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Die Tücken der Apéros

Sommerzeit ist Apérozeit. Ob an Infoabenden, Gemeinde- oder Vereinsversammlungen: Fast überall geben sich die Organisatoren grosszügig. Wein und Bier werden ausgeschenkt, und auf den Buffets warten Partybrote, Chips und Co. auf ihren Verzehr. Doch das Knabbern und Nippen birgt so seine Tücken. Da gibt es Flammkuchen mit frischem Rucola. Sieht wunderbar aus, ist aber im Stehen ohne Besteck und Teller eher schwierig zu verspeisen. Während mein Gegenüber das Gespräch unterbricht, um stetig kauend ein störrisches Rucolablatt in den Mund zu bringen, wandert mein Blick zu Boden. Überall liegen Rucolablätter, Krümel und Zwiebelstückchen, die sich verselbst­ständigt haben. Geziert wird der Boden zudem von Flecken heller Crème fraîche – genauso wie die Jacke meines Gegenübers.

Andernorts isst man solider. Ein mit allerlei Feinem gefülltes Meterbrot steht in Stücken bereit. Doch wer schafft es nur, zwei Schichten von dem rustikalen Baguette inklusive Inhalt zum Abbeissen in den Mund zu bekommen? Die Radiesli rollen, der Käse fällt – ich lasse lieber die Finger davon. Auch Gespräche sind erschwert. Schliesslich verbietet es der Anstand, mit vollem Mund über die politischen Geschäfte einer Gemeinde zu plaudern. Chips!, denkt man da, sind schnell geknuspert und her­unter­gespült. Doch was macht man dann mit den fettigen Fingern, wenn sich just in diesem Moment jemand per Handschlag verabschieden möchte?

«Ich halte mich besser nur an die Getränke», mag sich dann so manch einer denken und trifft das nächste Dilemma. Wer fast jeden Abend an einem anderen Termin ist, hält sich bei Alkoholika zurück. Doch wie kommt das an, wenn man den selbst produzierten Wein des Gemeinderats verschmäht und stattdessen auf den spanischen Orangensaft setzt? Werden da am Ende noch Rückschlüsse auf die Regionalzeitung gemacht? Fragen über Fragen. Und am Ende steht man da, mit einem unverfänglichen Glas stillem Wasser, und plündert dann, endlich daheim an­gekommen, den Kühlschrank für einen späten Znacht.

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