne Rassismus oder soziales Engagement ohne Moralkeule.

Doch dem Stadtverbesserer dämmert: Ganz ohne Alkohol wird diese hochphilosophische Diskussion wohl so schleppend in Gang kommen wie ein mit legalem Gras sedierter Kiffer morgens ohne Koffein. Immerhin auf ein Light-Produkt ist Verlass: Winterthur ist Zürich. Aber ohne Stadtzürcher. (Der Landbote)

Erstellt: 29.06.2017, 12:26 Uhr

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