Heitere Fahne!

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Frau und Herr Schweizer haben ein «verkorkstes Verhältnis» zu ihrer ­Nationalmannschaft und der Schweiz an sich, diagnostizierte gestern ein Inlandredaktor des «Tages-Anzeigers». Wir schämen uns für Patriotismusbekundungen und können uns auch nach Siegen nicht recht freuen. Nach dem Albanien-Spiel habe er folgendes Bild angetroffen: «Es jubeln die Albaner, wir hadern und stänkern.» Und in der Stadt wehen kaum Schweizer Fahnen. Wer ist schuld? Die Linken, für die dem Nationalstaat immer noch etwas Anrüchiges anhaftet? Oder verkappte Rassisten, denen unsere Multikulti-Elf nicht «schweizerisch» genug ist?

Der Stadtverbesserer fühlt sich ertappt. Auch er hat nämlich noch nie eine Schweizer Fahne aufgehängt und sich an Nati­Siegen bisher eher innerlich gefreut. Eine Fahne muss also her, rechtzeitig vor dem Spiel gegen Rumänien. Im Warenhaus wird er für wenig Geld fündig.

Beim Auspacken der Fahne gehen die Problem aber erst los: Das Tuch ist rechteckig! «Die Schweizer Fahne ist im Fall quadratisch», meckert der Bürokollege. Sollte man nun zwei Streifen abschneiden? Oder wäre das erst recht respektlos? Damit nicht genug: Das Billig-Stöffli hat keine Ösen zum Aufhängen. Schweren Herzens wird der Locher bemüht. Und als endlich alles bereit ist, ist im ganzen Büro­haus keine Schnur auf­zutreiben. Mit Geschenkband (immerhin rot) wird sie not­dürftig vor dem Fenster fixiert.

Doch die Rechnung wurde ohne das Wetter gemacht. Sturmböen heben die Fahne wie ein Segel hoch, und bald flattert sie über Kopf. Um sie zu beschweren, versuchen wir, ein weiteres Loch in den unteren Rand zu machen. Da bricht der Stanzkopf des Lochers aus und klemmt die Fahne unwiederbringlich ein. Mit der Schere muss sie freigeschnitten werden. Das Ganze sieht mittlerweile recht angefressen aus. Als die Fahne endlich hängt, er­innert sie dank den zahlreichen angehängten Gewichtchen an das Bikini einer Bauchtänzerin.

Die Erkenntnis: Nicht alle Fahnenverächter haben ein verkorkstes Verhältnis zum Nationalstaat. Manche sind einfach ziemlich ungeschickt. Der Anruf bei einer Fahnenfabrik in der Ostschweiz gerät zur Mini-Strafpredigt. Die meisten der im EM-Wahn gekauften Dekofahnen seien unter schlimmen Zuständen hergestellt, mahnt der freundliche Direktor: mit giftigen Chemikalien, ohne Arbeiterschutz irgendwo in Fernost. Er empfiehlt stattdessen eine Qualitätsfahne, die komplett in der Schweiz gewoben, gefärbt und genäht wurde. Der Preis: patriotisch. Es ist die vierte Erklärung für die verbreitete Fahnenphobie: das 0:0 zwischen schlechtem Gewissen und urschweizerischer Sparsamkeit. ()

Erstellt: 16.06.2016, 09:07 Uhr

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