Landluft

Ihr Äschli-Frauen kommet!

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Pünktlich um vier Uhr ­wurde er heuer wieder ­eingeläutet oder besser ­gesagt mit der Kanone eingeschossen, der traditionelle Äschli-Brauch im Landstädtchen Elgg. Über 80 Knaben marschierten bei Schneegestöber durchs Dorf und lauschten den Worten ihres Hauptmanns Jonas Fuchs – wie es der über 500 Jahre alte Brauch verlangt.

Und die Mädchen? Sie standen frierend am Strassenrand und schauten bestenfalls zu. Mit Ausnahme der gut 20, die sich – abseits des Hauptschauplatzes – zum (Mädchen-)Schiessen einfanden. Ein Wettbewerb, der nun seit gut 40 Jahren für einmal dem weiblichen Geschlecht vorbehalten ist. Man staune.

Es ist ja klar, dass die Mädchen am grossen Äschli-Umzug nichts zu suchen haben. Was sollen die denn dort auch? Die Laternen halten? Schliesslich stammt der Brauch aus der Zeit, als sich die Schweizer in den Dienst fremder Legionen stellten. Die Frauen blieben zu Hause und sorgten für Haus und Hof. Das sollten sie wohl am besten heute noch, ­ginge es nach den ganz Traditionellen unter den Elggern.

Wieso aber nicht mal mit der Tradition brechen? Auch wenn die Schweizer manchmal etwas länger brauchen (schliesslich führten sie als eines der letzten europäischen Länder das Frauenstimmrecht erst 1971 ein), so haben es die Einwohner anderer Regionen bereits vorgemacht. Die Bündner am 1. März beispielsweise: Am Chalandamarz dürfen die Mädchen nun schon seit 30 Jahren mit ihren Glocken durchs Dorf marschieren und dem Schellen-Ursli nacheifern.

Und siehe da, sogar Zürich lässt seit kurzem die Frauenzünftlerinnen (vorerst zwar nur als Gäste) am Sechseläuten-Umzug mitmarschieren und die Mädchen seit 1991 am Knabenschiessen mittun, wo sie übrigens regelmässig siegen. Könnte es sein, dass die Elgger zu sehr zur grossen Stadt geschielt haben und nun befürchten, dass die Soldaten vor einer «Äschli-Hauptmännin» noch strammer stehen würden? (Landbote)

Erstellt: 12.02.2016, 13:51 Uhr

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