Kolumne

Keine Lust auf Weihnachten

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Vielleicht erwarten Sie von mir heute eine weihnächtliche Kolumne. Ganz ehrlich, ich habe keine Lust dazu. Ich habe keine Lust auf Weihnachten, keine Lust auf die heile Familie und die Idylle im Stall, die alles andere als eine Idylle war, damals nicht und heute nicht. Dieses Kind, Jesus der Christus, gescheitert in dieser Welt, elendiglich zugrunde gegangen am Kreuz.

Ein Brief aus Bethlehem hat mich dieser Tage erreicht: «Liebe Monika, soll ich dir von den Toten und Verletzten berichten, von Tränengas und Resignation, oder doch eher vom Weihnachtsbaum auf dem Geburtskirchenplatz, der auch dieses Jahr zum Leuchten gebracht wurde...?»

Trotz allem werde ich wacker mitsingen beim Stille Nacht in unserer Kirche und beim Gloria der Engel.

Zutiefst weiss ich, dass die Botschaft von Weihnachten uns in die Hoffnung ruft in aller Zerrissenheit unseres Seins. Ein Kind verheisst Neubeginn und Zukunft auf eine Welt mit weniger Angst, Tod und Verzweiflung. Niemandem will ich diese Hoffnung zunichte machen, auch ich halte im Tiefsten an dieser Verheissung fest.

Zutiefst weiss ich, dass die Botschaft von Weihnachten uns in die Hoffnung ruft in aller Zerrissenheit unseres Seins. 

Mich treibt dieser Tage die Unergründlichkeit Gottes um, an der schon Jesus verzweifelt ist. «Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen», seine letzten Worte am Kreuz.

Und ausgerechnet Papst Franziskus will uns mit einem soften Gottesbild, dem allzeit liebenden Vatergott abspeisen und malt damit den Teufel wieder an die Wand. Der Teufel als Gegenspieler Gottes, wer so denkt, nimmt Gott nicht ernst, nicht ernst genug auch mit den dunklen und unverständlichen Seiten. Franziskus will die sperrige Vaterunserbitte: «Führe uns nicht in Versuchung» abändern, in die abgeschwächte Variante: «Lass uns nicht in Versuchung geraten».

Eine junge schwerstkranke Frau hat mich dieser Tage gefragt: «Was meinst denn du dazu?» Ich habe ihr gesagt, dass auch ich an dieser Bitte oft anstehe. Wir müssen uns zum Verstehen ganz und gar in Jesus hineinversetzen. Er, der sich durch und durch für das Leben eingesetzt hat, musste erfahren, wie wenig er erreicht hat. Jesus selbst hat mit seinem Gott gerungen, hat an ihm gezweifelt.

Vielleicht ist daraus diese Bitte entstanden: Gott, zu dir sage ich Vater, lass es nicht zu, das ich von dir lasse aus lauter Verzweiflung. Führe mich nicht in Versuchung alles hinzuschmeissen wofür ich lebe. Halte mich in deiner Gegenwart, lass mich spüren, dass du mich nicht fallen lässt...Die junge Frau schaute mich lange an und dann sagte sie: «So ist es gut, so werde auch ich zu beten versuchen.» (Der Landbote)

Erstellt: 22.12.2017, 18:12 Uhr

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