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Fusionieren oder nicht? Die Emotionen entscheiden

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Es sei keine Veranstaltung pro oder kontra die Fusion, betonten die Stammertaler Behörden gleich zu Beginn des Anlasses. Und auch nach der einstündigen Informationsflut über das Fusionsvorhaben wurde den rund 250 Bürgern abermals eingebläut: Bitte keine politische Diskussion jetzt, sondern nur Sach- und Verständnisfragen stellen.

Und so kam es, wie es in solchen Fällen immer kommt: Die Menschen hielten sich nicht daran. Sie kritisierten, riefen aus und warnten – kurz: Sie zeigten Emotionen, hatten eine Meinung.

Der Stammertaler Meinungsbildungs­prozess dauert nun bereits mehr als zwei Jahre. Schon bald nach der Zukunftskonferenz im Januar 2014 wurden Fachgruppen gebildet, die sich mit verschiedenen Fragestellungen rund um die Entwicklung des Tales auseinandersetzten. Es wurde viel und gründlich gearbeitet. Eine Grundlage nach der anderen wurde erarbeitet, eine Auslegeordnung folgte der nächsten.

Und fragte man die Behördenvertreter nach ihrer Haltung zur Fusion, hielten die sich diplomatisch zurück. ­Klare Positionsbezüge gab es keine. ­Immer hiess es: Es braucht noch weitere Abklärungen. Man sprach sich nicht für oder gegen die Fusion aus. Vielmehr wollte man noch mehr Fakten und Zahlen her­anschaffen, die dann für oder gegen eine Fusion sprechen sollten.

Und vorgestern war es nun also so weit. Die Auslegeordnung, die Resultate der langwierigen Fusionsabklärungen also, wurde der breiten Bevölkerung vorgestellt. Und? Sprachen nun die vielen Zahlen und Fakten selbstredend für sich, wie sich das die Behörden erhofften? Nein. Es wurde zwar versucht, das Einsparungspotenzial bei einer Fusion in Franken zu beziffern. Doch ob es die Vorteile auch wirklich geben wird, das weiss niemand.

Als Beobachter fragte man sich: Wollen die Behörden überhaupt fusionieren? 

Übrig bleiben Annahmen und blutleere Modellrechnungen. Man kann ihnen Glauben schenken oder nicht. Und bei ­allem Respekt für die grosse Arbeit der Fachgruppen und Behördenmitglieder: Die Präsentation vom Mittwochabend war zwar sachlich, aber ebenso lustlos. Als Beobachter fragte man sich: Wollen die Behörden überhaupt fusionieren? Auch nach über zwei Jahren ist kein Feuer zu spüren, von dem der Funke auf die Bevölkerung überspringen könnte. Zahlen und Fakten allein entfachen eben noch kein Feuer.

Die betonte Sachlichkeit und Faktenorientierung der Stammertaler Behörden allein reichen nicht aus für ein Ja am 24. September. Im Fusionsprozess sich und anderen Emotionen und Meinungsäusserungen gleichsam zu verbieten, ist kontraproduktiv. Das hat sich am Mittwochabend ganz klar gezeigt. Von den gut 15 Wortmeldungen waren die meisten von Skepsis geprägt.

Die Bevölkerung wollte nicht nur brav Sach- und Verständnis­fragen stellen, wie von den Behörden ­gefordert, sondern endlich ihre Meinung zur Fusion sagen. Dampf ablassen nach Jahren der stillen Abklärungen in isolierten Fachgruppen. Zum Beispiel über den vorgeschlagenen Namen «Stammheim» für die neue, fusionierte Gemeinde. Waltalingen bleibe bei diesem Namen aber aussen vor, kritisierte ein Mann. Lächerlich, mag man als Auswärtiger vielleicht denken. Der finanziell schwächsten Gemeinde im Stammertal bleibt ja eh nichts anderes übrig, als Ja zu sagen zur Fusion.

Doch Vorsicht: Am Schluss werden im Stammertal weder Geld noch Zahlen ­entscheiden, sondern Emotionen. Und überlassen die Behörden dabei das Feld weiterhin den Skeptikern, wird die Fusion bestimmt scheitern. (Der Landbote)

Erstellt: 31.03.2017, 11:23 Uhr

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