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Felix Müller und die grüne Wende

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«Die Rücktrittsforderungen gegenüber Felix Müller sind nicht nachvollziehbar», hielt die Grüne Partei Winterthur am Ostermontag in einer Mitteilung fest. «Der Rücktritt von Felix Müller ist unumgänglich», hiess es dann in einer zweiten Mitteilung vom letzten Sonntag. Zwischen den Meldungen müssen ein grünes Gefühlschaos und ein innerparteilicher Knall liegen, anders kann man sich den beispiellosen personalpolitischen Turnaround gegenüber dem eigenen Volksvertreter nicht erklären.

Felix Müller ist seit drei Wochen unablässig in der Kritik. Seit bekannt wurde, dass der Konflikt in der Brühlberg-Schule zu einem neuen Personalexodus von allen acht Hauptlehrkräften geführt hat. Dem zuständigen Schulpflegepräsidenten Müller wird praktisch von allen Beteiligten ein Teil der Schuld zugeschrieben. Fakt ist: Er schaffte es nicht, der seit über drei Jahren schwelenden Unruhe im Schulhaus Herr zu werden. Trotzdem hatte er aus Sicht der Grünen bis vor einer Woche fast alles richtig gemacht, die Partei zeigte sich gegenüber Vorwürfen an Müllers Adresse resistent – das erinnerte an die stoische Gelassenheit, mit welcher die Grünen schon die Wärmering-Affäre und den Rücktritt ihres Stadtrats Matthias Gfeller kommunikativ abgehandelt hatten.

Dass es nun doch noch zur Rücktrittsforderung kam, ist in der Sache richtig, vermag aber das lange und unnachgiebige Festhalten an Müller nicht zu erklären. Dem Vernehmen nach wurde der Druck aus der Parteibasis immer grösser und «verschiedene Gespräche mit Direktbetroffenen» haben dann zur 180-Grad-Kehrtwende geführt. Diese Gespräche hätten die Grünen allerdings auch schon in den letzten Jahren führen können. Stattdessen hat man sich offenbar immer und einzig auf Müllers Sichtweise verlassen, auch schon bei dessen umkämpfter Wiederwahl 2014. Dass man dem Parteivertreter die Treue hielt, ist umso unverständlicher im Hinblick auf seinen Werdegang. Denn Müller steht nicht zum ersten Mal im Zentrum einer Krise.

Dass man seit 2014 genauer hätte hinschauen müssen, seit Lehrer und Eltern Felix Müllers Umgang und Kommunikation kritisierten, zeigt Müllers politische Vergangenheit, die eng mit jener seiner Partei verknüpft ist. Von 1987 bis 2003 sass Müller im Zürcher Kantonsrat, bis 1997 war er zudem Präsident der Kantonalpartei. Müller war ein gewichtiger Akteur beim grünen Hauskrach, der den Grundstein für die Spaltung mit den Grünliberalen gelegt hatte. Unter Müllers Führung trat die damalige Regierungsrätin Verena Diener aus der Partei aus, der Parteispitze wurde Ausgrenzung und Ignoranz vorgeworfen. Im Herbst 1997 manövrierte sich Müller an einer Versammlung der Grünen Schweiz ins Abseits. Er kritisierte einen Parteikonkurrenten wegen dessen Beziehung zu einer SP-Nationalrätin. Noch im Saal gab es Protestvoten gegen Müller, dieser verliess die Versammlung vorzeitig. Danach wurde von ihm zum ersten Mal ein Rücktritt gefordert, damals gab er nach.

Seit Sonntag bezeichnet sich Felix Müller als «parteilos». Für die Grünen ist die Krise damit vorerst zu Ende, für den Schulkreis geht sie weiter. Denn Müller will im Amt ausharren, zumindest vorläufig: Für Anfang Mai hat er mehrere Gespräche geplant. Derzeit weilt Müller in den Ferien.

Erstellt: 25.04.2017, 08:33 Uhr

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Mirko Plüss, Redaktor Stadt (Bild: mas)

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