Tribüne

Der Asterix unter den Zeitungen

Karl Lüönd ist Publizist und Journalist..

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Astérix und Blick sind fast auf den Tag genau gleich alt. Das kann kein Zufall sein. In beiden Systemen werden die Geschichten auf eine neue Art erzählt: bilderreich, mit Knalleffekten und einem Augenzwinkern, mal witzig, mal dröhnend, immer überraschend und dem alten Boulevard-Motto folgend: Du darfst alles, ausser langweilen!

«Boulevard» war immer der Kampfbegriff der «Seriösen» gegen die Erfolgreichen gewesen. 1959 war «Blick» ein unglaublicher Kulturbruch, obwohl es das deutsche Vor-«Bild» schon seit sieben Jahren gab. «Blick» signalisierte die Ankunft des kommerziell gesteuerten Journalismus in der bis dahin pädagogisch-politisch geprägten, kleinkarierten Schweizer Pressewelt. Die setzte «Boulevard» gleich mit Schludrigkeit, Effekthascherei und Geschmacklosigkeit. Dabei führte «Blick» früher als andere Schweizer Zeitungen professionelles Reporting ein. Zu meiner Zeit (1974-80) hatten wir einen Newsroom und die englische Agentur UPI zum Gegenlesen des deutschen Nachrichtenmaterials; das leistete sich nicht einmal die NZZ. Und wenn in Bangkok ein Schweizer im Klong ertrank, haben wir dort angerufen. Oder gleich einen Reporter hingeschickt.

Zeitungen wie «Blick» vermitteln den Stoff in unterhaltender Form. Sie gehen näher an die Dinge und die Menschen heran. Sie lassen Emotionen zu. Sie pflegen das Bild, sie haben eine These, sie rufen aus, und manchmal gehen sie vom Beschreiben zum Handeln über. «Blick» wuchs am Widerstand seiner irritierten Feinde. Auflagenmässig war er ein Start-Ziel-Erfolg. Bis zu den schwarzen Zahlen dauerte es aber fast zehn Jahre; die Kosten dieses Apparats waren im kleinen Schweizer Markt schwierig zu refinanzieren.

Aber die reichen Ringiers hielten eisern an ihrem Projekt fest. «Blick» hatte seinen Höhepunkt in den 80er Jahren, mit Bingo und der «lieben Marta», dann ist die Auflage abgestürzt. In erster Linie, weil die anderen Zeitungen, die «Seriösen», inzwischen alle «blickiger» geworden sind und ihren Missionars-Stellungen abgeschworen haben. Und das Fernsehen hat dem «Blick» und anderen Artgenossen die Hoheit über die Celebrities-News abgetischt, das Internet plagt alle.

Jetzt hofft das reife Geburtstagskind dem Altern durch die Digitalisierung zu entgehen. Der Erfolg ist möglich, aber unsicher. Wie fast alles in der Medienwelt. Zu einem Jubiläum wünscht man Glück. Das gehört sich so. Sie können es brauchen!

Erstellt: 25.05.2019, 10:57 Uhr

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