Endlich was für faule Touristen

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Die Grand Tour of Switzerland ist zweifellos ein Fortschritt. Für wen? Für die motorisierten Rundreisetouristen natürlich. Sie können die letztes Jahr ins Leben gerufene Autoroute entlang von Städten, Sehenswürdigkeiten und Seen nun offiziell und ohne öko­logisch schlechtes Gewissen als Freizeitaktivität einplanen.

Was ist erholsamer, als im Auto als Beisitzer durch die Gegend zu gondeln, dabei etwas zu dösen oder zu reden, während die Landschaft an einem vorbeizieht? Man will ja kein Stubenhocker sein und trotz des eigenen Ruhebedürfnisses viel herumkommen, als weit gereist gelten. Dass man dafür – der Grand Tour sei Dank – kaum einen Schritt tun muss, ausser vom Parkplatz ins Restaurant oder zum Aussichtspunkt und zurück, das ist wirklich toll!

Die Grand Tour ist zweifellos eine Errungenschaft. Weshalb? Dadurch wird nun keine Tourismusgattung mehr ausgegrenzt: Selbst Herr und Frau Bequem wissen nun, wohin ihr motorisierter Sonntagsausflug in die Natur offiziell führen kann. Oder wie sonst könnte das Ausschildern einer 1600 Kilometer langen Strecke als Tourismusförderung gelten? Jetzt wird endlich auch etwas für den verwöhnten und faulen Touristen getan.

Dieser kann seinen Ausflug zum Beispiel in den Thurauen beginnen. Das sähe dann etwa so aus: Die Angereisten lassen die Autofenster herunter, nehmen einen tiefen Zug frischer Luft, essen und trinken und vertreten sich kurz die Beine. Als Beweisstück für Bürokollegen und Facebook-Freunde schiessen sie noch schnell ein Selfie.

Dann: Fenster hoch, Motor starten und weiter. Von ihrem Kurzbesuch im Weinland, in der grünen Lunge des Kantons, wird ausser Littering und Abgasschwaden wohl nicht viel bleiben, auch kaum Gastroeinnahmen. Dafür werden die Moto-Touris dann später, für ­gutes Geld, vom Panoramalift aus einen Blick auf den grössten ­Wasserfall Europas werfen – ­ohne nass zu werden. Was für ein Rheinfall! Dagmar Appelt (Landbote)

Erstellt: 04.03.2016, 14:37 Uhr

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