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Leber-Liebe und Erkenntnisse im frühen Jahr

Lara Stoll, Slam-Poetin
Lara Stoll, Slam-Poetin
Marc Dahinden

Lieber Leserinnen und Leser, aufgrund meines peinlichen Versagens vom 24.12.2016 habe ich Ihnen versprochen eine wunderschöne Weihnachtsgeschichte Anfangs Februar nachzureichen. Nun, das tue ich selbstverständlich nicht. Es ist Februar, niemand will jetzt noch eine Weihnachtsgeschichte lesen. Irgendwo ist schon wieder die Fasnacht im Gange, im Manor versucht man den Leuten Unnützes mit Herzchen drauf zu verkaufen und in Amerika regiert die Trompete. Ansonsten haben wir alle im Januar mal wieder Tennis geschaut und einige von uns haben auf Alkohol verzichtet. Zum Beispiel ich. Unter anderem wegen des peinlichen Versagens vom 24.12.2016. Spass gemacht hat das natürlich nicht, interessant aber war es allemal. Ich habe einiges an Zeit gewonnen, war konzentrierter und selbstverständlich fitter.

Der negative Aspekt: Ich wurde fast zum Einsiedler. Ich weiss schon seit längerem, dass ich anderen Menschen tagsüber aus dem Weg gehe. Es ist eigentlich unmöglich sich mit mir auf einen Kaffee zu verabreden, auch am Wochenende. Wenn dann treffe ich mich abends mit Leuten. Für jemanden der oft in Bars geht, keine Süssgetränke mag und 1.61 cm gross ist, kann das schon schwierig sein. Ich habe sogar angefangen alkoholfreies Bier zu trinken, und zwar nicht wenig. Und dabei mag ich gar kein Bier! Tomatensaft ist eine Lösung, aber keine drei hintereinander und mit Tee eine Tanzfläche zu betreten ist eine schreckliche Idee, glauben Sie mir.

Das und die Tatsache, dass ich beim Konversation machen kaum über Oberflächlichkeiten hinweg gelangte trieben mich je länger je mehr in mein wohlgeschätztes Nest zurück. Froh um die Ruhe, Stolz auf die Enthaltung, das frühe Bett und ich. Eine weitere Erkenntnis. Ja, es kommt mir fast vor als hätte ich nach 29 Jahren endlich eines der grossen Geheimnisse des Lebens gelüftet. Natürlich hat man mir mein Leben lang erzählt «du musst einfach früher ins Bett» Aber dass dies tatsächlich der Wahrheit entspricht hätte ich nie für möglich gehalten!

Ich bin um 9 Uhr ins Bett, schlief um 10 oder halb 11, um 8 Uhr war ich manchmal bereits am Computer. Manchmal war es noch dunkel! Dunkel! Und dann wurde es hell! Sonst arbeite ich oft abends in die Nacht hinein. «Der frühe Wurm wird gefressen» war mein Credo. Hätte mir doch jemand früher gesagt, dass das wirklich stimmt! Am Ende bewahrheitet sich auch noch, dass Sellerie tatsächlich gesund ist! Igitt.

Nun gut, da war ich also, ein Eremit in der Grosstadt, wie Clint Eastwood in seinen grossen Rollen, stand verbarrikadiert und griesgrämig hinter dem Vorhang, blinzelte im Morgenlicht aus dem Fenster und murmelte Dinge vor mich hin wie «Ich bin der Spatz... ich will allein sein... wehe Sellerie ist gesund» usw. Auch wenn ich froh bin diese nette neue Seite an mir entdeckt zu haben, so bin ich aber ebenso froh, dass ich sie erst nächsten Januar wieder sehen werde, wenn ich dieses Experiment eventuell, allenfalls vielleicht wiederholen werde. Vielleicht.

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